Sie wurden nicht zur Legende wie die schöne Kaiserin Sisi von Österreich, aber die drei Gemahlinnen der deutschen Hohenzollernkaiser haben regen Anteil an der Geschichte ihrer Epoche genommen und waren hoch gebildete Frauen, die sich für ein liberaleres Deutschland einsetzten: Augusta von Sachsen-Weimar (1811-1890), Viktoria (1840-1901), königliche Prinzessin von Großbritannien, und Auguste Viktoria von Schleswig-Holstein (1858-1921).

Karin Feuerstein-Praßer, geboren 1956, lebt als freie Historikerin und Autorin in Köln und veröffentlichte zahlreiche Biografienbände.

Autorentext

Karin Feuerstein-Praßer, geboren 1956, lebt als freie Historikerin und Autorin in Köln und veröffentlichte zahlreiche Biografienbände.



Leseprobe

Kindheit und Jugend am Weimarer Musenhof

»Eine Prinzessin darf niemals müde sein«

Ob es wohl ein Glücksstern war, jener hell leuchtende Komet, der am 30. September 1811 am mitternächtlichen Himmel strahlte? So hoffte man zumindest in Weimar. An jenem Montag nämlich hatte die zweite Tochter des erbprinzlichen Paares von Sachsen-Weimar das Licht der Welt erblickt, ein gesundes kleines Mädchen, das sechs Tage später auf die Namen Marie Luise Augusta Katharina getauft wurde.

Augustas Mutter war die russische Großfürstin Maria Pawlowna (1786 - 1859), eine Enkelin Katharinas der Großen und nach dem schmeichelnden Urteil Goethes »eine der besten und bedeutendsten Frauen ihrer Zeit«. Von Augustas Vater wußte hingegen niemand etwas Vergleichbares zu sagen. Nachdem Maria Pawlowna 1804 mit Carl Friedrich den Bund fürs Leben geschlossen hatte, dem Sohn des brillanten Großherzogs Karl August von Sachsen-Weimar-Eisenach, muß ihr schon bald klargeworden sein, daß sie keinen kongenialen Partner gefunden hatte. Carl Friedrich galt zwar zu Recht als lieber Mensch, war aber offenbar etwas steif, langweilig und nach dem Urteil seiner Zeitgenossen zu schließen eher dumm. Die Schuhe seines vitalen Vaters waren ihm von Anfang an zu groß, denn der Horizont des Erbprinzen war eher bescheiden: Bis zu seinem Tod im Jahr 1853 blieb seine Lektüre im wesentlichen auf Märchen beschränkt. Und doch erfreute er sich, nachdem er 1828 die Herrschaft über das Herzogtum angetreten hatte, als gutmütiger und leutseliger Landesvater bei seinem Volk großer Beliebtheit.

Dazu freilich hatte auch Maria Pawlowna ihren Teil beigetragen. Seitdem sie am 9. November 1804 nach Weimar gekommen war, hatte sich der kleine Hof durch St. Petersburger Pracht, Pomp und Geld nachhaltig verändert. Man hatte also nicht nur unter dem politischen Aspekt eine wichtige Brücke nach Rußland geschlagen, auch in finanzieller Hinsicht erwies sich die Verbindung als warmer Regen, denn nun flossen dem vergleichsweise armen Land beachtliche Mittel zu, die Hof und Staat zugute kamen und die angespannte Finanzlage spürbar erleichterten. Doch die Weimarer hätten die junge Russin ohnehin liebgewonnen. Die damals 18jährige Tochter des Zaren Paul I. (1754 - 1801) hatte sich gleich von Anfang an klug in die neuen und eher bescheidenen Verhältnisse eingefügt und zugleich ihre Umgebung mit Freundlichkeit und jugendlichem Charme verzaubert. Sicherlich entscheidend für ihre Beliebtheit aber war Maria Pawlownas unermüdliche Fürsorge für Kranke und Bedürftige, was ihr in späteren Jahren den Ehrennamen »Engel der Armen« einbrachte.

Augusta, ihre drei Jahre ältere Schwester Marie und der jüngere Bruder, Erbprinz Karl Alexander (* 1818), wuchsen so auf, wie Fürstenkinder damals zumeist aufzuwachsen pflegten. Vater Carl Friedrich hielt sich, was die Kindererziehung betraf, eindeutig im Hintergrund. Doch auch die vielbeschäftigte Maria Pawlowna kümmerte sich um das Wohl des erbprinzlichen Nachwuchses eher im Sinne einer »Richtlinienkompetenz«, deren Umsetzung wiederum in den Händen der Kinderfrau lag, einer mütterlichen Dame namens Amalie Batsch, an der vornehmlich Augusta zeit ihres Lebens mit zärtlicher Liebe gehangen hat - einer Liebe, die, wie sich aus ihren zahlreichen Briefen unschwer erkennen läßt, weitaus inniger war als die zu ihrer eigenen Mutter, mit der sie eine eher förmliche Korrespondenz zu führen pflegte. Und doch hat Augusta ihrem »geliebten Bätschchen«, wie sie ihre Erzieherin bis zu deren Tod im Jahr 1847 bezeichnete, die aufopferungsvolle Arbeit nicht immer ganz leicht gemacht.

Die zweitgeborene Prinzessin war offensichtlich alles andere als ein umgängliches kleines Mädchen, auch wenn dieser Sachverhalt von den Zeitgenossen etwas v

Titel
Die deutschen Kaiserinnen
Untertitel
1871-1918
EAN
9783492968973
ISBN
978-3-492-96897-3
Format
E-Book (epub)
Herausgeber
Veröffentlichung
10.11.2014
Digitaler Kopierschutz
Wasserzeichen
Dateigrösse
3.79 MB
Anzahl Seiten
288
Jahr
2014
Untertitel
Deutsch
Features
Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet