Julie Metz ist Grafikerin, Künstlerin und freie Journalistin. Sie war Stipendiatin des MacDowell Fellowship und lebt heute mit ihrer Tochter und ihrem Partner in Brooklyn, New York. 'Die fünf Geliebten meines Mannes' war in den USA ein großer Erfolg, die Buchrechte wurden weltweit verkauft.
Autorentext
Julie Metz ist Grafikerin, Künstlerin und freie Journalistin. Sie war Stipendiatin des MacDowell Fellowship und lebt heute mit ihrer Tochter und ihrem Partner in Brooklyn, New York. "Die fünf Geliebten meines Mannes" war in den USA ein großer Erfolg, die Buchrechte wurden weltweit verkauft.
Zusammenfassung
Julie Metz schien ein perfektes Leben zu führen mit einem liebenden Ehemann, einer wohlgeratenen kleinen Tochter und einem hübschen Haus in einer malerischen Kleinstadt. Doch plötzlich verändert ein einziger Moment alles. Die Geschichte einer jungen Witwe, die nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes dessen Doppelleben entdecken muss. Eine bewegend ehrliche, faszinierende Autobiografie über Verfehlung und Vergebung.
Leseprobe
Zwei
Januar und Februar 2003
Freunde und Verwandte kehrten in ihren Alltag zurück, und es wurde still im Haus.
Meine neue Einsamkeit machte mir Angst. Mit meinem Kind allein zu leben, darauf war ich nicht vorbereitet.
Ein kleiner Kreis aus Freunden, Familie und Helen, einer fürsorglichen Therapeutin, die Henry und ich einige Jahre lang als Paartherapeutin aufgesucht hatten, kümmerte sich in den verschwommenen Wochen nach der Beerdigung um Liza und mich. Freundinnen versorgten Liza, wenn ich dazu außerstande war. Sie brachten Essen, füllten die Spülmaschine und räumten sie wieder aus, stellten die Mülltonnen an die Straße, so wie Henry es immer getan hatte. Sie hörten mir beim Weinen zu und nahmen mich in den Arm.
Nach zwei Wochen fühlte ich mich in der Lage, Liza wieder zur Schule zu schicken, ein bisschen zu arbeiten und die Wäsche zu machen. Ich wollte mich wieder als kompetente Person erleben, mich meinem neuen Dasein stellen.
Mein Bruder David begann damit, meine Finanzen neu zu ordnen, und arbeitete sich durch Henrys Testament. Seine Frau Susan half mir bei ihren Besuchen am Wochenende das Haus umzuräumen. Meine Eltern riefen täglich an.
Freunde luden Liza und mich oft zu sich zum Essen ein, damit wir nicht zu viele einsame Abende zu Hause verbrachten. Aber manchmal war ich dazu auch nicht in der Lage. Beim Abschied, wenn wir uns bedankten, standen sie immer im warmen Licht des Hausflurs und winkten uns zum Abschied. Es spielte keine Rolle, dass ich genau wusste, wie kompliziert ein Familienleben sein kann und wie wenig perfekt das ihre vielleicht war. Aber sie hatten immerhin noch die Illusion dieser Perfektion, ein warmes Zusammengehörigkeitsgefühl. Doch welche Illusion auch immer wir gehegt hatten, nun war sie verschwunden, und ich wusste, dass sie mich dafür bemitleideten. Mein Leben war ein Chaos, aber ich wollte kein Mitleid.
Unser Haus war uns zu groß geworden. Ich merkte, wie verloren ich mich darin fühlte. Meine bisherigen Rollen als Sous-Chefin in der Küche und Gastgeberin am Wochenende gab es nicht mehr. Liza und ich lebten still in nur wenigen Zimmern. Viel öfter brachte ich Liza zu Cathy und Emily nach Hause, damit sie dort mit ihren Freundinnen spielen konnte, statt diese zu uns einzuladen. Die Tür zu Henrys Arbeitszimmer blieb, außer wenn mein Bruder da war, geschlossen. Das Esszimmer wurde nicht benutzt, sondern nur wöchentlich von unserer Haushaltshilfe gereinigt, die pflichtbewusst die Tische und Servierplatten abstaubte, die ich nach der Silvesterparty dort deponiert hatte.
Eines Abends saßen Liza und ich in unserer Küche. Ich ließ den Löffel in meiner Suppentasse kreisen. Liza aß mit mehr Begeisterung, legte schließlich aber auch den Löffel beiseite.
»Woher wissen wir eigentlich, dass wir nicht in einem Film sind?«, fragte sie.
Ich sah sie an und war mir nicht sicher, was ich darauf antworten sollte.
»Mama«, fuhr sie fort und formulierte die Frage etwas um, »wie können wir wissen, dass Sachen echt sind?«
Großartig. Jetzt haben wir also eine kleine Existenzialistin im Haus, dachte ich.
»Na ja«, sagte ich, »wir wissen es nicht. Wir hoffen eben, dass das, was wir für wirklich halten, auch wirklich ist.«
»Aber woher wissen wir es?«, fragte sie beharrlich.
Ah, eine Wissenschaftlerin, die einen empirischen Beweis fordert.
»Wir wissen es nicht«, wiederholte ich. »Wir können es nur hoffen.«
»Mama«, sagte Liza, »woher wissen wir, dass wir nicht alles bloß träumen? Weißt du, manchmal fühlt sich das Leben doch wie