Tanja Wekwerth lebt und arbeitet in Berlin. Neben dem Schreiben widmet sie sich der Fotografie. Bei dotbooks veröffentlichte Tanja Wekwerth ihre Romane »Die Zeit der Magnolien«, »Das Geheimnis der Mitternachtstöchter« und »Das Haus der Hebamme«.
Ein berührendes Schicksal ...
Elizabeth weiß: Es ist Zeit für eine Veränderung in ihrem Leben! Ihr Studium erfüllt sie nicht mehr, sie ist einsam und weiß nicht, wie ihre Zukunft aussehen soll ... bis sie dem liebenswerten Pensionär Otto begegnet, der ihr seine Geschichte erzählt: Einst arbeitete er als Gärtner im Haus der schönen Esther. Niemals hat er jene Frau vergessen, die Ende der dreißiger Jahre aus Berlin fliehen musste und die für ihn der Inbegriff von Schönheit, Eleganz und Lebenskunst war. Bis zum heutigen Tag hat er ihr Bild in seinem Herzen bewahrt. Während Otto erzählt, erliegt Elizabeth immer mehr Esthers Faszination - und trifft schließlich eine Entscheidung, die ihr Leben verändert ...
Ein gefühlvoller Familiengeheimnisroman für Fans von Ines Thorn und Lucinda Riley.
Autorentext
Tanja Wekwerth lebt und arbeitet in Berlin. Neben dem Schreiben widmet sie sich der Fotografie.
Bei dotbooks veröffentlichte Tanja Wekwerth ihre Romane »Die Zeit der Magnolien«, »Das Geheimnis der Mitternachtstöchter« und »Das Haus der Hebamme«.
Zusammenfassung
Ein berührendes Schicksal Elizabeth weiß: Es ist Zeit für eine Veränderung in ihrem Leben! Ihr Studium erfüllt sie nicht mehr, sie ist einsam und weiß nicht, wie ihre Zukunft aussehen soll bis sie dem liebenswerten Pensionär Otto begegnet, der ihr seine Geschichte erzählt: Einst arbeitete er als Gärtner im Haus der schönen Esther. Niemals hat er jene Frau vergessen, die Ende der dreißiger Jahre aus Berlin fliehen musste und die für ihn der Inbegriff von Schönheit, Eleganz und Lebenskunst war. Bis zum heutigen Tag hat er ihr Bild in seinem Herzen bewahrt. Während Otto erzählt, erliegt Elizabeth immer mehr Esthers Faszination und trifft schließlich eine Entscheidung, die ihr Leben verändert Ein gefühlvoller Familiengeheimnisroman für Fans von Ines Thorn und Lucinda Riley.
Leseprobe
1
Es ist ein Tag im Frühling, ein Tag zwischen Sonne und Schatten. Wie ein türkis-goldenes Osterei leuchtet die Kuppel der Synagoge durch den knospenden Kastanienbaum, der seine glatten dunklen Äste bis in das vierte Stockwerk hinaufstreckt. Aus dem Hinterhof schallen Stimmen, tiefe Stimmen von Männern, die gerade mit viel Getöse die Mülltonnen leeren. Elizabeth hört Fetzen einer Jazzmelodie, federleicht auf einem verstimmten Klavier gespielt, und das Zetern eines erschrockenen Spatzes. Wie aus einem gewaltigen Schalltrichter werden all diese Geräusche zu ihr getragen. Zu Essenszeiten strömen auch Gerüche von gedünsteten Zwiebeln und gebratenem Fleisch in die Höhe. Doch jetzt riecht es nur nach frühem Morgen und dem Kaffee, den sie sich gerade gekocht hat. Sie hört einen polternden Laut, dann beginnt ein Mann zu fluchen. Ein anderer lacht. Elizabeth geht ans offene Fenster und sieht, dass eine volle Mülltonne umgekippt ist. Der Abfall hat sich in den grau gepflasterten Hof ergossen. Hellblau leuchtet zwischen sprießenden Funkien eine zerbeulte Plastikflasche Weichspüler in einem schmalen, von zerbrochenen Ofenkacheln eingefassten Beet. Überall liegen zerknüllte Papierkugeln, Tüten, leere Joghurtbecher, nach denen sich der Mann im orangefarbenen Overall bückt. Während Elizabeth überlegt, ob auch ihr Abfall dabei ist, fällt ihr auf, dass die Sonnenstrahlen den Grund des Hofes nicht erreichen, gerade so, als würden sie sich nicht in den Schatten wagen. Abrupt halten sie an einer bestimmten Stelle an, ziehen eine scharfe Linie, teilen den Schacht in Hell und Dunkel. Erst die kleinen Balkone im ersten Stock stehen im Licht. Darunter herrscht der ewig grün bemooste Dämmerzustand eines Berliner Hinterhofes, voller Farngewächse, wilder Pfefferminze und einer Klopfstange, an der manchmal kopfüber ein stilles Kind hängt.
Der Müllmann schimpft noch immer vor sich hin, ein Flugzeug schwebt lautlos am Himmel.
Plötzlich erinnert Elizabeth sich daran, wie sie vor vielen Jahren zum ersten Mal in ihrem Leben, das damals noch ein glitzerndes, wogendes Meer voller Geheimnisse und Untiefen gewesen war, in einem Flugzeug gesessen hatte. Hingerissen war sie von den unbekannten Gefühlen, die auf sie einstürmten - Todesangst hatte sich in ihren jungen Nacken gekrallt, während das Flugzeug über die Startbahn raste, und parallel zu diesem entsetzlich kalten Griff schwoll eine geradezu ekstatische Lust in ihrem Unterleib heran, eine Lust zu leben, und beides vermischte sich in ihrem Solarplexus zu einem wollüstig-warmen Ausgeliefertsein. Seufzend überließ sie sich ihrem Schicksal, das sie in ihren Sitz presste und ihr den Atem nahm, sodass sie sich zusammenreißen musste, um nicht einfach loszuschreien vor Glück und der abstrusen Gewissheit, im nächsten Augenblick selig zu sterben. Doch sie starb nicht, das Flugzeug hob ab und flog eine scharfe Linkskurve über der Stadt Berlin, die in der Abenddämmerung dalag wie ein riesengroßes, flaches, atmendes Lebewesen am Grunde eines blauen Himmels, und Elizabeth hatte das Gefühl, sie überfliege ihr Leben, das unter ihr wogte, und sie brauche nur einzutauchen, denn alles war möglich zu dieser Zeit. Bald hatte das Flugzeug, eine Boeing 737, seine Reiseflughöhe erreicht. Ruhig und kraftvoll glitt es dahin. Elizabeths Hände, die bis eben noch zu Fäusten geballt waren, öffneten sich langsam und legten sich ausgestreckt auf ihre Oberschenkel. Sie lehnte den Kopf zurück, schloss kurz die Augen und fühlte sich geborgen wie im Innern eines Engels, der sie sicher über das Meer trug. Von einem lächelnden Steward wurde ihr ein Glas Tomatensaft serviert, dazu legte er ein Tütchen geröstete Erdnüsse auf die quadratische weiße Serviette auf dem Klapptisch vor ihr, und als sich ihr Herzschlag beruhigt hatte, erblickte sie im graublauen Abendhimmel einen einzigen Stern. Kauend fasste sie in ebendiesem Moment den Entschluss, nicht Floristin zu werden, nicht das Geschäft ihrer Mutter zu übernehme