Das ist natürlich Humbug, meint Immy, bis ein merkwürdiges Lied in ihrem Kopf auftaucht und sie merkt, dass fast alle im Dorf sie und das Cottage meiden ...
Allison Rushby versteht es, den Leser sofort zu fesseln, und kreiert bis zur Lösung des Rätsels einen ungeheuren Spannungsbogen, der altersspezifische Themen wie Schulwechsel, Vorurteile, Liebe zu und Konflikte mit den Eltern ebenso umfasst wie große Themenkomplexe wie Empathie, Depression, Verantwortung und wahre Freundschaft.
Allison Rushby wuchs als Tochter eines Schriftstellers mit einer gesunden Mischung klassischer englischer Literatur als Lesefutter auf. Sie liebt Städte mit langen, gewundenen Geschichten, verwilderten
Friedhöfen, viktorianischen Museen aus rotem Backstein, streunenden Füchsen und wucherndem Efeu. Sie schreibt am liebsten, wenn sie - ihre Devon Rex Katze auf dem Schoß - vor einer Tasse Tee sitzt.
Autorentext
Allison Rushby wuchs als Tochter eines Schriftstellers mit einer gesunden Mischung klassischer englischer Literatur als Lesefutter auf. Sie liebt Städte mit langen, gewundenen Geschichten, verwilderten Friedhöfen, viktorianischen Museen aus rotem Backstein, streunenden Fuchsen und wucherndem Efeu. Sie schreibt am liebsten, wenn sie ihre Devon Rex Katze auf dem Schoß vor einer Tasse Tee sitzt.
Leseprobe
Nächtliches Geflüster
In der Nacht gab es Geflüster. Immy träumte, die Worte seien um die Äste des Baumes geschlungen, der im Dunkeln nach ihr tastete. Um den Stamm herum tanzten Mädchen und sangen dabei ein merkwürdiges Lied, das sie nicht kannte. Sie wachte abrupt auf, merkte, dass andere Stimmen - echte Stimmen - sich gegenseitig flüsternd zur Ruhe mahnten, und schlief gleich wieder ein.
Als das Schlagen der Zimmertür sie erneut weckte, hob sie den Kopf und sah, dass es bereits hell war. Ihr Vater hatte ein Tablett mit Heißgetränken in der Hand und eine Papiertüte zwischen den Zähnen. Der Geruch von Zimt und Butter drang zu ihr.
»Tut mir leid, mein Schatz«, sagte er, nachdem er die Papiertüte auf dem einzigen Tischchen im Zimmer abgelegt hatte. »Ich wollte dich nicht wecken. Ein Rosinenbrötchen? Und Kakao?«
Immy gähnte und nickte gleichzeitig. Sie wollte schon fragen, wo ihre Mutter war, hörte dann aber das Wasser in der Dusche rauschen. Sie verließ ihr Ausziehbett und setzte sich zu ihrem Vater an den Tisch. Er stellte den Kakao vor sie hin, nahm vorsichtig den Deckel ab und riss dann die fettige Tüte mit den Rosinenbrötchen auf. Immy nahm sich eines und versuchte nicht hinzusehen, als ihr Vater zwei Tabletten aus ihrer silbrigen Verpackung drückte. Er schluckte beide mit etwas Wasser hinunter und ließ den glänzenden Packungsstreifen auf dem sonnenbeschienenen Tisch liegen. Als Immy ihn jetzt beobachtete, fiel ihr das nächtliche Geflüster wieder ein. Es war dabei auch um diese Tabletten gegangen, wie schon seit rund einem Monat. Ihr Vater hatte sie nicht nehmen wollen. Für ihn sei seine Traurigkeit kein Problem, hatte er Immys Mutter erklärt.
Die war aber anderer Meinung. Deshalb nahm er die Tabletten jetzt einmal pro Tag.
Immy schaute aus dem Fenster und sah den Leuten zu, die draußen über das Kopfsteinpflaster eilten und dabei mit Handtäschchen, Aktentaschen, Handys und Kaffeebechern jonglierten. Dann dachte sie noch weiter zurück. An eine Nacht, in der sie ebenfalls Geflüster gehört hatte. Damals schlief sie in einem anderen Ausziehbett - dem Rollbett im Haus ihrer Freundin Grace. Genau wie vergangene Nacht war sie von Stimmen aufgewacht. Sie waren lauter geworden und wie eiserne Schwerter aneinandergeknallt.
Nicht lange danach war der Vater von Grace ausgezogen.
Damals hatte Immy gedacht, so etwas würde bei ihnen nie passieren. Nächtliches Streiten und Flüstern gekoppelt mit langem, angespanntem Schweigen - das war für sie schlichtweg nicht vorstellbar. Ihre Eltern lagen sich ständig in den Haaren - welches der richtige Weg beim Autofahren ist, dass man die Seidenhemden nicht zusammen mit den Jeans waschen darf, wer die Milch ausgetrunken und trotzdem keine neue gekauft hat. Aber nicht wegen Dingen, die wirklich wichtig waren. Zumindest bis jetzt. Immy spürte, wie ihr Brustkorb ganz eng wurde. Sie sah zu ihrem Vater, der friedlich seine Zeitung las.
»Wie ist der Kakao?«, fragte er, ohne aufblicken.
»Gut«, sagte Immy, obwohl sie ihn noch nicht einmal angerührt hatte.
In Australien hatte ihr Vater als Allgemeinmediziner gearbeitet. Er teilte sich mit vier anderen Ärzten eine Praxis in einem alten Holzhaus, das in einem Vorort mit vielen anderen Holzhäusern stand. Die Leute, die hier wohnten, waren größtenteils alt, und viele davon waren seine Patienten. Jedes Jahr mussten sie von ihrem Vater eine Bescheinigung holen, dass sie noch Auto fahren durften. Und jedes Jahr musste er ihnen sagen, dass er diese Bescheinigung nicht ausstellen könne und sie den Führerschein abgeben müssten. So leid ihm das tat, wusste er doch, dass es notwendig war - es war für die Patienten selbst viel zu gefährlich. So kam es wenig überraschend, dass er einem dreiundachtzigjährigen Pa
Inhalt
Auf dem Land Das Lavendel-Cottage Der Maulbeerbaum Eine Entscheidung Nächtliches Geflüster Ein neues Zuhause Im Garten Die Dorfwiese Jean schaut vorbei Jeans Warnung In der Schule Der Nächste in der Schlange Warten In der Schule Im Schwimmbad Die Schrebergarten-AG Unter der Hecke Kochende Wut In der Stille In der Bibliothek Und immer weiter so Das Beste draus machen Besucher und Besuche Ein echter Neuanfang Die Schulbücherei Tief in der Nacht Ein guter Tag Besuch am Abend Veränderungen Immy sieht etwas Elizabeth Alles Gute zum Geburtstag Draußen vor dem Fenster Ein anderer Baum Eins, zwei, drei Ein Plan Neue Freunde Die Autorin Die Illustratorin