Im Rahmen dieser Arbeit wird die Eignung von Gelatinefilmen als Arzneistofftrger untersucht. Ziel ist eine mglichst langsame konstante Wirkstoffabgabe aus Gelatine-matrices mit modifiziertem Aufbau. Aus verschiedenen Vernderungen in der Struktur sollen niedrige Diffusions- und Freisetzungsraten resultieren. Fr konstante Freigabe werden mehrschichtige Systeme mit Konzentrationsgradient hergestellt. Zur Charakterisierung der Gelatinestruktur werden Gelatinefilme auf unterschiedliche Art hergestellt und mittels DSC untersucht. Im Thermogramm ist ein Glasbergang, der die Zunahme der Beweglichkeit der Polypeptidketten beschreibt, und der Schmelzpeak zu erkennen. Die Ausbildung kristalliner Tripelhelices der Gelatine nehmen mit steigender Trocknungstemperatur des Gelatinesols ab. Bei Temperaturen ber der Schmelztemperatur der Gelatinegele sind keine kristallinen Anteile mehr zu detektieren. Das Gelatinegerst liegt im amorphen Knuelzustand vor. Unterhalb dieser Schmelztemperatur bilden sich Tripelhelices aus, resultierend in der teilkristallinen Gelform. Die nachtrgliche Trocknung der Filme fhrt aufgrund des sinkenden Wassergehalts zu einer reversiblen Erhhung der Glasbergangs- und Schmelztemperatur und Reduktion der Schmelzenthalpie. Durch Hrtungsreagenzien wie Bis-Vinylsulfone, zugegeben zum Gelatinesol, werden die Polypeptidketten der Gelatine verknpft. Dadurch nehmen die kristallinen Bereiche ab, da sich keine Tripelhelices mehr ausbilden. Aufgrund der reduzierten Beweglichkeit der Ketten steigt die Glasbergangstemperatur. Weiterhin zeigt sich, dass der Quellungsfaktor und die Wasserdampf-Sorption aufgrund der dichteren Struktur mit zunehmendem Hrtungsgrad abnehmen. In Diffusionsversuchen zeigt sich, dass der Massentransport durch und der Diffusionskoeffizient in den Gelatinefilmen mit steigender Hrtung abnehmen. Durch die Vernetzung entsteht ein dichteres Gerst, das eine grere Diffusionsbarriere darstellt. In vergleichenden Versuchen mit gerhrtem und ungerhrtem Donator ist zu erkennen, dass die Wasserschicht zwischen Bodensatz und eingespanntem Gelatine-film aufgrund ihrer groen Dicke einen starken Einfluss auf den Massenfluss hat. Durch Hrtung nach Entstehung der Filme ist eine weitere Reduktion des Diffusions-koeffizienten mglich, da sich kristalline Tripelhelix-Bereiche bei der Herstellung der Gelatinefilme noch ausbilden knnen. Sie tragen zum Diffusionswiderstand bei. In Freisetzungsuntersuchungen mit gehrteten einschichtigen Matrices zeigt sich fr Lsungs- und Suspensionsmatrices ein Freigabeprofil nach Wurzel-t-Kinetik. Daraus lsst sich der Diffusionskoeffizient berechnen. Dieser stimmt fr Lsungsmatrices mit dem aus Diffusionsversuchen berein. In Suspensionsmatrices ist er aufgrund der Poren bildenden Arzneistoffpartikel hher. Bei groen Wirkstoffpartikeln kann es whrend der Herstellung zu Sedimentation kommen, die zu niedrigerer Konzentration im oberen Teil der Filme und damit einer anfangs verlangsamten Freisetzung fhrt. Zweischichtige Systeme, unten Suspensions- und darauf Lsungsmatrix oder leere Schicht, zeigen im Freisetzungsprofil anfangs einen burst-effect oder eine lag-time. In dieser Anfangsphase stellt sich in der oberen Schicht ein linearer Konzentrations-gradient, von unten nach oben absinkend, ein. Ist die Konzentration in dieser Schicht auf 50 % der Sttigungskonzentration abgefallen bzw. angestiegen, verluft die weitere Freisetzung praktisch linear. Da die obere Schicht relativ dick ist, kommt nur ein kurzer, praktisch linearer Ausschnitt aus dem Ende der Wurzel-t-Kinetik aus Suspensions-matrices zum Tragen. Durch rechnerische Simulation lsst sich das Freisetzungsprofil in beiden Phasen gut reproduzieren. Mittels Kaskadengieverfahren hergestellte mehrschichtige Gelatinematrices bestehen aus vielen Schichten mit unterschiedlichen Mengen Arzneistoff. Auf der unteren Suspensionsmatrix liegen mehrere Schichten mit einem nach oben abfallenden Konzentrationsgradienten. Der Zustand nach der Anfangsphase bei Freisetzung aus Zweischicht-Matrices ist also bereits erlangt. Konstante Freisetzung aus Mehrschicht-Matrices kann somit nach gezielter Einstellung der Konzentrationen in den einzelnen Schichten erreicht werden.