Dieses monumentale Drama stellt den Ersten Weltkrieg als Zerfall der Sprache dar: In zahlreichen Szenen montiert Kraus Dialogsplitter, amtliche Verlautbarungen, Schlagzeilen und Wirtshausgerede zu einer grotesken Chronik 1914-1918. Die Bühne wird zum Archiv der Gegenwart, in dem Dokument und Satire, Pathos und Kabarett kollidieren. Im Kontext der europäischen Moderne nutzt das Werk Collage, Zitat und eine bewusst antiaristotelische Dramaturgie, die das Unaufführbare einkalkuliert. Präzise Regieanweisungen und ein eschatologischer Schluss rahmen die medial erzeugte Kriegswirklichkeit. Karl Kraus, Wiener Satiriker und Herausgeber der Zeitschrift Die Fackel, führte seit 1899 einen Feldzug gegen Presse, Kitsch und Phrase. Während des Krieges sammelte er Zeitungsausschnitte, Anzeigen, Befehle und Zeugnisse und verwandelte sie in den Stoff dieses Werks. Seine Sprachkritik ist ethisch begründet: Wo Worte lügen, beginnen Taten zu töten. Vorträge, Protokolle und die Nähe zum journalistischen Material erklären die dokumentarische Dichte. Empfohlen allen, die verstehen wollen, wie Medienrhetorik Realität formt und wie Literatur darauf antwortet. Die Lektüre fordert Geduld, belohnt jedoch mit einzigartiger Einsicht in die Verstrickung von Sprache, Macht und Gewalt. Für Historiker, Theaterpraktiker, Journalisten und Leser der Moderne ist Die letzten Tage der Menschheit ein unverzichtbares, verstörendes und erhellendes Dokument. Quickie Classics fasst zeitlose Werke präzise zusammen, bewahrt die Stimme des Autors und hält die Prosa klar, schnell und gut lesbar - destilliert, niemals verwässert. Extras der erweiterten Ausgabe: Einführung · Zusammenfassung · Historischer Kontext · Kurze Analyse · 4 Reflexionsfragen · Redaktionelle Fußnoten.