Eine Mutprobe in einer verlassenen Fabrik führt die 12-jährige Becky unversehens in die verborgene Bonbonküche von Dr. Mellis. Der freundliche alte Herr erklärt sich bereit, sie in die Geheimnisse seiner Kunst einzuführen. Aber er warnt Becky auch: Zwischen süßen Düften und bunten Leckereien lauern die verbotenen Bonbons. Diese sind nicht nur für Becky und ihren Zwilling Lotta eine Gefahr. Bei all dem wird Becky das Gefühl nicht los, dass Dr. Mellis selbst ein finsteres Geheimnis hütet ...
Autorentext
Leseprobe
Bonbonkocher in vierter
Generation
Es war, als wäre Becky eingeschlafen und im schönsten, buntesten und wohligsten Traum gelandet. Staunend sah sie sich um.
Vor den porzellanweiß gekachelten Wänden standen reihenweise auf Hochglanz polierte Kupferkessel. Dampf stieg auf, und Becky vernahm das leise Geräusch von trägem Brodeln und fröhlichem Blubbern. Langsam ging sie zwischen den Kesseln umher. Im ersten sah sie eine gelbe Masse. Ihre Oberfläche schimmerte wie Goldstaub, und über ihr lag ein wunderbarer Duft nach Honig, Zimt und etwas Herbem, das Becky sogleich in Festtagsstimmung versetzte. Sie atmete tief ein, dann erkannte sie es: Die Honigschimmermasse duftete wie der Weihnachtsbaum zu Hause nach Bienenwachskerzen und Fichtennadeln.
Der nächste Kessel enthielt eine dunklere Flüssigkeit, so blau wie das Meer. Der aufsteigende Duft war frisch und salzig wie die Luft am Strand, mit einem Hauch von Gras und einer Prise Lakritze.
Im dritten blubberte es rosa mit gelben Punkten, und der Geruch dieser Masse erinnerte Becky sofort an ihren Lieblingsbastelladen, an Luftballons, Wackelpudding und bunte Schokolinsen. Sie musste unwillkürlich lächeln.
Über einem vierten Kessel hing eine so dichte Dampfwolke, dass Becky die Oberfläche nicht sehen konnte. Vorsichtig steckte sie ihre Nase hinein. Sie erwartete, dass sich der Dampf heiß und feucht anfühlen würde, so ähnlich wie wenn Mama einen großen Topf Nudeln auf dem Herd köcheln ließ. Aber dieser Dampf war anders. Er war angenehm warm und streichelte ihre Wangen. Kaum hatte Becky ein wenig davon eingeatmet, hatte sie das Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Sie sah alle Farben des Regenbogens durcheinanderwirbeln und wie Seifenblasen zerplatzen. Es fühlte sich an, als wäre sie völlig schwerelos. Dazu duftete es nach allem, was sie jemals gerochen hatte, und nach nichts, was sie beschreiben konnte. Sie schwebte selig in dieser Mischung aus himmlischen Düften und Farben - schöner als ihre Perlen und Klebebänder. Und dabei fiel es ihr wieder ein: Sie war Becky, Rebecca Marta Steffens, 12 Jahre alt und Zwilling von Karlotta Barbara, leidenschaftliche Bastlerin und nicht besonders mutige Mutprobenteilnehmerin, und schnupperte in der alten Fabrik an Kupferkesseln voll duftender Gebräue. Mit aller Kraft zog sie den Kopf aus der Dampfwolke und stand plötzlich wieder aufrecht in dem porzellanweiß gekachelten Raum.
Becky schüttelte sich. Der letzte Kupferkessel hatte sie glücklich gemacht und einen leichten Schwindel hinterlassen. Sie trat zurück von den Töpfen und sah sich die verschnörkelten Holzregale an der Wand näher an. Im ersten standen bauchige Gläser mit Bonbons in allen Regenbogenfarben, einfarbige und bunte, kleine und große, mit Füllung und ohne, mit Buchstaben, Noten und sogar Tieren darin. Ein Glas enthielt rosa Bonbons mit gelben Punkten, und da begriff Becky auch, was in den Kesseln vor sich hin dampfte: süße, klebrige Bonbonmasse.
Becky betrachtete die Bonbongläser genauer. Es gab eins mit meeresblauen Bonbons in Muschelform, die zu dem zweiten Kessel passten. Ein anderes Glas enthielt unregelmäßig geformte honigfarbene Goldstücke, unzweifelhaft die fertigen Bonbons aus der Masse im ersten Kessel. Und die Bonbons im größten Glas in der Mitte, die aussahen wie kleine Regenbögen, waren bestimmt die feste Form der regenbogenbunten Masse, die Becky so schwindelig und glücklich gemacht hatte.
Schritt für Schritt bewegte Becky sich weiter durch den Raum. Sie ließ ihre Finger über glänzende Walzen mit Bonbonformen streichen und nahm bunte Tüten mit verzierten Etiketten in die Hand. Sie legte ein Gewicht auf eine alte Messingwaage und sah den Zeiger ausschlagen. Sie betrachtete Flaschen voll sprudelnder Bonbonbrause und strich mit der Hand über die kühle Oberfläche eines Arbeitstisches mit polierter Steinplatte.
Dann entdeckte sie das Bücherregal. Es stand in einer Ecke am Ende des Ra
Autorentext
Anne Scheller wurde seit ihrer Geburt 1980 quer durch Niedersachsen, länger nach Bayern und immer wieder nach England verweht, bevor sie schließlich wieder in der Lüneburger Heide landete, wo sie mit ihrer Familie zwischen Heide und Kiefernwald lebt. Seit zehn Jahren schreibt sie Kinderbücher.
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Bonbonkocher in vierter
Generation
Es war, als wäre Becky eingeschlafen und im schönsten, buntesten und wohligsten Traum gelandet. Staunend sah sie sich um.
Vor den porzellanweiß gekachelten Wänden standen reihenweise auf Hochglanz polierte Kupferkessel. Dampf stieg auf, und Becky vernahm das leise Geräusch von trägem Brodeln und fröhlichem Blubbern. Langsam ging sie zwischen den Kesseln umher. Im ersten sah sie eine gelbe Masse. Ihre Oberfläche schimmerte wie Goldstaub, und über ihr lag ein wunderbarer Duft nach Honig, Zimt und etwas Herbem, das Becky sogleich in Festtagsstimmung versetzte. Sie atmete tief ein, dann erkannte sie es: Die Honigschimmermasse duftete wie der Weihnachtsbaum zu Hause nach Bienenwachskerzen und Fichtennadeln.
Der nächste Kessel enthielt eine dunklere Flüssigkeit, so blau wie das Meer. Der aufsteigende Duft war frisch und salzig wie die Luft am Strand, mit einem Hauch von Gras und einer Prise Lakritze.
Im dritten blubberte es rosa mit gelben Punkten, und der Geruch dieser Masse erinnerte Becky sofort an ihren Lieblingsbastelladen, an Luftballons, Wackelpudding und bunte Schokolinsen. Sie musste unwillkürlich lächeln.
Über einem vierten Kessel hing eine so dichte Dampfwolke, dass Becky die Oberfläche nicht sehen konnte. Vorsichtig steckte sie ihre Nase hinein. Sie erwartete, dass sich der Dampf heiß und feucht anfühlen würde, so ähnlich wie wenn Mama einen großen Topf Nudeln auf dem Herd köcheln ließ. Aber dieser Dampf war anders. Er war angenehm warm und streichelte ihre Wangen. Kaum hatte Becky ein wenig davon eingeatmet, hatte sie das Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Sie sah alle Farben des Regenbogens durcheinanderwirbeln und wie Seifenblasen zerplatzen. Es fühlte sich an, als wäre sie völlig schwerelos. Dazu duftete es nach allem, was sie jemals gerochen hatte, und nach nichts, was sie beschreiben konnte. Sie schwebte selig in dieser Mischung aus himmlischen Düften und Farben - schöner als ihre Perlen und Klebebänder. Und dabei fiel es ihr wieder ein: Sie war Becky, Rebecca Marta Steffens, 12 Jahre alt und Zwilling von Karlotta Barbara, leidenschaftliche Bastlerin und nicht besonders mutige Mutprobenteilnehmerin, und schnupperte in der alten Fabrik an Kupferkesseln voll duftender Gebräue. Mit aller Kraft zog sie den Kopf aus der Dampfwolke und stand plötzlich wieder aufrecht in dem porzellanweiß gekachelten Raum.
Becky schüttelte sich. Der letzte Kupferkessel hatte sie glücklich gemacht und einen leichten Schwindel hinterlassen. Sie trat zurück von den Töpfen und sah sich die verschnörkelten Holzregale an der Wand näher an. Im ersten standen bauchige Gläser mit Bonbons in allen Regenbogenfarben, einfarbige und bunte, kleine und große, mit Füllung und ohne, mit Buchstaben, Noten und sogar Tieren darin. Ein Glas enthielt rosa Bonbons mit gelben Punkten, und da begriff Becky auch, was in den Kesseln vor sich hin dampfte: süße, klebrige Bonbonmasse.
Becky betrachtete die Bonbongläser genauer. Es gab eins mit meeresblauen Bonbons in Muschelform, die zu dem zweiten Kessel passten. Ein anderes Glas enthielt unregelmäßig geformte honigfarbene Goldstücke, unzweifelhaft die fertigen Bonbons aus der Masse im ersten Kessel. Und die Bonbons im größten Glas in der Mitte, die aussahen wie kleine Regenbögen, waren bestimmt die feste Form der regenbogenbunten Masse, die Becky so schwindelig und glücklich gemacht hatte.
Schritt für Schritt bewegte Becky sich weiter durch den Raum. Sie ließ ihre Finger über glänzende Walzen mit Bonbonformen streichen und nahm bunte Tüten mit verzierten Etiketten in die Hand. Sie legte ein Gewicht auf eine alte Messingwaage und sah den Zeiger ausschlagen. Sie betrachtete Flaschen voll sprudelnder Bonbonbrause und strich mit der Hand über die kühle Oberfläche eines Arbeitstisches mit polierter Steinplatte.
Dann entdeckte sie das Bücherregal. Es stand in einer Ecke am Ende des Ra
Titel
Becky und der geheimnisvolle Bonbonkocher
Autor
Illustrator
EAN
9783751701372
Format
E-Book (epub)
Altersempfehlung
ab 10 Jahre
Hersteller
Herausgeber
Genre
Digitaler Kopierschutz
Wasserzeichen
Dateigrösse
1.7 MB
Anzahl Seiten
224
Features
Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet
Auflage
1. Aufl. 2020
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