Alraune. Die Geschichte eines lebenden Wesens verzahnt biologistische Spekulation und fin-de-siècle-Groteske: Der Physiologe Jakob ten Brinken befruchtet eine Prostituierte mit dem Samen eines hingerichteten Mörders und zeugt ein Kind, das - in Anspielung auf die Wurzelmythe - Alraune genannt wird. Aus dem klinischen Versuch erwächst eine femme fatale, deren magnetische Erotik und moralische Kälte Leben verwüstet. Zwischen Fallstudie und Märchen oszillierend, verbindet der Roman protowissenschaftliche Detailfreude, dekadentes Kolorit und düsteren Humor; er verhandelt Erblichkeit, Milieu, Freiheit und Schuld im Spannungsfeld von Eugenik, Sexologie und Kriminalanthropologie. Hanns Heinz Ewers (1871-1943), Kosmopolit, Jurist und Erzähler des Unheimlichen, bewegte sich zwischen Kabarett, Reisereportage und frühem Film (Der Student von Prag). Geprägt von Okkultismusdebatten, Hypnosekult und der Wiederentdeckung Mendels verband er zeitdiagnostische Neugier mit Provokationslust. Seine Nähe zu zeitgenössischer Biologie und Kriminologie erklärt die kalte Experimentierlogik des Romans ebenso wie dessen bewusst reizüberschreitende Erotik. Empfehlenswert ist Alraune für Leserinnen und Leser, die eine literarisch elegante, zugleich beunruhigende Studie über künstliches Leben, Begehren und Verantwortlichkeit suchen. Als Schlüsseltext zwischen Décadence und moderner Bioethik fordert der Roman zur kritischen Lektüre heraus - nicht zuletzt wegen seiner zeittypischen, heute kontroversen Stereotype und Verführungskraft. Quickie Classics fasst zeitlose Werke präzise zusammen, bewahrt die Stimme des Autors und hält die Prosa klar, schnell und gut lesbar - destilliert, niemals verwässert. Extras der erweiterten Ausgabe: Einführung · Zusammenfassung · Historischer Kontext · Kurze Analyse · 4 Reflexionsfragen · Redaktionelle Fußnoten.