New-York-Times-Bestseller: Von der Freude und Traurigkeit des Erwachsenwerdens, vom Ende der Unschuld und von der Kraft der Anteilnahme Im Sommer des Jahres 1961 kommt der Tod in vielen Formen nach New Bremen. Als Unfall. Als Selbstmord. Und als Mord. Zusammen mit seinem kleinen Bruder Jake scheint der dreizehnjährige Frank immer am falschen Ort zu sein - oder am richtigen, schließlich liefert eine Leiche auch Stoff für gute Geschichten. Bis das Sterben auch Franks Familie heimsucht. Plötzlich tut sich vor den Brüdern die ganze Welt der Erwachsenen auf, und der Tod fordert von allen eine Entscheidung: für die Familie, die Freunde und das Leben. 'Ein wundervoller Erzählton. Ich liebe dieses Buch.' Dennis Lehane

William Kent Krueger, 1950 in Wyoming geboren, arbeitete nach seinem Studium in Stanford als Bauarbeiter und Journalist. Einem großen Publikum wurde er mit seiner Krimireihe um den Ex-Sheriff Cork O'Connor bekannt. 'Für eine kurze Zeit waren wir glücklich' ist Kruegers erster literarischer Roman, mit dem er zum achten Mal in Folge den Sprung auf die Bestsellerliste der New York Times schaffte.

Autorentext
William Kent Krueger, 1950 in Wyoming geboren, arbeitete nach seinem Studium in Stanford als Bauarbeiter und Journalist. Einem großen Publikum wurde er mit seiner Krimireihe um den Ex-Sheriff Cork O'Connor bekannt. "Für eine kurze Zeit waren wir glücklich" ist Kruegers erster literarischer Roman, mit dem er zum achten Mal in Folge den Sprung auf die Bestsellerliste der New York Times schaffte.

Klappentext

Von der Freude und Traurigkeit des Erwachsenwerdens, vom Ende der Unschuld und von der Kraft der Anteilnahme Im Sommer des Jahres 1961 kommt der Tod in vielen Formen nach New Bremen. Als Unfall. Als Selbstmord. Und als Mord. Zusammen mit seinem kleinen Bruder Jake scheint der dreizehnjährige Frank immer am falschen Ort zu sein - oder am richtigen, schließlich liefert eine Leiche auch Stoff für gute Geschichten. Bis das Sterben auch Franks Familie heimsucht. Plötzlich tut sich vor den Brüdern die ganze Welt der Erwachsenen auf, und der Tod fordert von allen eine Entscheidung: für die Familie, die Freunde und das Leben. "Ein wundervoller Erzählton. Ich liebe dieses Buch." Dennis Lehane



Leseprobe
1

Mondlicht sammelte sich auf dem Boden des Zimmers. Draußen belebte das Zirpen der Grillen und anderen Nachtgetiers das Dunkel. Es war noch nicht einmal Juli und trotzdem schon brütend heiß. Vielleicht lag ich deswegen wach. 1961 besaßen nur die reichsten Bewohner von New Bremen eine Klimaanlage. Wir anderen bekämpften die Hitze, indem wir tagsüber die Vorhänge schlossen und die Sonne aussperrten, und nachts lockten Ventilatoren die Verheißung kühlerer Luft heran. In unserem Haus gab es nur zwei Ventilatoren, und keiner davon stand in dem Zimmer, das ich mir mit meinem Bruder teilte.

Während ich mich auf der Bettdecke hin und her warf und versuchte, trotz der Hitze eine bequeme Position zu finden, klingelte das Telefon.

Vater sagte oft, dass Anrufe mitten in der Nacht nie etwas Gutes bedeuten. Trotzdem nahm er immer ab. Ich vermutete, dass das auch zu seiner Arbeit gehörte, als eines von den vielen Dingen, die Mutter an seinem Beruf verabscheute. Das Telefon stand auf einem Tischchen draußen im Flur vor meinem Zimmer. Ich starrte zur Decke hinauf und lauschte dem blechernen Schrillen, bis das Licht im Flur anging.

"Hallo?"

Auf der anderen Zimmerseite regte sich Jake, ich hörte sein Bettgestell quietschen.

Vater fragte: "Sonst irgendwelche Schäden?" Dann sagte er, müde und höflich: "Ich bin in ein paar Minuten da. Danke, Cleve."

Er hatte noch nicht aufgelegt, da war ich schon aus dem Bett und stand im Flur. Seine Haare waren wild und zerzaust vom Schlaf, auf den Wangen lag ein bläulicher Bartschatten. Er sah müde und traurig aus. Er trug ein T-Shirt und gestreifte Boxershorts.

"Geh wieder schlafen, Frank", sagte er.

"Kann ich nicht", sagte ich. "Es ist zu heiß, ich war sowieso schon wach. Wer war das?"

"Die Polizei."

"Ist jemand verletzt?"

"Nein." Er schloss die Augen und rieb sich die Lider. "Es ist wegen Gus."

"Ist er betrunken?"

Vater nickte gähnend.

"Und im Gefängnis?"

"Geh wieder ins Bett."

"Kann ich mitkommen?"

"Du sollst wieder ins Bett gehen."

"Bitte. Ich störe bestimmt nicht. Und schlafen kann ich jetzt sowieso nicht mehr."

"Sprich leiser. Du weckst ja alle auf."

"Bitte, Dad."

Er hatte genügend Energie gehabt, aufzustehen und seine Pflicht zu erfüllen, aber um das Drängeln eines Dreizehnjährigen abzuwehren, der mitten in einer drückenden Sommernacht ein Abenteuer wittert, reichten seine Kräfte nicht. Also sagte er: "Zieh dich an."

Jake saß auf der Bettkante. Er trug bereits seine Shorts und streifte gerade die Socken über.

"Wo willst du denn hin?", fragte ich.

"Ich fahre mit." Er kniete sich hin und angelte in der Schwärze unter seinem Bett nach seinen Turnschuhen.

"Den Teufel tust du."

"Du hast Teufel gesagt", kommentierte er halb unter dem Bett hervor.

"Und du bleibst hier, Howdy Doody."

Jake war zwei Jahre jünger als ich und zwei Köpfe kleiner. Wegen seiner roten Haare, der Sommersprossen und der Ohren, die abstanden wie die Henkel einer Zuckerdose, nannten die anderen ihn manchmal Howdy Doody , wie die Bauchrednerpuppe aus dem Fernsehen. Wenn ich sauer war, sagte auch ich Howdy Doody zu ihm.

"Du kannst mir gar nichts b-b-b-befehlen", sagte er.

In der Öffentlichkeit stotterte Jake ständig, aber bei mir tat er es nur, wenn er wütend oder verängstigt war.

"Nein", gab ich zurück, "aber ich kann dich zu B-B-B-Brei schlagen, wenn ich will."

Er hatte seine Turnschuhe gefunden und zog sie an.

Die Nacht ist die Finsternis der Seele, und für mich lag ein lustvoller Reiz darin, zu einer Uhrzeit auf den Beinen zu sein, zu der die ganze Welt tief und fest schlief. Vater brach häufig zu diesen einsamen Missionen auf, aber ich hatte noch nie mitkommen dürfen. Das war etwas Besonderes, und ich wollte es nicht mit Jake teilen. Aber ich hatte sch
Titel
Für eine kurze Zeit waren wir glücklich
Untertitel
Roman
Übersetzer
EAN
9783492993340
Format
E-Book (epub)
Hersteller
Herausgeber
Veröffentlichung
01.03.2019
Digitaler Kopierschutz
Wasserzeichen
Dateigrösse
5.05 MB
Anzahl Seiten
416
Features
Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet