Verhaltensauffällige Kinder stellen im pädagogischen Alltag oft eine Herausforderung für Erzieher und Erzieherinnen dar. Welches kindliche Verhalten wird in der fachlichen Auseinandersetzung als auffällig verstanden? Welche Ursachen und welche Bedeutung hat es? Und welche Unterstützung kann und muss eine pädagogische Fachkraft für eine gute Entwicklung des Kindes leisten? Anhand zahlreicher Praxis-Beispiele vermittelt das Buch neben Fachwissen und methodischen Handlungsaspekten auch Grundlagenwissen zu Ursachenforschung, Intervention und Prävention. Mit Checklisten und Arbeitshilfen zur Reflexion und Planung des eigenen pädagogischen Handelns.

Maja Nollau, Diplom-Heilpädagogin, ist freiberuflich als Heilpädagogin tätig, arbeitet als Fachberaterin und gibt Weiterbildungen in pädagogischen Einrichtungen; außerdem ist sie Dozentin für Heilpädagogik im Fachbereich Inklusion an der Johanniter-Akademie Mitteldeutschland in Leipzig.

Vom Stören und dazugehören

Autorentext
Maja Nollau, Diplom-Heilpädagogin, ist freiberuflich als Heilpädagogin tätig, arbeitet als Fachberaterin und gibt Weiterbildungen in pädagogischen Einrichtungen; außerdem ist sie Dozentin für Heilpädagogik im Fachbereich Inklusion an der Johanniter-Akademie Mitteldeutschland in Leipzig.

Leseprobe
2.

Wie entsteht herausforderndes Verhalten?

In diesem Kapitel erfahren Sie

welche Faktoren die Entstehung herausfordernden Verhaltens beeinflussen
wie über unterschiedliche Ursachen und Ansätze herausforderndes Verhalten erklärt wird
welche Erkenntnisse aus den Erklärungsmustern besonders hilfreich für die (heil-)pädagogische Arbeit sind
Fällt ein Kind durch unangemessene, störend erscheinende Verhaltensweisen auf, muss nach den Ursachen dafür geforscht werden. Um herausforderndes Verhalten zu erklären, werden mehrere Denk- und Erklärungsmuster genutzt. Dazu zählen verschiedene Alltagstheorien, unterschiedliche wissenschaftliche Theorien und/oder individuelle berufliche Erfahrungen. Den Ausgangspunkt bilden folgende Fragen:

Warum verhält sich das Kind so?
Was sucht es damit zu erreichen?
Was verursacht dieses Verhalten bzw. liegt ihm zugrunde?
Welchen Sinn und Zweck hat dieses Verhalten?
Welche Bedeutung hat dieses Verhalten für das Kind, aber auch für die Menschen, die es begleiten?
Nicht selten basiert pädagogisches Handeln auf einem Gemisch aus verschiedenen Analysen und Theorien. Die wichtigsten Ansätze finden Sie in diesem Kapitel.
2.1 Ursachenanalyse: Risiko- und Schutzfaktoren in der Entwicklung

Grundsätzlich beginnt die Erklärungssuche für auffälliges Verhalten eines Kindes bei den Ursachen, die das Verhalten beeinflussen. Versteht man das Kind als bio-psychosoziale Einheit, so lassen sich verschiedene Faktorengruppen nennen, die in ganz spezifischen, sich gegenseitig beeinflussenden Wechselwirkungen stehen und bestimmend für das Verhalten sind. Je nach individueller Ausprägung und Zusammenspiel können sie zu Ressourcen werden oder als Risikofaktoren für die Entstehung von Verhaltensauffälligkeiten wirksam werden:

Biologische Faktoren: genetische Dispositionen, etwa zur Ausprägung autistischer Verhaltensweisen, von Depressionen oder verlangsamter Gehirnreifung; Aktivitätsniveau (Hyperaktivität oder ADS); Dopamin- und Serotoninhaushalt; Antriebskraft und Reizbarkeit; Sensibilität oder Überempfindlichkeit; Wahrnehmungsverarbeitung; prä-, perioder postnatale Schädigungen (z. B. Hirnschädigungen); Temperament des Kindes; unerkannte Beeinträchtigungen; Behinderungen, etwa in Bereichen der Sinnesorgane und Sinnestätigkeit (Seh-, Hörvermögen, Bereich der taktil-kinästhetischen Wahrnehmung) etc.
Psychische Faktoren: insbesondere Mutter-Kind-Interaktion, mangelnde oder unpassende Zuwendung im Säuglings- und Kleinkindalter, Vernachlässigung und gestörte Bindung an Bezugspersonen, Traumatisierung etc.
Soziale und Umweltfaktoren: kulturelle Bedingungen und Erwartungen, Reizüberflutung im Sinne einseitiger Überstimulierung (materielle Übersättigung - Kind als Konsument - Animation), Mangel an strukturierenden Reizen etc.
Je höher die Anzahl der Risikofaktoren bei einem Kind ist, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine Verhaltensauffälligkeit ausprägt und entwickelt.

Der Entwicklungsprozess unterliegt vielfältigen sozialen Risiken, die von der Mehrzahl der Kinder ohne daraus entstehende Entwicklungsschwierigkeiten bewältigt oder kompensiert werden (vgl. Beelmann & Raabe 2007, S. 51). In der Entwicklung eines Kindes können folglich sowohl risikoerhöhende als auch risikomildernde Faktoren bestimmt werden. Dabei beeinflussen die persönlichen Anlagen und die jeweilige - insbesondere soziale - Umgebung, wie und in welcher Intensität die Faktoren ausgeprägt sind.

Die Faktoren können sich belastend oder unterstützend auf die Entwicklung eines Kindes auswirken. Somit können sie als Bel
Titel
Kinder mit herausforderndem Verhalten
Untertitel
wahrnehmen - verstehen - begleiten. Ein heilpädagogisches Handlungskonzept
EAN
9783451821745
Format
E-Book (epub)
Hersteller
Veröffentlichung
17.08.2020
Digitaler Kopierschutz
Wasserzeichen
Dateigrösse
9.29 MB
Anzahl Seiten
208
Features
Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet
Auflage
1. Auflage
Lesemotiv