Die populäre Kultur der Metropole zeichnete sich in Paris und Berlin um 1900 durch zunehmende globale Verflechtungen und grenzüberschreitende Austauschprozesse aus. Die internationalen Programme der Theater, Music Halls und Weltausstellungen, beschleunigte Verkehrswege und technische Neuerungen sowie die Mobilität von Unternehmern und Künstlern, führten dazu, dass sich dem Publikum »die Welt« in der Stadt als kultureller Erfahrungshorizont öffnete.Vor diesem Hintergrund zeigt die Geschichte des Kulturtransfers des argentinischen Tango von Buenos Aires nach Paris und Berlin beispielhaft den Prozess der Aneignung eines kulturellen Imports in einem neuen Kontext. Im Fokus stehen dabei die vielfältigen Akteure des Transfers sowie die Konflikte und Herausforderungen, die mit der Rezeption des Tanzes und seiner Integration in das Repertoire der beiden Städte einhergingen. Die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen um eine entstehende Massenkultur in den Großstädten gehören zu den zentralen Elementen einer Kulturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Gerade die transnationalen Dimensionen der Metropolenkultur, so die zentrale Annahme, warfen dabei grundsätzliche Fragen nationaler und kultureller Identitäten auf.Metropolen waren hierbei Portale, die nicht nur eine zentrale Rolle bei der Entwicklung und Verbreitung populärer Kultur einnahmen, sondern darüber hinaus zu Orten der machtvollen Kontrolle, aber auch des Lernens und der Verarbeitung globaler Erfahrungen wurden. Paris und Berlin, so zeigt das Buch am Beispiel des Tango, standen dabei in einem ständigen Verhältnis der Beobachtung, des Austausches und der Konkurrenz. Metropolenkultur ist damit als eine genuin transnationale zu verstehen, die sich entlang vielfältiger Austauschbeziehungen und wechselseitiger Bezugnahmen der Städte untereinander und in der Auseinandersetzung mit »der Welt in der Stadt« konstituierte.



Autorentext
Dr. Kerstin Lange ist Historikerin und promovierte am Global and European Studies Institute der Universität Leipzig. Sie ist Mitarbeiterin am Promotionszentrum der Universität Bremen.

Zusammenfassung
The book analyses the cultural transfer of tango from Buenos Aires to Europe at the beginning of the 20th century. Based on case studies of Berlin and Paris, it examines a cultural phenomenon that was part of an international urban entertainment industry. The period of investigation concentrates on a historical phase that was marked by social debates about high and popular culture. The book aims to close a gap in research, where cultural phenomena are often investigated on a national level, leaving aside the methodological consideration of transnational interconnections. The argumentation is based on a concept of hybrid culture that criticises the constructedness of the concept of cultural spaces as self-contained national contexts of tradition and focuses on the changes of cultural styles, forms and tradition in the process of migration and cultural contact instead. An empirical basis, created by examining the transfer channel, international dissemination and reception, serves as a starting point for the analysis of the mutual influence and entanglement of the cultural history of the examined cities. The transnational research perspective of this book is part of the newer urbanization research and aims to contribute to the historical analysis of European urban culture.
Titel
Tango in Paris und Berlin
Untertitel
Eine transnationale Geschichte der Metropolenkultur um 1900
EAN
9783647301723
ISBN
978-3-647-30172-3
Format
E-Book (pdf)
Veröffentlichung
22.04.2015
Digitaler Kopierschutz
frei
Dateigrösse
2.43 MB
Anzahl Seiten
214
Jahr
2015
Untertitel
Deutsch