Dem westlichen Gesellschaftsmodell wurde bereits vor uber hundert Jahren der Untergang vorhergesagt. Erst heute schwindet sein Einfluss tatsächlich. Aber haben diejenigen, die am lautesten daruber klagen, nicht selbst die Saat fur den längst unubersehbaren Verfall gesät?

Dass die liberalen Demokratien der westlichen Welt zunehmend unter Druck geraten, ist zu Recht häufig konstatiert worden. Neben der wachsenden Macht autoritärer Staaten werden hierzulande vor allem populistische Bewegungen dafur verantwortlich gemacht. Fur Ferdinand Knauß greift diese Erklärung zu kurz. Er verfolgt den Beginn des Niedergangs mehr als funf Jahrzehnte zuruck: zum Konflikt zwischen der Kriegsgeneration und ihren Kindern, den Achtundsechzigern. Denn die akademischen Tonangeber der Nachkriegsgeneration forderten nicht nur die Aufarbeitung historischer Schuld, sondern propagierten den Aufstand gegen das westliche Gesellschaftsmodell. Obwohl dieser zunächst sein Ziel nicht erreichte, gelangten die erklärten Gegner des Westens mit dem »Marsch durch die Institutionen« an die Schaltstellen der Macht und beanspruchen seither die Deutungshoheit: Liberale Demokratie soll nicht mehr als Regelwerk einer pluralistischen Gesellschaft dienen, sondern als moralische Blaupause zur Durchsetzung universeller Ziele ein Anspruch, der zunehmend an der Realität zu scheitern droht.

Autorentext
Ferdinand Knauß, Jahrgang 1973, lebt in Dusseldorf. Nach dem Studium der Geschichte und Japanologie in Dusseldorf, Nantes und Tokio arbeitete er u. a. fur die »Wirtschaftswoche« und das »Handelsblatt«. Zurzeit ist er Redakteur bei der Zeitschrift »Cicero«. Zuletzt ist von ihm erschienen »Merkel am Ende« (2018).
Titel
Der gelähmte Westen
Untertitel
Chronik einer Selbstaufgabe
EAN
9783987374777
Format
E-Book (pdf)
Veröffentlichung
10.03.2026
Digitaler Kopierschutz
Wasserzeichen
Anzahl Seiten
169