Ein abgehalfterter Privatdetektiv. Eine hübsche Tote. Und ein Pharmaentwickler, der mit einem neuen Wirkstoff die Liebe demokratisieren will. Philip Strasser und seine Detektei haben schon bessere Tage gesehen. So bleibt Strasser nichts anderes übrig, als bei der Pharmafirma Protagen anzuheuern. Eines Tages bittet ihn Nina Berger, die Sekretärin der Forschungsabteilung, ihr zu helfen, da ein Stalker sie bedroht. Doch Strasser lehnt den Job ab und keine zwei Wochen nach ihrem Gespräch wird Nina Berger ermordet aufgefunden. Strasser beginnt zu ahnen, wer und was hinter ihrem Tod stecken könnte. Was als Detektivroman beginnt, wird schnell ein lakonisch erzählter Biotech-Noir-Roman über die Kluft zwischen Moral und Fortschritt.
Tobias Radloff geboren 1977 in Langen bei Frankfurt, ist Schriftsteller, Musiker und passionierter Kaffeetrinker. Nach Schwarzspeicher, dem einzigen Roman über die Post-Snowden-Ära, der schon vor den Snowden- Enthüllungen erschienen ist, legt er mit 'Amoralisch' seinen zweiten Spannungsroman vor.
Ein abgehalfterter Privatdetektiv. Eine hübsche Tote. Ein Pharmaentwickler, der mit einem neuen Wirkstoff die Liebe demokratisieren will Philip Strasser und seine Detektei haben schon bessere Tage gesehen, doch seit ihn ehemalige Kunden im Internet mit Häme überziehen, ist es nicht leicht, an neue Aufträge zu kommen. So bleibt Strasser nichts anderes übrig, als bei der Pharmafirma Protagen anzuheuern, wo er sich dazu hergeben muss, die Angestellten des Unternehmens zu bespitzeln. Als ihn eines Tages Nina Berger, Sekretärin in der Forschungsabteilung von Protagen, bittet, ihr zu helfen, sie werde gestalkt, ahnt Strasser nicht, dass er seine Ablehnung dieses Jobs schon bald bitter bereuen wird. Keine zwei Wochen nach ihrem Gespräch wird Nina Berger ermordet. Und Strasser ahnt, wer hinter ihrem Tod stecken könnte. Was sich zunächst liest wie eine spannende Detektivstory, entpuppt sich nach und nach als lakonisch erzählter Biotech-Noir-Roman, in dem die Frage, wie man einen Drogendealer zum Reden bringt, ohne ihm wehzutun, genauso thematisiert wird wie die Kluft zwischen Moral und Fortschritt und das Leben nach dem großen Verrat.
Autorentext
Zusammenfassung
Philip Strasser, Privatdetektiv, ist am Ende. Früher hatte er einen guten Ruf, doch seit er sich vor Jahren hat bestechen lassen, bleibt seine Ein-Mann-Detektei verwaist. Um sich über Wasser zu halten, schnüffelt er im Auftrag des Pharmaunternehmers Mortensen dessen eigenen Mitarbeitern in der Firma Protagen hinterher. Ein unangenehmer Job. Eines Tages bittet ihn Nina Berger, Sekretärin eines Chefs der Protagen-Forschungsabteilung, um seine Hilfe: Ihr Vorgesetzter stalke sie, sie wisse nicht mehr ein noch aus. Strasser lehnt den Auftrag ab; er kann nicht für Protagen und gleichzeitig gegen einen von dessen führenden Mitarbeitern tätig sein. Wenige Tage später ist Nina Berger verschwunden. Philip Strasser bringt in Erfahrung, dass ihr Chef Einbecker heißt, und dieser Einbecker ist für ihn kein Unbekannter. Er ist dem Mann schon einmal begegnet, vor Jahren. Damals ging es um Pharmatests, bei denen mehrere Probanden zu Tode kamen. Einbecker in der Forschungsabteilung bei Protagen? Strasser hat eine Ahnung, dass mehr hinter dem Verschwinden der Sekretärin stecken könnte, und beginnt, verdeckt zu ermitteln. Nina Berger ist tot, sie hat sich mit Tabletten das Leben genommen. Das denken alle: die Polizei, die Kollegen bei Protagen. Strasser gibt sich mit der Selbstmord-Theorie nicht zufrieden und sieht sich weiter im Umfeld der Toten um. Aber wie beschattet man erfolgreich einen Wissenschaftler aus der Führungsriege der Firma, für die man immer noch arbeitet? Wie bringt man einen Dealer zum Reden und setzt sich gegen dessen Bodyguards zur Wehr? Die Ermittlungen führen ihn vom Sumpf der Drogenszene bis in die Chefetagen der Biotech-Branche, und jede Erkenntnis wirft neue Fragen auf. Vor allem eine Frage: Was hat es mit Protagens neu entwickelten Wirkstoff Amortisol wirklich auf sich?
Leseprobe
Am nächsten Morgen war ich nicht in der Stimmung, vor die Tür zu gehen. Ich beschloss, dass die Welt mir einen halbwegs erfreulichen Tag schuldete, holte mir einen runter und verbrachte die nächsten Stunden vor dem Fernseher. Sorgen, etwas zu verpassen, hatte ich nicht. Es war zwecklos, Blank noch länger zu observieren. Wenn ich den Bonus schon abschreiben musste, konnte ich mir mein Tageshonorar auch bequem von zu Hause aus verdienen. Auch bei Einbecker war es höchste Zeit, mir einzugestehen, dass das Detektivspielen in seinem Fall reine Zeitverschwendung gewesen war. Er war kein Sexgangster, sondern ein Playboy, und Nina Berger war mitnichten ein Stalkingopfer, sondern hatte wohl bloß Muffensausen gehabt. Beide Tatsachen waren enttäuschend, aber enttäuschenderweise auch legal.
Gegen Abend rief Hondo an und fragte, ob ich ins Deppenapostroph käme. Zuerst weigerte ich mich, aber als er sagte, dass heute Geburtstag angesagt sei, witterte ich Freibier. Ich zog mir etwas an, ging die Treppe runter und zwei Straßen weiter zu dem Flachdachbau, von dessen Fassade Farbe und zentimeterdicke Plakatschichten abblätterten.
Hinter der Tür und einem schweren Filzvorhang hing jahrzehntealter Rauch in der Luft. Zwei Halogenstrahler waren auf die Wand mit den Fotos gerichtet. Frühere Besitzer der Kneipe hingen dort in trauter Eintracht zwischen lebenden und verstorbenen Stammgästen, ihren Hunden und anderen Trinkenden, an deren Namen sich heute niemand mehr erinnerte. Ich glaube nicht an Gespenster, aber wenn es sie gäbe, dann würden sie aus angelaufenen Zinnrahmen wie denen steigen, die die Stirnwand des Guido's bedeckten.
Hondo saß allein an der Bar und telefonierte. An einem Tisch spielte der Wirt Klabberjass mit einem Stammgast, dessen Namen ich schon dreimal wieder vergessen hatte. Er hatte einen achtjährigen Knirps neben sich, der darin vertieft war, mit seiner Cola zu blubbern. Der Stammgast und ich teilten das Schicksal des geschiedenen Vaters, er hatte zusätzlich das Alkoholproblem.
"Ich kenne den besten Club in der Stadt. Du musst unbedingt mitkommen, du wirst begeistert sein", sagte Hondo in sein iPhone. Ich setzte mich auf den Hocker neben ihm. Das Holz des Tresens war dunkel von Alter und im Suff vergossenen Tränen. "Okay, aber ich nehme nur coole Girls mit dahin. Du bist doch cool, oder?"
Ich räusperte mich. Hondo grinste, beendete aber das Gespräch. "Ich muss jetzt los. Klar, du hast ja meine Nummer." Er steckte sein Handy ein und wandte sich mir zu. "Na, wie läuft's?"
"Wer hat Geburtstag?"
"Heute? Ein Dreihundertfünfundsechzigstel der Menschheit, schätze ich."
Mir fiel wieder ein, dass ich Hondo eigentlich gar nicht leiden konnte. Ich stand auf.
"Man sieht sich."
Er verdrehte die Augen. "Philip, du verstehst aber auch gar keinen Spaß. Außerdem siehst du aus wie jemand, der ein Bier braucht." Fast wäre ich gegangen. Dummerweise hatte Hondo recht: Ich konnte wirklich ein Bier vertragen. Vor allem aber sehnte ich mich nach Gesellschaft.
Es gibt keinen verlässlicheren Weg, sieben Abende die Woche frei zu haben, als wenn dich alle für ein Dreckschwein halten. Unseren gemeinsamen Freundeskreis hatte ich bei der Trennung an Hannah verloren. Infolgedessen waren die Stammgäste im Guido's die einzigen Menschen, zu denen ich regelmäßigen Kontakt hatte. Na ja, vielleicht noch Boris Hansen, aber im Vergleich zu ihm, da war ich mir ziemlich sicher, war Hondo immer noch die bessere Wahl.
Ich ließ mich wieder a…
Tobias Radloff geboren 1977 in Langen bei Frankfurt, ist Schriftsteller, Musiker und passionierter Kaffeetrinker. Nach Schwarzspeicher, dem einzigen Roman über die Post-Snowden-Ära, der schon vor den Snowden- Enthüllungen erschienen ist, legt er mit 'Amoralisch' seinen zweiten Spannungsroman vor.
Ein abgehalfterter Privatdetektiv. Eine hübsche Tote. Ein Pharmaentwickler, der mit einem neuen Wirkstoff die Liebe demokratisieren will Philip Strasser und seine Detektei haben schon bessere Tage gesehen, doch seit ihn ehemalige Kunden im Internet mit Häme überziehen, ist es nicht leicht, an neue Aufträge zu kommen. So bleibt Strasser nichts anderes übrig, als bei der Pharmafirma Protagen anzuheuern, wo er sich dazu hergeben muss, die Angestellten des Unternehmens zu bespitzeln. Als ihn eines Tages Nina Berger, Sekretärin in der Forschungsabteilung von Protagen, bittet, ihr zu helfen, sie werde gestalkt, ahnt Strasser nicht, dass er seine Ablehnung dieses Jobs schon bald bitter bereuen wird. Keine zwei Wochen nach ihrem Gespräch wird Nina Berger ermordet. Und Strasser ahnt, wer hinter ihrem Tod stecken könnte. Was sich zunächst liest wie eine spannende Detektivstory, entpuppt sich nach und nach als lakonisch erzählter Biotech-Noir-Roman, in dem die Frage, wie man einen Drogendealer zum Reden bringt, ohne ihm wehzutun, genauso thematisiert wird wie die Kluft zwischen Moral und Fortschritt und das Leben nach dem großen Verrat.
Autorentext
Tobias Radloff geboren 1977 in Langen bei Frankfurt, ist Schriftsteller, Musiker und passionierter Kaffeetrinker. Nach Schwarzspeicher, dem einzigen Roman über die Post-Snowden-Ära, der schon vor den Snowden-Enthüllungen erschienen ist, legt er mit Amoralisch seinen zweiten Spannungsroman vor. Tobias Radloff lebt in Belfast.
Zusammenfassung
Philip Strasser, Privatdetektiv, ist am Ende. Früher hatte er einen guten Ruf, doch seit er sich vor Jahren hat bestechen lassen, bleibt seine Ein-Mann-Detektei verwaist. Um sich über Wasser zu halten, schnüffelt er im Auftrag des Pharmaunternehmers Mortensen dessen eigenen Mitarbeitern in der Firma Protagen hinterher. Ein unangenehmer Job. Eines Tages bittet ihn Nina Berger, Sekretärin eines Chefs der Protagen-Forschungsabteilung, um seine Hilfe: Ihr Vorgesetzter stalke sie, sie wisse nicht mehr ein noch aus. Strasser lehnt den Auftrag ab; er kann nicht für Protagen und gleichzeitig gegen einen von dessen führenden Mitarbeitern tätig sein. Wenige Tage später ist Nina Berger verschwunden. Philip Strasser bringt in Erfahrung, dass ihr Chef Einbecker heißt, und dieser Einbecker ist für ihn kein Unbekannter. Er ist dem Mann schon einmal begegnet, vor Jahren. Damals ging es um Pharmatests, bei denen mehrere Probanden zu Tode kamen. Einbecker in der Forschungsabteilung bei Protagen? Strasser hat eine Ahnung, dass mehr hinter dem Verschwinden der Sekretärin stecken könnte, und beginnt, verdeckt zu ermitteln. Nina Berger ist tot, sie hat sich mit Tabletten das Leben genommen. Das denken alle: die Polizei, die Kollegen bei Protagen. Strasser gibt sich mit der Selbstmord-Theorie nicht zufrieden und sieht sich weiter im Umfeld der Toten um. Aber wie beschattet man erfolgreich einen Wissenschaftler aus der Führungsriege der Firma, für die man immer noch arbeitet? Wie bringt man einen Dealer zum Reden und setzt sich gegen dessen Bodyguards zur Wehr? Die Ermittlungen führen ihn vom Sumpf der Drogenszene bis in die Chefetagen der Biotech-Branche, und jede Erkenntnis wirft neue Fragen auf. Vor allem eine Frage: Was hat es mit Protagens neu entwickelten Wirkstoff Amortisol wirklich auf sich?
Leseprobe
Am nächsten Morgen war ich nicht in der Stimmung, vor die Tür zu gehen. Ich beschloss, dass die Welt mir einen halbwegs erfreulichen Tag schuldete, holte mir einen runter und verbrachte die nächsten Stunden vor dem Fernseher. Sorgen, etwas zu verpassen, hatte ich nicht. Es war zwecklos, Blank noch länger zu observieren. Wenn ich den Bonus schon abschreiben musste, konnte ich mir mein Tageshonorar auch bequem von zu Hause aus verdienen. Auch bei Einbecker war es höchste Zeit, mir einzugestehen, dass das Detektivspielen in seinem Fall reine Zeitverschwendung gewesen war. Er war kein Sexgangster, sondern ein Playboy, und Nina Berger war mitnichten ein Stalkingopfer, sondern hatte wohl bloß Muffensausen gehabt. Beide Tatsachen waren enttäuschend, aber enttäuschenderweise auch legal.
Gegen Abend rief Hondo an und fragte, ob ich ins Deppenapostroph käme. Zuerst weigerte ich mich, aber als er sagte, dass heute Geburtstag angesagt sei, witterte ich Freibier. Ich zog mir etwas an, ging die Treppe runter und zwei Straßen weiter zu dem Flachdachbau, von dessen Fassade Farbe und zentimeterdicke Plakatschichten abblätterten.
Hinter der Tür und einem schweren Filzvorhang hing jahrzehntealter Rauch in der Luft. Zwei Halogenstrahler waren auf die Wand mit den Fotos gerichtet. Frühere Besitzer der Kneipe hingen dort in trauter Eintracht zwischen lebenden und verstorbenen Stammgästen, ihren Hunden und anderen Trinkenden, an deren Namen sich heute niemand mehr erinnerte. Ich glaube nicht an Gespenster, aber wenn es sie gäbe, dann würden sie aus angelaufenen Zinnrahmen wie denen steigen, die die Stirnwand des Guido's bedeckten.
Hondo saß allein an der Bar und telefonierte. An einem Tisch spielte der Wirt Klabberjass mit einem Stammgast, dessen Namen ich schon dreimal wieder vergessen hatte. Er hatte einen achtjährigen Knirps neben sich, der darin vertieft war, mit seiner Cola zu blubbern. Der Stammgast und ich teilten das Schicksal des geschiedenen Vaters, er hatte zusätzlich das Alkoholproblem.
"Ich kenne den besten Club in der Stadt. Du musst unbedingt mitkommen, du wirst begeistert sein", sagte Hondo in sein iPhone. Ich setzte mich auf den Hocker neben ihm. Das Holz des Tresens war dunkel von Alter und im Suff vergossenen Tränen. "Okay, aber ich nehme nur coole Girls mit dahin. Du bist doch cool, oder?"
Ich räusperte mich. Hondo grinste, beendete aber das Gespräch. "Ich muss jetzt los. Klar, du hast ja meine Nummer." Er steckte sein Handy ein und wandte sich mir zu. "Na, wie läuft's?"
"Wer hat Geburtstag?"
"Heute? Ein Dreihundertfünfundsechzigstel der Menschheit, schätze ich."
Mir fiel wieder ein, dass ich Hondo eigentlich gar nicht leiden konnte. Ich stand auf.
"Man sieht sich."
Er verdrehte die Augen. "Philip, du verstehst aber auch gar keinen Spaß. Außerdem siehst du aus wie jemand, der ein Bier braucht." Fast wäre ich gegangen. Dummerweise hatte Hondo recht: Ich konnte wirklich ein Bier vertragen. Vor allem aber sehnte ich mich nach Gesellschaft.
Es gibt keinen verlässlicheren Weg, sieben Abende die Woche frei zu haben, als wenn dich alle für ein Dreckschwein halten. Unseren gemeinsamen Freundeskreis hatte ich bei der Trennung an Hannah verloren. Infolgedessen waren die Stammgäste im Guido's die einzigen Menschen, zu denen ich regelmäßigen Kontakt hatte. Na ja, vielleicht noch Boris Hansen, aber im Vergleich zu ihm, da war ich mir ziemlich sicher, war Hondo immer noch die bessere Wahl.
Ich ließ mich wieder a…
Titel
Amoralisch
Untertitel
Ein Biotech-Roman Noir
Autor
EAN
9783863270339
ISBN
978-3-86327-033-9
Format
E-Book (epub)
Hersteller
Herausgeber
Veröffentlichung
07.04.2023
Digitaler Kopierschutz
Wasserzeichen
Dateigrösse
0.36 MB
Anzahl Seiten
256
Jahr
2015
Untertitel
Deutsch
Lesemotiv
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