Studienarbeit aus dem Jahr 2026 im Fachbereich Literaturwissenschaft, FernUniversität Hagen, Sprache: Deutsch, Abstract: Der Text untersucht Lessings Verständnis religiöser Wahrheit im Kontext der Aufklärung. Ausgangspunkt bildet der Fragmentenstreit, der durch Lessings Veröffentlichung offenbarungskritischer Schriften von Hermann Samuel Reimarus ausgelöst wurde. Vor diesem Hintergrund entwickelt Lessing eine religionsphilosophische Position, nach der religiöse Wahrheit weder auf historische Beweise noch auf den buchstäblichen Autoritätsanspruch heiliger Texte gegründet werden kann, sondern sich im Gebrauch der Vernunft und im ethischen Handeln bewähren muss. Diese Perspektive findet ihre literarische Ausarbeitung in Lessings Drama "Nathan der Weise". In der Ringparabel wird der Anspruch der drei monotheistischen Religionen auf absolute Wahrheit relativiert und in eine ethische Bewährungsprobe überführt. Darüber hinaus stellt der Text Bezüge zum tragischen Wahrheitszwang des Ödipus-Mythos sowie zum Hiob-Motiv her. Damit zeigt sich, dass Lessing religiöse Wahrheit nicht als dogmatischen Besitz versteht, sondern als einen Prozess der vernünftigen Bildung des Menschen - eine Perspektive, die auch in seiner Schrift "Die Erziehung des Menschengeschlechts" philosophisch ausgearbeitet wird.

Titel
Wahrheit als Praxis: Lessings Religionsphilosophie in "Nathan der Weise"
EAN
9783389182864
Format
E-Book (pdf)
Hersteller
Veröffentlichung
16.03.2026
Digitaler Kopierschutz
frei
Dateigrösse
0.3 MB