Mehr als 30 Jahre nach seinem Tod ist Rainer Werner Fassbinder (19451982) auf der Bühne wie im Kino präsent wie kaum einer seiner Zeitgenossen. In seinem reichen Gesamtwerk gibt es nach wie vor Neues zu entdecken. Kein Jahr vergeht, ohne dass ein restaurierter Film, eine Ausstellung oder eine Theaterinszenierung Aufsehen erregt und der Rezeptionsgeschichte ein neues Kapitel hinzufügt. Hinter der Kultfigur Fassbinder, der nach seinem frühen Tod zum genialen Monster erklärt wurde, wird mit zunehmendem Abstand sichtbar, wie ästhetisch innovativ und illusionslos vorausschauend er seine ebenso subtile wie subversive politische Poetik entwickelte. Die Beiträge des Heftes beschäftigen sich unter neuen Fragestellungen mit kanonisierten Werken (»Angst essen Seele auf«, »Fontane Effi Briest«, »Die Ehe der Maria Braun« u. a.), vor allem widmen sie sich Filmen, die erst in letzter Zeit in den Fokus der Wissenschaft gerückt (»Welt am Draht« als Vorläufer von »Matrix«, »Berlin Alexanderplatz« als high art im Fernsehen) oder weitgehend unbekannt sind, weil nicht zugänglich (die gesperrte Kroetz-Adaption »Wildwechsel«, die Show »Wie ein Vogel auf dem Draht«, die Theater-Inszenierungen »Nora Helmer« und »Frauen in New York«). In den verschiedenen Aneignungen von Fassbinder im Theater, die sich von dessen eigener Inszenierung emanzipiert haben, erweist sich die offene Struktur seiner Texte als avanciertes Modell transmedialen Erzählens. Die Beiträgerinnen und Beiträger: Ilka Brombach, Thomas Combrink, Michael Grisko, Georg Klein, Senta Siewert Laurens Straub, Christian Tedjasukmana, Michael Töteberg und Alexandra Vasa.

Autorentext
Michael Töteberg, geboren 1951, wurde 1978 Lektor, später Geschäftsführer beim Verlag der Autoren, dem Rainer Werner Fassbinder als Gesellschafter angehörte. Seit 1994 leitet er die Agentur für Medienrechte des Rowohlt Verlags.

Zusammenfassung
"An RWF wird man sich noch lange die Zähne ausbeißen", prophezeite Dominik Graf. Er sollte recht behalten: Hinter der Kultfigur Rainer Werner Fassbinder, der nach seinem frühen Tod zum genialen Monster erklärt wurde, wird mit zunehmendem Abstand sichtbar, wie ästhetisch innovativ und illusionslos vorausschauend er seine ebenso subtile wie subversive politische Poetik entwickelte.Die Beiträge des Heftes beschäftigen sich unter neuen Fragestellungen mit inzwischen kanonisierten Werken, indem sie die Aktualität Fassbinders freilegen und Verbindungen bis zu Fatih Akin und Oskar Roehler aufzeigen. Behandelt werden Filme, die erst in letzter Zeit wiederentdeckt wurden ("Welt am Draht", "Despair") oder nicht zugänglich und weitgehend unbekannt sind ("Bolwieser", "Acht Stunden sind kein Tag"). Der Umgang mit den Filmen auf der Theaterbühne zeigt, welche Möglichkeiten der Aneignung und Vergegenwärtigung sich bieten, wenn man sich von Fassbinders eigener Inszenierung emanzipiert.

Inhalt
- Georg Klein: Unsere wirklichste Wirklichkeit. Rainer Werner Fassbinders Fernsehzweiteiler "Welt am Draht"- Michael Töteberg: Fassbindertheater- Senta Siewert: Entgrenzungsfilme. Fassbinder, Akin, Roehler und die Medienkunst- Ilka Brombach: Kritik und Ästhetizismus. Rekonstruktion einer künstlerischen Position des deutschen Autorenfilms- Chris Tedjasukmana: Negative Solidarität. Zur Aktualität Rainer Werner Fassbinders- Johannes Binotto: Mit doppeltem Boden. Fassbinders Happy Ends und Hollywoods Hoffnung- Michael Grisko: Sozialutopie statt Sentimentalität oder Mut machen mit Volkskunst. Rainer Werner Fassbinders Familienserie"Acht Stunden sind kein Tag"- Karl Kröhnke: Ein Liebesversuch. Die Ehe des Herrn Bolwieser- Werner C. Barg: Fassbinders Verzweiflung. Die Wiederentdeckung eines (fast) vergessenen Meisterwerks aus filmphilosophischer Perspektive: "Despair - Eine Reise ins Licht"- Alexandra Vasa: Eine libidinöse Ökonomie. Tausch und Gabe in Fassbinders "Berlin Alexanderplatz"- Volker Woltersdorff: "Grundsätzlich ist jeder homosexuell, und deshalb ist es kein Problem". Homosexuelle Minderheiten und Fassbinders Filme- Manfred Hermes: Der zweite Tod von RWF- Michael Töteberg: Bibliografie- Zeittafel- Notizen
Titel
Rainer Werner Fassbinder
EAN
9783869164380
ISBN
978-3-86916-438-0
Format
E-Book (epub)
Veröffentlichung
12.02.2016
Digitaler Kopierschutz
Wasserzeichen
Dateigrösse
4.54 MB
Anzahl Seiten
153
Jahr
2016
Untertitel
Deutsch
Auflage
2. Aufl.
Lesemotiv