Die Vagabundin zeichnet das Selbstfindungsdrama der geschiedenen Bühnenkünstlerin Renée Néré, die zwischen der Verlockung bürgerlicher Sicherheit und der harten, doch kostbaren Autonomie der Tourneeexistenz schwankt. In impressionistischer, präzise beobachtender Prosa verknüpft Colette Backstage-Realien, urbane Topographien der Belle Époque und subtile Innenmonologe. Briefe und Reflexionen rhythmisieren die Erzählung; die Performance des Körpers fungiert als Erkenntnisinstrument. Als Liebhaber tritt der wohlhabende Maxime auf, dessen Angebot eine ethische und ökonomische Prüfung der weiblichen Selbstbestimmung auslöst. Der Roman steht an der Schwelle von Realismus und frühem Modernismus und schreibt eine weibliche Künstlerinnenbiografie gegen die Konvention. Colette (1873-1954), zuvor selbst Varieté- und Pantomimekünstlerin, transformiert in diesem Werk eigene Lebensstationen nach der Trennung von Willy in poetische Analyse. Ihre intime Kenntnis der Bühnenarbeit, der ökonomischen Prekarität und der männlich kodierten Öffentlichkeit speist die Darstellung. Zugleich reflektiert sie die juristischen und kulturellen Spielräume der Dritten Republik und entwickelt daraus eine Poetik der Selbstsorge. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die literarisch fundierte Erkundungen weiblicher Agency, künstlerischer Arbeit und Liebesethik suchen. Die Vagabundin bietet eine dichte, kluge Studie über Freiheit als Praxis - ohne romantische Beschönigung, doch mit sinnlicher Genauigkeit. Ein Schlüsseltext für Genderstudies, Theater-, Stadt- und Modernismusforschung - und ein bewegender Roman. Quickie Classics fasst zeitlose Werke präzise zusammen, bewahrt die Stimme des Autors und hält die Prosa klar, schnell und gut lesbar - destilliert, niemals verwässert. Extras der erweiterten Ausgabe: Einführung · Zusammenfassung · Historischer Kontext · Autorenbiografie · Kurze Analyse · 4 Reflexionsfragen · Redaktionelle Fußnoten.