Orlóff und seine Frau: Geschichten der Barfußbrigade versammelt eine Novelle und Erzählungen aus Gorkys frühem Zyklus über die "bosjaki", die barfüßigen Randständigen des zaristischen Russlands. Im Zentrum steht eine zerstörerische Ehe, in der häusliche Gewalt, gekränkte Männlichkeit und der beharrliche Anspruch der Frau auf Würde aufeinanderprallen. Die begleitenden Stücke führen in Hafenkneipen, an Gleisdämme und auf Wolgadampfer; in lakonischer, bildkräftiger Prosa, mit harten Dialogen und balladenhaftem Pathos entstehen Tagelöhner, Arbeiterinnen und Bettler. Realismus mischt sich mit frührevolutionärer Romantik. Maksim Gorky (1868-1936), geboren als Aleksej Peschkow in Nischni Nowgorod, war Autodidakt und Wanderer; als Bäckergehilfe, Hafenarbeiter und Nachtwächter lernte er die "Barfußbrigade" aus nächster Nähe kennen. Die Jahre an der Wolga schärften sein Ohr für die Sprache der Gedrückten. Kontakte zu Narodniki und Marxisten, Freundschaften mit Tschechow und Tolstoi und Konflikte mit der Zensur formten eine Poetik, die Würde gegen Demütigung setzt. Dieses Buch empfehle ich Leserinnen und Lesern, die sozialen Realismus mit psychologischer Genauigkeit suchen: eine unsentimentale, anrührende Schule des Sehens, die das Elend nicht ästhetisiert, sondern in Handlung verwandelt und den Ursprung moderner Solidarität freilegt.