Oberkommissar Piet van Dyck genießt einmal die Woche mit seinen Freunden exquisite Zigarren zu edlem Whisky. Doch am Tag nach dem letzten Treffen wird Lennart Polander, bei denen die Herrenabende stattfinden, tot aufgefunden. Seine obendrein verwüstete Wohnung deutet daraufhin, dass der Mörder kein normaler Einbrecher ist. Als obendrein die Drogenfahndung Lennart des Drogenhandels verdächtigt, ist für die Herrenrunde Ehrensache, seine Unschuld posthum zu beweisen. Doch damit kommen sie nicht nur der Polizei unliebsam in die Quere, sondern auch einem Mann, der vor nichts zurückschreckt, um seine Interessen zu schützen. Und Piet sieht sich gezwungen, zur Klärung des Falls einen Pakt mit dem Teufel einzugehen mit unabsehbaren Folgen. Piet van Dycks 2. Fall. Mit Rezepten für Whiskygebäck und Pralinen und eine kleine Exkursion in die Welt von Whisky und Zigarren
Leseprobe
Freitag, 29. März Piet van Dyck drehte die Zigarre langsam zwischen den Fingern, während er sie mit dem Fidibus anzündete, damit das äußere Blatt nicht durch einseitiges Anzünden verkohlte. Mit einem Gefühl von Behaglichkeit, Entspannung und Wohlbefinden beobachtete er, wie das Endstück zu glühen begann und sich ein aromatischer Duft ausbreitete, ehe er das knapp abgeschnittene Mundstück mit den Lippen umschloss und den ersten Zug tat. Er ließ seine Zunge mit dem Rauch spielen, als wäre er ein Ball, den er im Mund rollte, um jede Geschmacksnuance auszukosten. Der Rauch besaß neben dem typischen Tabakaroma eine süßliche Note, die in Piet die Vorfreude auf den ersten Schluck Whisky weckte. Er versuchte wie immer, den Rauch in einem Ring auszublasen; wie immer vergeblich. So oft er das über die Jahre hinweg probiert hatte, er hatte es bis heute kein einziges Mal geschafft. Das tat aber weder dem Genuss noch seinem Wohlbefinden einen Abbruch. Na, habe ich zu viel versprochen? Lennart Polander lächelte in die Runde, tat einen Zug von seiner Zigarre und blies den Rauch kunstvoll in drei perfekten Ringen aus. Nicht ohne dabei zu Piet zu schielen, als wollte er ihm zu verstehen geben, wie einfach es doch war, Rauchringe zu produzieren. Piet lächelte, lehnte sich zurück und überließ den anderen drei Mitgliedern ihres privaten Gent-lemen Clubs, auf Lennarts Frage zu antworten. Sie trafen sich jeden Freitagabend in Lennarts Tabak- und Spirituosen-Oase in Duissern, um nach einer mehr oder weniger anstrengenden Arbeitswoche das verdiente Wochenende einzuläuten. Dazu gehörten eine gute Zigarre, ein guter Whisky und gute Gespräche mit Freunden über Gott und die Welt. Für Piet waren diese Treffen heilig. Er hielt sie ein, wann immer er konnte und fühlte sich beinahe wie ein Süchtiger auf Entzug, wenn sein Beruf ihn wieder einmal an der Teilnahme hinderte. Doch als Kriminalbeamter konnte er sich die Arbeitszeit nicht immer aussuchen, wenn er, so wie heute Abend und für die nächsten beiden Tage, Bereitschaftsdienst hatte. Die Verbrecher machten am Wochenende leider keine Pausen. Im Gegenteil gab es gerade dann und an Feiertagen oft besonders viel zu tun, wenn sich Beziehungskonflikte in Handgreiflichkeiten oder ab und zu auch in einem Tötungsdelikt entluden. Ganz zu schweigen von den Dingen, die sich im Drogenmilieu abspielten. Hier hatte das Verbrechen durch den Verkauf von Drogen an Freizeitkonsumenten am Wochenende Hochkonjunktur. Doch Piet gehörte nicht zur Drogenfahndung, und so konnte er meistens seine Freitagabende mit seinen Freunden genießen. Doch offensichtlich war er innerlich immer noch im Dienst, weil ihm schon beim Betreten der Oase aufgefallen war, dass Lennart ungewöhnlich angespannt und abgelenkt wirkte. Zwar versuchte er das zu überspielen, aber Piet kannte ihn seit der Schulzeit und wusste, wann ihn etwas Ernstes beschäftigte. Er nahm einen weiteren Zug von seiner Zigarre und ließ die Asche in den Aschenbecher fallen, der neben seinem Sessel auf dem Beistelltisch stand. Piet rauchte nicht im herkömmlichen Sinn und hatte das auch noch nie getan. Seine erste Zigarette, die er im Alter von vierzehn probiert hatte, war auch seine letzte gewesen. Er verstand nicht, was die Leute an den Dingern fanden. Ihm schmeckten sie so scheußlich, dass er sie niemals hätte genießen können. Und Genuss in jeder erdenklichen Form gehörte für ihn zur Lebensqualität. Deshalb war die erste Zigarre eine Offenbarung gewesen. Allein der Duft des reinen Tabaks, der nicht von unzähligen Füllstoffen und billigem Papier verfälscht war, kam einem himmlischen Erlebnis gleich. In Anbetracht dessen verstand Piet vollkommen, warum der Tabak den amerikanischen First Nations immer noch heilig war und sie mit seinem Duft ihren Göttern Rauchopfer brachten. Nicht übel, antwortete Kemal Akdogan auf Lennarts Frage. Neue Sorte? Lennart lächelte. Die Frage würde sich durch einen Blick auf die Banderole erübrigen. Leider hast du sie abgerissen. Blasphemie, meinte Simon Laermann und schüttelte nachdrücklich den Kopf. Die Bauchbinde bleibt dran. Immer. Sie abzureißen ist schlechter Stil. Ganz, ganz schlechter Stil. Sagt der, der seinen Single Malt mit Eis verdirbt, stichelte Dirk Terlinden, der Fünfte der Gentlemen. Das ist eine viel schlimmere oder überhaupt Blasphemie. Man verschandelt doch nicht dieses göttliche Getränk mit Eis, das jedes Aroma killt. Da kannst du ja gleich kaltes Wasser nehmen und ein paar Tropfen Whisky reinträufeln. Piet grinste ebenso wie Lennart. Die Grundsatzdiskussionen darüber, ob man die Bauchbinde an der Zigarre ließ oder sie abreißen durfte und ob man Whisky mit oder ohne Eis trank, gehörten zum Ritual der Versammlung. Am Ende einigten sich alle darauf, dass jeder nach seiner Fasson seine Zigarre und seinen Whisky genoss und sich über Geschmack und Vorlieben nicht streiten ließ. Apropos Whisky. Dirk hielt seinen Tumbler hoch, in dem der Dalmore Cigar Malt Reserve rotgolden schimmerte, ein von der Destillerie extra für Zigarrenraucher komponierter Whisky. Lennart, du hast uns doch für heute einen besonderen Whisky versprochen. Kleen Kuh-Alltag oder wie der heißt. Wo bleibt der denn? Genau, stimmte Kemal ihm zu. Wir haben uns darauf gefreut. Du hast gesagt, er wäre etwas ganz Besonderes. Er sah Lennart erwartungsvoll an. Als bekennendem Aleviten war es Kemal nicht verboten, Alkohol zu trinken. Da aber die meisten Menschen, die ihn irgendwann Hochprozentiges trinken sahen, ihn aufgrund seines türkischen Namens für einen Moslem hielten, musste er sich oft schräge Blicke und dumme Sprüche deswegen gefallen lassen. Lennarts Gesicht verdüsterte sich. Was ganz Besonderes ist der Glen Cú Allta allerdings. Nicht nur weil eine Flasche des Dreißigjährigen, die ich euch kredenzen wollte, dreitausend Euro kostet. Wie viel? Piet konnte es kaum glauben. Und diese Perle willst du uns einfach so vorwerfen. Das Lächeln kehrte flüchtig auf Lennarts Gesicht zurück. Natürlich. Wisst ihr denn nicht, was heute für ein Datum ist? Der Neunundzwanzigste, antwortete Simon. Aber was... Er schlug sich die Hand vor die Stirn. Mensch, klar! Wir kennen uns heute dreißig Jahre! Warum, verdammt, hast du uns nicht daran erinnert? Es sollte eine Überraschung für diejenigen unter euch sein, die dieses historische Datum vergessen haben. Er blickte bedeutsam in die Runde. Piet hatte ebenso wie die anderen nicht an dieses historische Datum gedacht, denn für ihn gehörten seine Freunde seit dreißig Jahren zu seinem Alltag. Dass es für Lennart ein besonderes Datum war, wunderte ihn nicht. Vor dreißig Jahren war Lennart neu in die Klasse gekommen, in die die vier anderen Jungs bereits gingen. Er war damals ein schüchterner, allzu pummeliger und pickeliger Dreizehnjähriger gewesen und sofort zur Zielscheibe von Spott und Schlimmerem geworden. Daran hatten sich anfangs auch Piet, Kemal, Simon und Dirk beteiligt. Bis zu dem Tag, an dem der ungeliebte Mitschüler vom Lehrer für ein Biologieprojekt ihrem Team aufs Auge gedrückt worden war. Lennart hatte gezeigt, was in ihm steckte und ihrem Team zum haushohen Sieg verholfen. Nach e…
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Freitag, 29. März Piet van Dyck drehte die Zigarre langsam zwischen den Fingern, während er sie mit dem Fidibus anzündete, damit das äußere Blatt nicht durch einseitiges Anzünden verkohlte. Mit einem Gefühl von Behaglichkeit, Entspannung und Wohlbefinden beobachtete er, wie das Endstück zu glühen begann und sich ein aromatischer Duft ausbreitete, ehe er das knapp abgeschnittene Mundstück mit den Lippen umschloss und den ersten Zug tat. Er ließ seine Zunge mit dem Rauch spielen, als wäre er ein Ball, den er im Mund rollte, um jede Geschmacksnuance auszukosten. Der Rauch besaß neben dem typischen Tabakaroma eine süßliche Note, die in Piet die Vorfreude auf den ersten Schluck Whisky weckte. Er versuchte wie immer, den Rauch in einem Ring auszublasen; wie immer vergeblich. So oft er das über die Jahre hinweg probiert hatte, er hatte es bis heute kein einziges Mal geschafft. Das tat aber weder dem Genuss noch seinem Wohlbefinden einen Abbruch. Na, habe ich zu viel versprochen? Lennart Polander lächelte in die Runde, tat einen Zug von seiner Zigarre und blies den Rauch kunstvoll in drei perfekten Ringen aus. Nicht ohne dabei zu Piet zu schielen, als wollte er ihm zu verstehen geben, wie einfach es doch war, Rauchringe zu produzieren. Piet lächelte, lehnte sich zurück und überließ den anderen drei Mitgliedern ihres privaten Gent-lemen Clubs, auf Lennarts Frage zu antworten. Sie trafen sich jeden Freitagabend in Lennarts Tabak- und Spirituosen-Oase in Duissern, um nach einer mehr oder weniger anstrengenden Arbeitswoche das verdiente Wochenende einzuläuten. Dazu gehörten eine gute Zigarre, ein guter Whisky und gute Gespräche mit Freunden über Gott und die Welt. Für Piet waren diese Treffen heilig. Er hielt sie ein, wann immer er konnte und fühlte sich beinahe wie ein Süchtiger auf Entzug, wenn sein Beruf ihn wieder einmal an der Teilnahme hinderte. Doch als Kriminalbeamter konnte er sich die Arbeitszeit nicht immer aussuchen, wenn er, so wie heute Abend und für die nächsten beiden Tage, Bereitschaftsdienst hatte. Die Verbrecher machten am Wochenende leider keine Pausen. Im Gegenteil gab es gerade dann und an Feiertagen oft besonders viel zu tun, wenn sich Beziehungskonflikte in Handgreiflichkeiten oder ab und zu auch in einem Tötungsdelikt entluden. Ganz zu schweigen von den Dingen, die sich im Drogenmilieu abspielten. Hier hatte das Verbrechen durch den Verkauf von Drogen an Freizeitkonsumenten am Wochenende Hochkonjunktur. Doch Piet gehörte nicht zur Drogenfahndung, und so konnte er meistens seine Freitagabende mit seinen Freunden genießen. Doch offensichtlich war er innerlich immer noch im Dienst, weil ihm schon beim Betreten der Oase aufgefallen war, dass Lennart ungewöhnlich angespannt und abgelenkt wirkte. Zwar versuchte er das zu überspielen, aber Piet kannte ihn seit der Schulzeit und wusste, wann ihn etwas Ernstes beschäftigte. Er nahm einen weiteren Zug von seiner Zigarre und ließ die Asche in den Aschenbecher fallen, der neben seinem Sessel auf dem Beistelltisch stand. Piet rauchte nicht im herkömmlichen Sinn und hatte das auch noch nie getan. Seine erste Zigarette, die er im Alter von vierzehn probiert hatte, war auch seine letzte gewesen. Er verstand nicht, was die Leute an den Dingern fanden. Ihm schmeckten sie so scheußlich, dass er sie niemals hätte genießen können. Und Genuss in jeder erdenklichen Form gehörte für ihn zur Lebensqualität. Deshalb war die erste Zigarre eine Offenbarung gewesen. Allein der Duft des reinen Tabaks, der nicht von unzähligen Füllstoffen und billigem Papier verfälscht war, kam einem himmlischen Erlebnis gleich. In Anbetracht dessen verstand Piet vollkommen, warum der Tabak den amerikanischen First Nations immer noch heilig war und sie mit seinem Duft ihren Göttern Rauchopfer brachten. Nicht übel, antwortete Kemal Akdogan auf Lennarts Frage. Neue Sorte? Lennart lächelte. Die Frage würde sich durch einen Blick auf die Banderole erübrigen. Leider hast du sie abgerissen. Blasphemie, meinte Simon Laermann und schüttelte nachdrücklich den Kopf. Die Bauchbinde bleibt dran. Immer. Sie abzureißen ist schlechter Stil. Ganz, ganz schlechter Stil. Sagt der, der seinen Single Malt mit Eis verdirbt, stichelte Dirk Terlinden, der Fünfte der Gentlemen. Das ist eine viel schlimmere oder überhaupt Blasphemie. Man verschandelt doch nicht dieses göttliche Getränk mit Eis, das jedes Aroma killt. Da kannst du ja gleich kaltes Wasser nehmen und ein paar Tropfen Whisky reinträufeln. Piet grinste ebenso wie Lennart. Die Grundsatzdiskussionen darüber, ob man die Bauchbinde an der Zigarre ließ oder sie abreißen durfte und ob man Whisky mit oder ohne Eis trank, gehörten zum Ritual der Versammlung. Am Ende einigten sich alle darauf, dass jeder nach seiner Fasson seine Zigarre und seinen Whisky genoss und sich über Geschmack und Vorlieben nicht streiten ließ. Apropos Whisky. Dirk hielt seinen Tumbler hoch, in dem der Dalmore Cigar Malt Reserve rotgolden schimmerte, ein von der Destillerie extra für Zigarrenraucher komponierter Whisky. Lennart, du hast uns doch für heute einen besonderen Whisky versprochen. Kleen Kuh-Alltag oder wie der heißt. Wo bleibt der denn? Genau, stimmte Kemal ihm zu. Wir haben uns darauf gefreut. Du hast gesagt, er wäre etwas ganz Besonderes. Er sah Lennart erwartungsvoll an. Als bekennendem Aleviten war es Kemal nicht verboten, Alkohol zu trinken. Da aber die meisten Menschen, die ihn irgendwann Hochprozentiges trinken sahen, ihn aufgrund seines türkischen Namens für einen Moslem hielten, musste er sich oft schräge Blicke und dumme Sprüche deswegen gefallen lassen. Lennarts Gesicht verdüsterte sich. Was ganz Besonderes ist der Glen Cú Allta allerdings. Nicht nur weil eine Flasche des Dreißigjährigen, die ich euch kredenzen wollte, dreitausend Euro kostet. Wie viel? Piet konnte es kaum glauben. Und diese Perle willst du uns einfach so vorwerfen. Das Lächeln kehrte flüchtig auf Lennarts Gesicht zurück. Natürlich. Wisst ihr denn nicht, was heute für ein Datum ist? Der Neunundzwanzigste, antwortete Simon. Aber was... Er schlug sich die Hand vor die Stirn. Mensch, klar! Wir kennen uns heute dreißig Jahre! Warum, verdammt, hast du uns nicht daran erinnert? Es sollte eine Überraschung für diejenigen unter euch sein, die dieses historische Datum vergessen haben. Er blickte bedeutsam in die Runde. Piet hatte ebenso wie die anderen nicht an dieses historische Datum gedacht, denn für ihn gehörten seine Freunde seit dreißig Jahren zu seinem Alltag. Dass es für Lennart ein besonderes Datum war, wunderte ihn nicht. Vor dreißig Jahren war Lennart neu in die Klasse gekommen, in die die vier anderen Jungs bereits gingen. Er war damals ein schüchterner, allzu pummeliger und pickeliger Dreizehnjähriger gewesen und sofort zur Zielscheibe von Spott und Schlimmerem geworden. Daran hatten sich anfangs auch Piet, Kemal, Simon und Dirk beteiligt. Bis zu dem Tag, an dem der ungeliebte Mitschüler vom Lehrer für ein Biologieprojekt ihrem Team aufs Auge gedrückt worden war. Lennart hatte gezeigt, was in ihm steckte und ihrem Team zum haushohen Sieg verholfen. Nach e…
Titel
Zigarren, Whisky und ein Mord
Untertitel
Piet van Dycks 2. Fall
Autor
EAN
9783961273218
Format
E-Book (epub)
Altersempfehlung
ab 14 Jahre
Hersteller
Veröffentlichung
26.02.2023
Digitaler Kopierschutz
frei
Dateigrösse
0.56 MB
Anzahl Seiten
268
Auflage
1. Auflage
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