Der evangelische Autor Andreas Baumann zeigt anhand des Lebens und der Schriften der spanischen Karmelitin, Ordensgründerin und Kirchenlehrerin Teresa von Avila, wie wir in unserer Freundschaft zu Gott wachsen können. So geht es um Fragen wie: Kann ich Gott nahe kommen? Wie lerne ich beten? Wie kann ich an Gott festhalten, auch wenn ich ihn nicht spüre? Ist es möglich, Gott im Alltag erleben? Wie kann meine Liebe zu Gott wachsen? Ergänzt werden die einzelnen Themen durch biblische Bezugsstellen. Ein Gebet am Ende jedes Kapitels regt dazu an, das Gelesene vor Gott zu bewegen. Ein für das eigene Leben und den Glauben wertvolles Buch. Mit einem Vorwort von Pater Dr. Reinhard Körner, Rektor des Exerzitienhauses und Prior des Karmelitenklosters Birkenwerder bei Berlin.

Autorentext

Andreas Baumann lebt mit seiner Frau und 3 Kindern im Großraum Frankfurt. Nach mehreren Jahren als Gemeindepastor wechselte der promovierte Theologe und Missionswissenschaftler in die Leitung des 'Christlicher Hilfsbund im Orient e.V.'. Daneben engagiert er sich als Autor, Dozent und Seminarleiter.



Leseprobe
1.Teresas Leben Bei dieser Überlegung zur Wahl einer Lebensform [nämlich Nonne in einem Kloster zu werden] bestimmte mich meiner Meinung nach mehr knechtische Furcht als Liebe. (V 3,6) Es ist ein anderes, neues Buch ab hier, ich meine ein anderes, neues Leben. Das bis hierher war meines; das was ich gelebt habe seitdem ist, wie mir scheint das, was Gott in mir lebte (vgl. Gal 2,20) Der Herr sei gepriesen, dass er mich von mir selbst befreit hat. (V 23,1) Wenn ich seine Liebe, die er zu mir hatte, betrachtete, fasste ich wieder Mut, denn das Vertrauen auf seine Barmherzigkeit habe ich nie verloren, das auf mich aber oft. (V 9,7) Für meine Entdeckungsreise mit Teresa war es wichtig, mehr über ihre Lebensumstände zu erfahren. Erst dann würde ich besser verstehen können, wie manche ihrer Äußerungen einzuordnen waren. Will man Teresa von Avila und ihre Spiritualität verstehen und davon profitieren , ist es wichtig, ihre Äußerungen auf dem Hintergrund ihrer eigenen Lebensgeschichte zu begreifen. Was also wissen wir von ihrem Leben und von der Zeit, in der sie aufwuchs? Das Ende des 15. und der Beginn des 16. Jahrhunderts waren in Spanien Jahrzehnte mit starken Umwälzungen und einer besonderen Dynamik. 1492 kam mit der Rückeroberung Granadas durch Königin Isabella und König Ferdinand die über 700-jährige Geschichte islamischer Gebiete in Spanien zu ihrem Ende. Im gleichen Jahr noch entdeckte Christoph Kolumbus in den Diensten der spanischen Krone den Seeweg nach Amerika bzw. zu den Westindischen Inseln, wie man sie nannte. In den folgenden Jahrzehnten zog es viele junge Männer (auch Teresas Brüder) in die neue Welt, um dort ihr Glück zu machen. In Spanien gab es plötzlich einen deutlichen Frauenüberschuss. Dies führte dazu, dass viele gerade wohlhabende Familien ihre Töchter in Klöstern unterbrachten. Man hatte die Erwartung, dass sie dort gut versorgt würden. So kam es in vielen Klöstern zu einer Akzentverschiebung: Man nahm es mit dem strengen klösterlichen Leben nicht mehr ganz so ernst. Gleichzeitig und parallel zur Reformation in Deutschland erlebte Spanien einen geistlichen Aufbruch: Entgegen der Tendenz zu einer Veräußerlichung des Glaubens, wie er sich z. B. im Ablasswesen zeigte, wuchs das Anliegen nach einer Verinnerlichung der Glaubensinhalte. Inspirationen dazu kamen u. a. auch von den deutschen Mystikern Heinrich Seuse und Johannes Tauler. Insbesondere Fragen nach der rechten Art der Meditation und des Gebets bewegten die Menschen. Konnte es ausreichen, Gebet nur äußerlich zu verrichten? Oder galt es nicht vielmehr innerlich zu beten? Denn beim Gebet ging es doch immerhin um eine Begegnung mit dem lebendigen Gott. In mehreren Orden kam es in dieser Zeit zu Reformen, z. B. bei den Franziskanern und Dominikanern. Außerdem wurden zahlreiche geistliche Schriften in die Landessprache übersetzt. Die geradezu aufgeheizte religiöse Stimmung rief allerdings auch die Inquisition auf den Plan, befürchtete man doch unter dem Mantel einer immer intensiveren Frömmigkeit auch manche ekstatische Entartung des Glaubens und gefährliche Irrlehren. So zum Beispiel im Falle der sogenannten Alumbrados (die Erleuchteten), die die Inquisition im Verdacht hatte, vom Luthertum beeinflusst zu sein. Ab 1559 wurden sämtliche geistlichen Bücher in der Landessprache verboten. Nur auf diesem Hintergrund sind Leben und Werk von Teresa von Avila richtig einzuordnen. Zum einen wurde sie selbst in ihrer Entwicklung stark geprägt vom religiösen Aufbruch im damaligen Spanien, beispielsweise durch ihre Lektüre des Kontemplationsbuches Das geistliche ABC des Franziskaners Francisco de Osuna. Zum anderen musste sie in diesem Umfeld ihren eigenen Standpunkt finden und sich nach verschiedenen Seiten hin abgrenzen. Doch fangen wir ganz vorn an: Geboren wurde Teresa am 28. März 1515 in Avila in Kastilien, rund 100 km nordwestlich von Madrid. Ihr Vater, Don Alonso Sanchez de Cepeda, stammte aus der Familie eines begüterten jüdischen Kaufmanns, der sich zusammen mit seiner ganzen Familie 1485 christlich taufen ließ. Viele Juden waren in Spanien dazu gezwungen worden, zum Christentum zu konvertieren. Das Alhambra-Edikt von 1492 ordnete schließlich die Vertreibung aller jüdisch gebliebenen Einwohner Spaniens an. Gegenüber den Neu-Bekehrten, den sogenannten Conversos, bestand ein großes Misstrauen: Schließlich konnte man sich ja nicht sicher sein, ob sie es mit ihrem neuen Glauben wirklich ernst meinten oder nur zum Schein konvertiert waren. Dies führte zu einer starken Diskriminierung der Conversos.2 Don Alonsos Vater kaufte sich deshalb einen Adelstitel und zog von Toledo nach Avila, um dort unbelastet von seiner jüdischen Vergangenheit ein neues Leben zu beginnen. Ihren Vater beschreibt Teresa als einen ehrenwerten Mann, der mit anderen Menschen auch mit seinen Bediensteten immer großes Mitgefühl hatte. Teresas Mutter stammte aus einer angesehen altkastilischen Familie. Sie heiratete Don Alonso, der deutlich älter und bereits verwitwet war, im Alter von nur 14 Jahren. Insgesamt hatte Teresa zwölf Geschwister (drei Schwestern und neun Brüder), zwei davon aus der ersten Ehe ihres Vaters. Teresa war das dritte Kind ihrer Mutter und nach eigener Aussage der Liebling ihres Vaters. Von ihren Eltern wurde Teresa christlich erzogen. Ihre Mutter war nach Teresas Aussage eine gute Christin, die ihr u. a. verschiedene Gebete beibrachte. Teresas Vater besaß etliche Bücher und legte Wert darauf, dass alle seine Kinder Lesen und Schreiben lernten. Teresa las als Kind gern Heiligenlegenden, was einen bleibenden Eindruck bei ihr hinterließ. Schon früh bewegte sie der Gedanke, dass die Ewigkeit eigentlich viel wichtiger ist als das eigene begrenzte Leben in der Welt. Sie sorgte sich darum, wo und wie sie diese Ewigkeit verbringen würde. Teresa schrieb dazu: Es beeindruckte uns sehr, wenn es in dem, was wir lasen, hieß, dass Pein und Herrlichkeit für immer andauern sollten, und es gefiel uns, oftmals zu sagen: für immer, für immer (V 1,4). Ein sicheres Mittel, um in den Himmel zu kommen, schien der kleinen Teresa der Märtyrertod zu sein. So fasste sie im Alter von sieben Jahren den Entschluss, nach Nordafrika zu gehen und dort die muslimischen Einwohner, die Mauren, darum zu bitten, sie zu köpfen. Ihren vier Jahre älteren Bruder, mit dem sie diese Dinge gemeinsam bewegte, stiftete sie dazu an, sie zu begleiten. Man packte also Essen ein und machte sich auf den Weg. Als die beiden die Stadt verließen, wurden sie von einem Onkel entdeckt. Damit war das Abenteuer auch schon vorbei, denn er brachte sie schnurstracks wieder nach Hause. Teresa schrieb dazu: Als ich sah, dass es unmöglich war, dorthin zu gehen, wo sie mich für Gott umgebracht hätten, beschlossen wir, Einsiedler zu werden. In einem Garten, den es zu Hause gab, versuchten wir, so gut es ging, Einsiedeleien zu bauen, ? die abe…
Titel
Teresa von Avila
Untertitel
Wachsen in der Freundschaft mit Gott
EAN
9783868278460
ISBN
978-3-86827-846-0
Format
E-Book (epub)
Hersteller
Veröffentlichung
01.12.2014
Digitaler Kopierschutz
Wasserzeichen
Dateigrösse
0.46 MB
Anzahl Seiten
160
Jahr
2014
Untertitel
Deutsch
Auflage
1., Auflage
Lesemotiv