The discussions regarding political theory and the crisis of late medieval relations between church and state, which lasted from the stormy days of Pope Boniface VIII and his fight against King Philip the Fair of France, pointed the way for practical politics not only in the 14th century but also in the centuries to come. In this study, Jürgen Miethke examines the conditions under which these theories originated as well as the framework of their imprint on the realities of power in late medieval Europe. He analyzes the main authors of political treatises from Thomas Aquinas to William of Ockham and examines the debate which took place at that time.

Jürgen Miethke untersucht Rahmenbedingungen der Entstehung und Wirkung politischer Theorie in der formativen Phase der lebhaften Debatte um die Amtskompetenz des Papstes in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Scholastische Universität und Herrscherhof erweisen sich als die Foren, auf denen die Diskussionen geführt wurden. Die Rolle der verschiedenen Fakultäten war die von 'Leitwissenschaften', die Sprache und Form der Debatte, Belege und Bedeutungshorizont der Texte bestimmten. Die praktischen Erfahrungen mit dem päpstlichen Anspruch auf weltbeherrschende Leitung der Christenheit auch in weltlichen Belangen, wie er von einem Bonifaz VIII. dröhnend verkündet und praktiziert worden war und wie er künftig bei jedem Konflikt neu erhoben werden konnte, die konkreten Maßnahmen, die beide Seiten im Streit ergriffen, erweisen sich für die Fragestellung der Theoretiker als bestimmend. Die wichtigsten "papalistischen" Autoren (Aegidius Romanus, Jakob von Viterbo, Augustinus von Ancona oder Alvarus Pelagius) kommen in dem Buch ebenso zur Sprache wie deren Kritiker, die Verteidiger eines Eigenrechts des Staats (Johannes Quidort, Dante, Marsilius von Padua, Wilhelm von Ockham).
Die damals geführten Erörterungen haben jeweils in besonderer Weise zur Entscheidungsfindung der praktischen Politik beigetragen, indem sie allen Beteiligten mit den Mitteln der damaligen Wissenschaft einen vernünftigen Horizont der Weltorientierung vermitteln wollten. Damit konnten sie den konkreten Überlegungen im einzelnen einen sicheren Halt geben und gaben auch den Handelnden ein gutes Gewissen. Darüber hinaus wurde in diesen Debatten für die spätere politische Theorie Grundlagenarbeit geleistet. In der Tat wurde bis in die Zeit der Reformation des 16. Jahrhunderts das Verständnis des Verhältnisses von Staat und Kirche hier zutiefst vorgeprägt. Ein guter Teil der Probleme der Moderne ist daher in der Debatte, die in dieser Studie untersucht wird, bereits gegenwärtig.

Autorentext
Geboren 1938; 1984â2003 Ordinarius für Mittlere und Neuere Geschichte an der Universität Heidelberg.
Titel
De potestate papae
Untertitel
Die päpstliche Amtskompetenz im Widerstreit der politischen Theorie von Thomas von Aquin bis Wilhelm von Ockham
EAN
9783161585548
Format
E-Book (pdf)
Hersteller
Digitaler Kopierschutz
Adobe-DRM
Dateigrösse
28.45 MB
Anzahl Seiten
357