Der Tunnel (1913) entwirft die Vision eines transatlantischen Tunnels, den der Ingenieur Mac Allan gegen massiven Widerstand von Kapital, Politik und Natur durchsetzt. Zwischen Baustellenkatastrophen, Arbeiteraufständen, Börsenrausch und politischer Propaganda wird der Bau zum globalen Spektakel und zur Zerreißprobe moderner Gesellschaften. Kellermann orchestriert eine montierende, reportagehafte Erzählweise mit filmischem Schnitt, Schlagzeilen-Collagen und nüchternem Ton, die zugleich von expressionistischer Dynamik und Spannung getragen ist. Der Roman steht an der Schwelle der Vorkriegsmoderne und verbindet Technikbegeisterung mit scharfer Medien- und Kapitalismuskritik. Bernhard Kellermann (1879-1951) war Schriftsteller und Journalist; seine Arbeit in den Metropolen der Kaiserzeit und seine Reportageerfahrungen prägten seine Wahrnehmung von Tempo, Risiko und Öffentlichkeit. Beobachtungen an Börsen, auf Großbaustellen und in Redaktionen flossen in die Konstruktion des Romans ein. So erklärt sich der dokumentarische Duktus, die genaue Kenntnis industrieller Abläufe und die kritische Aufmerksamkeit für Massenpsychologie und Medienwirkungen, die das Buch über reine Zukunftsfantasie hinausheben. Empfehlenswert ist Der Tunnel für Leserinnen und Leser, die Technikgeschichte, Medienkultur und die Ökonomien der Moderne zusammendenken wollen. Als spannungsgeladener Technikroman und als kulturhistorische Quelle eröffnet er Einsichten in die Versprechen und Verwerfungen gigantischer Infrastrukturprojekte. Wer die Aktualität von Hype, Risiko und gesellschaftlicher Beschleunigung verstehen will, findet hier eine klarsichtige, eindringliche Lektüre. Quickie Classics fasst zeitlose Werke präzise zusammen, bewahrt die Stimme des Autors und hält die Prosa klar, schnell und gut lesbar - destilliert, niemals verwässert. Extras der erweiterten Ausgabe: Einführung · Zusammenfassung · Historischer Kontext · Kurze Analyse · 4 Reflexionsfragen · Redaktionelle Fußnoten.
Autorentext
Bernhard Kellermann (1879 - 1951) war ein deutscher Schriftsteller. Ab 1904 machte er sich einen Namen als Romanautor, als eines seiner frühen Werke, Yester und Li, außerordentlichen Erfolg erreichte und bis 1939 insgesamt 183 Auflagen erlebte. Auch der Roman Ingeborg erreichte 131 Auflagen. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg erschienen Romane und Reiseberichte im Anschluss an Reisen in die USA und Japan. 1913 erschien sein Hauptwerk Der Tunnel. 1920 erschien der Roman Der 9. November, der sich kritisch mit dem Verhalten von Soldaten und Offizieren gegenüber der Bevölkerung auseinandersetzte.