Seit den frühesten Jahrhunderten des Christentums gehört das Jüngste Gericht zu den wirkmächtigsten Bildern religiöser Vorstellungswelt. Es verspricht Klärung am Ende der Geschichte, ordnet Gut und Böse, trennt, was vermischt erschien, und setzt ein Maß, das über menschliche Maßstäbe hinausweist. Doch woher stammt diese Idee in ihrer konkreten Gestalt? Wie wurde aus verstreuten biblischen Motiven ein geschlossenes Szenario, das Theologie, Kunst und Predigt gleichermaßen prägte? Und welche Begriffe von Gerechtigkeit, Verantwortung und Weltordnung sind in dieses Bild eingeschrieben? Das Werk >Die Erfindung des Jüngsten Gerichts< folgt der Entstehung und Ausformung dieses Gedankens von seinen philosophischen Voraussetzungen bis zu seiner kirchlichen Dramaturgie. Sie untersucht, wie metaphysische Systeme, rechtliche Analogien und anthropologische Erwartungen ineinandergreifen und eine Vorstellung hervorbringen, die zugleich rational begründet und bildmächtig vermittelt wird. Dabei rückt nicht nur die dogmatische Konstruktion in den Blick, sondern auch die Übersetzung in Predigt, Liturgie und kulturelle Imagination. So erscheint das Jüngste Gericht weniger als bloße Endzeitkulisse denn als Schnittpunkt von Vernunft, Macht und Hoffnung: als Denkfigur, in der sich das Bedürfnis nach Gerechtigkeit mit der Autorität theologischer Systeme verbindet. Was als letzte Instanz gedacht wird, offenbart damit zugleich die Voraussetzungen, aus denen es hervorgegangen ist.



Autorentext

Lutz Spilker wurde am 17.2. des Jahres 1955 in Duisburg geboren. Bevor er zum Schreiben von Büchern und Dokumentationen fand, verließen bisher unzählige Kurzgeschichten, Kolumnen und Versdichtungen seine Feder. In seinen Veröffentlichungen befasst sich Lutz Spilker vorrangig mit dem menschlichen Bewusstsein und der damit verbundenen Wahrnehmung. Ihn fasziniert die Tatsache, dass zu jeder weiteren Sekunde neue Erkenntnisse existieren. »Ich liebe die Sprache: Sie vermag zu streicheln, zu liebkosen und zu Tränen zu rühren. Doch sie kann ebenso stachelig sein, wie der Dorn einer Rose und mit nur einem Hieb zerschmettern.«

Titel
Die Erfindung des Jüngsten Gerichts
Untertitel
Hoffnung, Furcht und Erlsung
EAN
9783565290772
Format
E-Book (epub)
Hersteller
Veröffentlichung
03.03.2026
Digitaler Kopierschutz
frei
Dateigrösse
4.5 MB
Anzahl Seiten
304