Es ist ein kalter Weihnachtsabend, als zwei Kinder den Weg über den Bergpass von einem Tal ins nächste antreten. Doch der plötzliche Schneefall verwandelt die vertraute Landschaft in eine tödliche Falle aus strahlendem Weiss. Adalbert Stifters Bergkristall ist eine der schönsten und reinsten Erzählungen der Weltliteratur. Mit unnachahmlicher Ruhe schildert Stifter die Gefahr des Gletschers und die stille Tapferkeit der Kinder in der frostigen Nacht. Die Geschichte einer Rettung, die nicht nur zwei Leben bewahrt, sondern auch die verhärteten Herzen zweier Bergdörfer wieder füreinander öffnet. Ein Buch wie ein geschliffener Kristall: klar, tief und von beständiger Schönheit.
Autorentext
Adalbert Stifter, geboren 1805 in Oberplan (Böhmen) und verstorben 1868 in Linz, war ein Meister der Entschleunigung und der präzisen Naturbeschreibung. Ursprünglich als Maler ausgebildet, übertrug er die visuelle Detailtiefe in seine Prosa. Sein literarisches Credo vom "sanften Gesetz", das das Kleine und Unscheinbare über das Gewaltige stellt, prägte sein gesamtes Schaffen. Stifters Texte sind von einer tiefen Sehnsucht nach Ordnung und sittlicher Reinheit durchzogen, während in seinem Privatleben oft Melancholie und gesundheitliche Krisen herrschten. Er gilt heute als einer der bedeutendsten Stilisten der deutschen Sprache, dessen Werk von Grössen wie Nietzsche und Thomas Mann hochverehrt wurde.