Der Roman verfolgt den Lebensweg von Diederich Hessling von der Jugend bis zu seiner Karriere als Unternehmer und einflussreicher Bürger. Schon als Kind ist Hessling geprägt von Angst vor Autoritäten und gleichzeitigem Bedürfnis, selbst Macht über Schwächere auszuüben. Während seines Studiums entwickelt er eine fanatische Verehrung für den Kaiser und das autoritäre Staatsideal. Als Fabrikant nutzt er jede Gelegenheit, um sich nach oben anzupassen: Er schmeichelt Mächtigen, unterdrückt Untergebene und nutzt politische Parolen, um seine eigenen Interessen zu sichern. Moralische Überzeugungen besitzt er kaum - entscheidend ist für ihn allein Loyalität gegenüber Macht und Erfolg. Am Ende wird Hessling zu einem Symbol jener Gesellschaft, die Autorität verehrt, während sie gleichzeitig Opportunismus und Feigheit kultiviert.
Autorentext
Heinrich Mann (1871-1950) war einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller und politischen Intellektuellen des 20. Jahrhunderts. Als älterer Bruder von Thomas Mann entwickelte er früh ein starkes Interesse an gesellschaftlichen und politischen Fragen. Sein Werk ist geprägt von scharfer Kritik an autoritären Strukturen, bürgerlicher Heuchelei und politischem Opportunismus. Besonders mit seinem Roman Der Untertan schuf er eine der wichtigsten literarischen Satiren auf das wilhelminische Deutschland. Während der Zeit des Nationalsozialismus musste Mann ins Exil gehen und lebte später in Frankreich und den Vereinigten Staaten. Heute gilt er als einer der grossen politischen Erzähler der deutschen Literatur.