Der Nachsommer, 1857 veröffentlicht, entfaltet die allmähliche Bildung eines jungen Bürgers, dessen Pilgerschaft in Natur- und Kunstlandschaften im Rosenhaus des Freiherrn von Risach ihren Mittelpunkt findet. In geduldigen, klassizistisch ausgewogenen Perioden, die Kataloge von Dingen, Pflanzen, Geräten und Bildern zu stillen Kompositionen ordnen, verwandelt Stifter Beobachtung in Ethik: das sanfte Gesetz einer Welt, in der Maß, Pflege und Arbeit Konflikt ersetzen. Der Roman steht zwischen Biedermeier und Poetischem Realismus und erprobt eine harmonische Kultur der Selbstverfeinerung. Adalbert Stifter (1805-1868), aus Oberplan in Böhmen, war nicht nur Schriftsteller, sondern Landschaftsmaler, Pädagoge und Schulbeamter in Linz. Seine naturwissenschaftlichen Interessen-Geologie, Botanik, Meteorologie-und eine aufmerksame Praxis des Gehens prägten seinen Blick. Aus der Idee eines "sanften Gesetzes" (Bunte Steine) formte er im Nachsommer ein pädagogisches Gegenmodell zur Moderne: Bildung durch Anschauung, Handwerk, Sammlung und gärtnerische Ordnung. Empfohlen ist dieses Buch allen Leserinnen und Lesern, die eine langsame, genaue Prosa als intellektuelle Übung der Aufmerksamkeit schätzen. Wer der Frage nachgeht, wie ästhetische und moralische Form zusammenfallen, findet hier ein exemplarisches Labor der Bildung-ein stilles, nachhaltiges Werk von höchster kulturgeschichtlicher Relevanz. Quickie Classics fasst zeitlose Werke präzise zusammen, bewahrt die Stimme des Autors und hält die Prosa klar, schnell und gut lesbar - destilliert, niemals verwässert. Extras der erweiterten Ausgabe: Einführung · Zusammenfassung · Historischer Kontext · Kurze Analyse · 4 Reflexionsfragen · Redaktionelle Fußnoten.