Ein Albtraum aus Lehm und Schatten
Im Labyrinth des Prager Ghettos verschwimmen die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Wahnsinn. Alle 33 Jahre, so heißt es in den dunklen Gassen, erwacht eine unheimliche Legende zum Leben: der Golem. Ein künstliches Wesen, belebt durch eine geheime, uralte Formel.
Als ein rätselhaftes Buch in die Hände des Edelsteinschleifers Athanasius Pernath gelangt, gerät dessen gesamte Existenz aus den Fugen. Ein Sog aus verlorenen Erinnerungen, spirituellen Visionen und einem undurchsichtigen Kriminalfall reißt ihn unaufhaltsam mit sich. Ist der Golem ein Verfolger aus der Dunkelheit oder das verzerrte Spiegelbild seiner eigenen, zerbrochenen Seele?
Gustav Meyrinks Klassiker der phantastischen Literatur ist weit mehr als ein Schauerroman. Es ist eine psychologische Reise in das Unterbewusstsein und ein tiefgründiges Werk über die Suche nach der eigenen Identität. Ein Meilenstein der schwarzen Romantik und ein Muss für jeden Liebhaber des literarischen Horrors.
Autorentext
Gustav Meyrink (1868-1932) war einer der bedeutendsten Vertreter der phantastischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Geboren in Wien als unehelicher Sohn einer Schauspielerin und eines Ministers, verbrachte er seine prägendsten Jahre als Bankier im schillernden, aber morbiden Prag der Jahrhundertwende.
Sein Leben glich selbst einem Roman: Ein geplanter Suizid in jungen Jahren wurde - so die Legende - durch eine unter seiner Tür durchgeschobene okkulte Broschüre verhindert. Dieses Ereignis markierte seinen lebenslangen Weg in die Welt der Mystik, Alchemie und des Okkultismus. Nachdem eine unbegründete Verhaftung wegen Betrugs sein Bankgeschäft ruiniert hatte, widmete er sich ganz dem Schreiben.
Mit seinem 1915 erschienenen Welterfolg "Der Golem" schuf er ein Meisterwerk, das weit über das Genre des Schauerromans hinausreicht. Meyrink nutzte die Prager Kulisse und jüdische Legenden nicht nur als Gruselstoff, sondern als Bühne für tiefenpsychologische und spirituelle Grenzerfahrungen. Er beschrieb das menschliche Bewusstsein als ein Labyrinth, in dem das "Ich" erst durch schmerzhafte Wandlung zur Erleuchtung finden muss.
Meyrinks Stil ist geprägt von beißender Satire gegenüber dem bürgerlichen Materialismus und einer gleichzeitig tiefen Sehnsucht nach dem Unaussprechlichen. Er war ein Wanderer zwischen den Welten, der Yoga praktizierte, als dies in Europa noch weitgehend unbekannt war, und der das Phantastische zur Methode der Selbsterkenntnis erhob. Heute gilt er als Wegbereiter des psychologischen Horrors und als der Autor, der der Stadt Prag ihr ewiges, mystisches Gesicht verlieh.