London im Herbst 1888: Ein brutaler Serienmörder versetzt die Bevölkerung des East Ends in Angst und Schrecken. Die Polizei kann dessen Taten, die von Mord zu Mord an Grausamkeit und Perfidität zunehmen, nicht verhindern. Wer ist dieser Unbekannte, der in kürzester Zeit unerkannt auf belebten Straßen mordet, ohne eine Spur zu hinterlassen? Ein sehr persönliches Motiv veranlasst den beratenden Detektiv Sherlock Holmes, die Ermittlungen aufzunehmen. Wird es ihm gelingen, die grausame Mordserie zu stoppen? Bei den geheimen Fällen des Meisterdetektivs" handelt es sich ursprünglich um eine Hörspielserie des preisgekrönten Hörspiellabels TITANIA MEDIEN mit exklusiven Geschichten rund um den Meisterdetektiv Sherlock Holmes und seinen Begleiter und Chronisten Dr. Watson. Nun endlich erscheinen die spannenden Fälle des beliebten Ermittler-Duos auch als eigenständige Buchreihe mit sowohl neuen als auch bereits vertonten Geschichten. Die Hörspiele zur Serie sind auf allen gängigen Download- und Streaming-Plattformen oder auf CD erhältlich.
Autorentext
Stephan Bosenius nahm nach dem Abitur ein Studium der Erziehungswissenschaften an der Universität Duisburg mit den Schwerpunkten Organisationsentwicklung, Qualifikationsmanagement und Psychologie auf, das er mit dem Diplom abschloss. Bereits in der End-Phase seines Studiums gründete er gemeinsam mit Marc Gruppe den Hörspiel-Verlag Titania Medien. Hauptsächlich ist er dort für den geschäftlichen und organisatorischen Bereich zuständig. Seit der Umfirmierung in eine GmbH im September 2008 ist er Geschäftsführer (zusammen mit Marc Gruppe) von Titania Medien. Bisher hat das Label weit über 300 Hörspiele in den Reihen Gruselkabinett, Sherlock Holmes, Grimms Märchen, Titania Special und Anne auf Green Gables veröffentlicht (Stand 2025). Seit 2025 publiziert Titania Medien außerdem Sherlock Holmes-Romane, für welche Stephan Bosenius sowohl als Herausgeber als auch als Bearbeiter fungiert. Stephan Bosenius ist in mehreren Hörspielen der Reihen Titania Special, Gruselkabinett und Sherlock Holmes auch als Sprecher zu hören.
Leseprobe
Am 7. September 1888 lehnte Annie Chapman leicht betrunken und schwer hustend an einer feuchten Hauswand in der Dorset Street. Mit müden Augen, die angeblich in ihrer Kindheit noch irisierend blau geschimmert hatten, blickte sie einer Küchenschabe nach, die, vom flackernden Licht der alten Gaslaterne aufgeschreckt, in der schützenden Dunkelheit einer kleinen Gasse verschwand. Als ich Annie dort erbärmlich blass und verzweifelt stehen sah, sprach ich sie an. Gehst du heute nicht nach Stratford, Annie? Nein. Ich bin zu krank, ich kann nicht arbeiten! Du hast doch Fieber! Meines Erachtens gehörst du ins St. Bartholomew's Hospital! Da war ich schon! Die haben mich untersucht und wieder weggeschickt. Sicher wolltest du dort nicht bleiben, weil sie dir natürlich nichts Hochprozentiges zu trinken gegeben hätten! Wie dem auch sei! Ich muss mich eben jetzt zusammenreißen und noch schnell etwas Geld auftreiben, sonst habe ich heute Nacht kein Dach überm Kopf, zumindest nicht, wenn ich es mir vorher noch etwas gutgehen lassen will. Lass mich dich untersuchen, Annie! Es kostet dich nichts. Ich kann dir auch ein Mittel gegen das Fieber aufschreiben. Danke, Doktor, aber das ist nicht nötig. Ich komm' schon zurecht. Außerdem habe ich bereits zwei Fläschchen mit Medizin und hier sind die Rezepte aus dem Krankenhaus. Mach dir mal keine Sorgen um mich. Ich gehe nachher ins Crossingham-Wohnheim, hocke mich da in der Küche vor das Kohlenfeuer und esse ein paar Kartoffeln. Meine Geschwister haben mir vorhin nämlich nochmal fünf Pence gegeben. Was sollte ich tun? Ich rang mich dazu durch, ihr einige Münzen zuzustecken, welche sie dankbar annahm. Dann blieb mir nichts anderes übrig, als Annie einfach stehen zu lassen, obwohl ich natürlich nur zu genau wusste, wie sie den unerwarteten Geldsegen anlegen würde. Leider sollte ich mit meinen auf gewissen traurigen Erfahrungen beruhenden Befürchtungen Recht behalten. Als ich Annie Stunden später wiedersah, hatte sie mein Geschenk mitsamt den fünf Pence, die sie von ihren Verwandten bekommen hatte, längst im Pub in Alkohol investiert. Inzwischen war es schon nach fünf Uhr. Der achte September war angebrochen, und während ich zu diesem Zeitpunkt bereits gefrühstückt hatte und dem neuen Tag bemüht optimistisch entgegensah, ging Annie auf der Suche nach einem Schlafplatz zur Hanbury Street Nr. 29, einem dreistöckigen Backstein-Haus, das aus acht heruntergekommenen Zimmern bestand, die einzeln vermietet wurden. Niemand kümmerte sich dort um die allgemein zugänglichen Bereiche wie Treppenhäuser, Flure oder den kleinen Hof hinter dem Gebäude. Sowohl die Haus- als auch die Hoftür waren stets unverschlossen. Da dieser Hof nicht einsehbar war, wurde er gerne von Obdachlosen als Schlafplatz genutzt. Auch pflegten sich in unschöner Regelmäßigkeit Hausfremde zum bezahlten oder unbezahlten Geschlechtsverkehr dort zu treffen. Ein resignierter Stoßseufzer entfuhr mir, als ich gewahr wurde, dass Annie offenbar meine Spende bereits verprasst hatte, anstatt ihr Fieber im Crossingham-Wohnheim auszukurieren, wie sie es vorgehabt hatte. Ich begann mich wieder einmal zu fragen, ob es wirklich sinnvoll war, was ich hier tat, oder nicht doch nur die reine Zeitverschwendung. Niedergeschlagen wünschte ich Annie kurzangebunden eine gute Nacht und setzte meinen Weg fort. Was dann geschah, konnte mein Freund Sherlock Holmes im Nachhinein nicht mehr zuverlässig ermitteln. Im Folgenden beschreibe ich daher die weiteren Ereignisse so, wie sie später in den Polizeiakten, von den Zeitungsleuten und auch in den Schlussfolgerungen des Meisterdetektivs dargestellt wurden. Ein leichter Wind wehte Annie den beißenden Geruch von Urin ins Gesicht. Angewidert rümpfte sie die Nase. Die meist männlichen Gäste des nahe gelegenen Pubs Ten Bells nutzten diese Gasse regelmäßig, um sich auf dem Heimweg noch schnell zu erleichtern. Alles Säue!, tat sie ihre Meinung kund, obwohl niemand sie hören konnte. Die Kälte und Nässe der ohnehin kühlen Septembernacht krochen der Verlorenen langsam unter die Röcke. Erschöpft ließ sie die letzten zwei Pence in ihrer Tasche nervös durch die Finger ihrer kaltschweißigen Hand gleiten. Ein gleichförmiges Geräusch von sich ihr nähernden Schritten ließ sie erwartungsvoll den Blick heben. Schemenhaft erkannte sie im Dunst einen vornübergebeugten Mann mit einem Gehstock, der in die enge Gasse einbog. Reflexartig richtete Annie sich auf, hob ihre Röcke hoch und entblößte ihre aufgeschürften Knie. He, Schätzchen, wie wär's denn mit uns beiden? Hast du Lust? Wir könnten eine Menge Spaß zusammen haben! Der Mann verdrehte kurz die Augen und knurrte angewidert: Nein, danke. Komm schon, trau dich! Ein gutaussehender Kerl wie du, dem knöpf' ich nicht viel ab! Bist du taub? Ich habe nein gesagt!, erwiderte er mit einem Klang in der Stimme, der jeden Widerspruch überflüssig machte. Für eine, die so aussieht, wie du, finde ich es im Übrigen ziemlich mutig, sich kurz vor Tagesanbruch noch anzubieten. Vielleicht findest du ja noch einen zahlungskräftigen Blinden, der einen wegstecken will. Verärgert ließ Annie ihre Röcke wieder zu Boden fallen. Du blöde Sau! Verschwinde besser! Sonst kratze ich dir die Augen aus! Der Mann spuckte der Dirne vor die Füße und rief ihr im Weggehen über die Schulter zu: Viel Glück, alte Vogelscheuche! Annie blickte ihm wütend nach, als er in einem der heruntergekommenen Häuser am Ende der Straße verschwand. Alte Vogelscheuche!, wiederholte sie wutschnaubend, bevor ein heftiger Hustenanfall sie am Weitersprechen hinderte. Eine zarte Hand legte sich auf ihre Schulter. Annie erschrak heftig. Als sie aufblickte, sah sie die hübsche Mary Jane Kelly neben sich stehen. Die Frauen kannten einander, so wie alle sich kannten, die in diesem Teil von Whitechapel anschaffen gingen. Mary Jane war nur halb so alt wie Annie und für eine Liebesdienerin …
Autorentext
Stephan Bosenius nahm nach dem Abitur ein Studium der Erziehungswissenschaften an der Universität Duisburg mit den Schwerpunkten Organisationsentwicklung, Qualifikationsmanagement und Psychologie auf, das er mit dem Diplom abschloss. Bereits in der End-Phase seines Studiums gründete er gemeinsam mit Marc Gruppe den Hörspiel-Verlag Titania Medien. Hauptsächlich ist er dort für den geschäftlichen und organisatorischen Bereich zuständig. Seit der Umfirmierung in eine GmbH im September 2008 ist er Geschäftsführer (zusammen mit Marc Gruppe) von Titania Medien. Bisher hat das Label weit über 300 Hörspiele in den Reihen Gruselkabinett, Sherlock Holmes, Grimms Märchen, Titania Special und Anne auf Green Gables veröffentlicht (Stand 2025). Seit 2025 publiziert Titania Medien außerdem Sherlock Holmes-Romane, für welche Stephan Bosenius sowohl als Herausgeber als auch als Bearbeiter fungiert. Stephan Bosenius ist in mehreren Hörspielen der Reihen Titania Special, Gruselkabinett und Sherlock Holmes auch als Sprecher zu hören.
Leseprobe
Am 7. September 1888 lehnte Annie Chapman leicht betrunken und schwer hustend an einer feuchten Hauswand in der Dorset Street. Mit müden Augen, die angeblich in ihrer Kindheit noch irisierend blau geschimmert hatten, blickte sie einer Küchenschabe nach, die, vom flackernden Licht der alten Gaslaterne aufgeschreckt, in der schützenden Dunkelheit einer kleinen Gasse verschwand. Als ich Annie dort erbärmlich blass und verzweifelt stehen sah, sprach ich sie an. Gehst du heute nicht nach Stratford, Annie? Nein. Ich bin zu krank, ich kann nicht arbeiten! Du hast doch Fieber! Meines Erachtens gehörst du ins St. Bartholomew's Hospital! Da war ich schon! Die haben mich untersucht und wieder weggeschickt. Sicher wolltest du dort nicht bleiben, weil sie dir natürlich nichts Hochprozentiges zu trinken gegeben hätten! Wie dem auch sei! Ich muss mich eben jetzt zusammenreißen und noch schnell etwas Geld auftreiben, sonst habe ich heute Nacht kein Dach überm Kopf, zumindest nicht, wenn ich es mir vorher noch etwas gutgehen lassen will. Lass mich dich untersuchen, Annie! Es kostet dich nichts. Ich kann dir auch ein Mittel gegen das Fieber aufschreiben. Danke, Doktor, aber das ist nicht nötig. Ich komm' schon zurecht. Außerdem habe ich bereits zwei Fläschchen mit Medizin und hier sind die Rezepte aus dem Krankenhaus. Mach dir mal keine Sorgen um mich. Ich gehe nachher ins Crossingham-Wohnheim, hocke mich da in der Küche vor das Kohlenfeuer und esse ein paar Kartoffeln. Meine Geschwister haben mir vorhin nämlich nochmal fünf Pence gegeben. Was sollte ich tun? Ich rang mich dazu durch, ihr einige Münzen zuzustecken, welche sie dankbar annahm. Dann blieb mir nichts anderes übrig, als Annie einfach stehen zu lassen, obwohl ich natürlich nur zu genau wusste, wie sie den unerwarteten Geldsegen anlegen würde. Leider sollte ich mit meinen auf gewissen traurigen Erfahrungen beruhenden Befürchtungen Recht behalten. Als ich Annie Stunden später wiedersah, hatte sie mein Geschenk mitsamt den fünf Pence, die sie von ihren Verwandten bekommen hatte, längst im Pub in Alkohol investiert. Inzwischen war es schon nach fünf Uhr. Der achte September war angebrochen, und während ich zu diesem Zeitpunkt bereits gefrühstückt hatte und dem neuen Tag bemüht optimistisch entgegensah, ging Annie auf der Suche nach einem Schlafplatz zur Hanbury Street Nr. 29, einem dreistöckigen Backstein-Haus, das aus acht heruntergekommenen Zimmern bestand, die einzeln vermietet wurden. Niemand kümmerte sich dort um die allgemein zugänglichen Bereiche wie Treppenhäuser, Flure oder den kleinen Hof hinter dem Gebäude. Sowohl die Haus- als auch die Hoftür waren stets unverschlossen. Da dieser Hof nicht einsehbar war, wurde er gerne von Obdachlosen als Schlafplatz genutzt. Auch pflegten sich in unschöner Regelmäßigkeit Hausfremde zum bezahlten oder unbezahlten Geschlechtsverkehr dort zu treffen. Ein resignierter Stoßseufzer entfuhr mir, als ich gewahr wurde, dass Annie offenbar meine Spende bereits verprasst hatte, anstatt ihr Fieber im Crossingham-Wohnheim auszukurieren, wie sie es vorgehabt hatte. Ich begann mich wieder einmal zu fragen, ob es wirklich sinnvoll war, was ich hier tat, oder nicht doch nur die reine Zeitverschwendung. Niedergeschlagen wünschte ich Annie kurzangebunden eine gute Nacht und setzte meinen Weg fort. Was dann geschah, konnte mein Freund Sherlock Holmes im Nachhinein nicht mehr zuverlässig ermitteln. Im Folgenden beschreibe ich daher die weiteren Ereignisse so, wie sie später in den Polizeiakten, von den Zeitungsleuten und auch in den Schlussfolgerungen des Meisterdetektivs dargestellt wurden. Ein leichter Wind wehte Annie den beißenden Geruch von Urin ins Gesicht. Angewidert rümpfte sie die Nase. Die meist männlichen Gäste des nahe gelegenen Pubs Ten Bells nutzten diese Gasse regelmäßig, um sich auf dem Heimweg noch schnell zu erleichtern. Alles Säue!, tat sie ihre Meinung kund, obwohl niemand sie hören konnte. Die Kälte und Nässe der ohnehin kühlen Septembernacht krochen der Verlorenen langsam unter die Röcke. Erschöpft ließ sie die letzten zwei Pence in ihrer Tasche nervös durch die Finger ihrer kaltschweißigen Hand gleiten. Ein gleichförmiges Geräusch von sich ihr nähernden Schritten ließ sie erwartungsvoll den Blick heben. Schemenhaft erkannte sie im Dunst einen vornübergebeugten Mann mit einem Gehstock, der in die enge Gasse einbog. Reflexartig richtete Annie sich auf, hob ihre Röcke hoch und entblößte ihre aufgeschürften Knie. He, Schätzchen, wie wär's denn mit uns beiden? Hast du Lust? Wir könnten eine Menge Spaß zusammen haben! Der Mann verdrehte kurz die Augen und knurrte angewidert: Nein, danke. Komm schon, trau dich! Ein gutaussehender Kerl wie du, dem knöpf' ich nicht viel ab! Bist du taub? Ich habe nein gesagt!, erwiderte er mit einem Klang in der Stimme, der jeden Widerspruch überflüssig machte. Für eine, die so aussieht, wie du, finde ich es im Übrigen ziemlich mutig, sich kurz vor Tagesanbruch noch anzubieten. Vielleicht findest du ja noch einen zahlungskräftigen Blinden, der einen wegstecken will. Verärgert ließ Annie ihre Röcke wieder zu Boden fallen. Du blöde Sau! Verschwinde besser! Sonst kratze ich dir die Augen aus! Der Mann spuckte der Dirne vor die Füße und rief ihr im Weggehen über die Schulter zu: Viel Glück, alte Vogelscheuche! Annie blickte ihm wütend nach, als er in einem der heruntergekommenen Häuser am Ende der Straße verschwand. Alte Vogelscheuche!, wiederholte sie wutschnaubend, bevor ein heftiger Hustenanfall sie am Weitersprechen hinderte. Eine zarte Hand legte sich auf ihre Schulter. Annie erschrak heftig. Als sie aufblickte, sah sie die hübsche Mary Jane Kelly neben sich stehen. Die Frauen kannten einander, so wie alle sich kannten, die in diesem Teil von Whitechapel anschaffen gingen. Mary Jane war nur halb so alt wie Annie und für eine Liebesdienerin …
Titel
Sherlock Holmes Band 01 - Im Schatten des Rippers
Untertitel
Die geheimen Fälle des Meisterdetektivs
Autor
Idee von
EAN
9783690270007
Format
E-Book (epub)
Altersempfehlung
14 bis 18 Jahre
Hersteller
Veröffentlichung
28.03.2025
Digitaler Kopierschutz
frei
Dateigrösse
6.23 MB
Anzahl Seiten
136
Auflage
1. Auflage
Lesemotiv
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