Essay aus dem Jahr 2023 im Fachbereich Soziologie - Sonstiges, Universität Münster (Institut für Soziologie), Veranstaltung: Theorien der Gabe - Zwischen Religion und Wirtschaft, Sprache: Deutsch, Abstract: Diese Arbeit untersucht das Konzept des Verlusts bei Georges Bataille und Jacques Lacan und zeigt, warum Verlust nicht nur ein philosophisches Randphänomen, sondern ein zentrales Prinzip menschlicher Subjektivität und kapitalistischer Ökonomie ist. Während Bataille den Menschen als Überflusswesen begreift, das überschüssige Energie notwendig durch Verschwendung und Opfer abbauen muss, analysiert Lacan Verlust als konstitutive Struktur des Begehrens: Das Subjekt begehrt um ein immer schon verlorenes "Ding" herum. Ausgehend von Lacans Psychoanalyse wird Batailles Kapitalismuskritik kritisch weitergedacht. Die Arbeit argumentiert, dass der Kapitalismus den Verlust nicht verdrängt, sondern strukturell integriert und zugleich verleugnet. Opfer finden nicht mehr im Ritual statt, sondern im Alltag: in der geopferten Arbeitszeit der Produzierenden und im Geldverlust der Konsumierenden. Gerade diese unsichtbare Opferstruktur ermöglicht psychische Befriedigung und stabilisiert das System. Die Arbeit verbindet politische Ökonomie, Psychoanalyse und Gesellschaftskritik und zeigt, warum Batailles strikte Trennung von produktiver und unproduktiver Konsumtion im Kapitalismus nicht aufrechterhalten werden kann.