1. Erzählung: Ein Bauernjunge aus den Niederlanden flieht vor der Inquisition nach Dänemark und macht unfreiwillig einen Umweg über die Karibik. Glück, Sex, Reichtum, Freundschaft und Leid liegen nahe beieinander, bis er seine neue Heimat erreicht. 2. Erzählung: Lammers findet den Exehemann seiner Frau tot im Garten und beerdigt ihn unter skurrilen Umständen. Ist seine Frau wirklich eine schwarze Witwe oder steckt mehr dahinter? Weitere Morde geschehen und Frau Lammers sucht ihre Kamera in ihrer Handtasche.

Der Autor wurde 1955 in Hamburg geboren. Er studierte hier Sozialpädagogik und arbeitete viele Jahre als Diplom Sozialpädagoge in der Hansestadt Lübeck. Nebenberuflich absolvierte er ein Studium als Sozialmanager an der Fachhochschule Lüneburg und wirkte mit an einem Leitfaden für Psychohygienekursleiter beim Generalsekretariat des DRK. Im Rahmen der Erwachsenenbildung leitete er diverse Lehrgänge.

Autorentext

Der Autor wurde 1955 in Hamburg geboren. Er studierte hier Sozialpädagogik und arbeitete viele Jahre als Diplom Sozialpädagoge in der Hansestadt Lübeck. Nebenberuflich absolvierte er ein Studium als Sozialmanager an der Fachhochschule Lüneburg und wirkte mit an einem Leitfaden für Psychohygienekursleiter beim Generalsekretariat des DRK. Im Rahmen der Erwachsenenbildung leitete er diverse Lehrgänge.



Leseprobe
Erzwungene Flucht


Der Morgen war schon fortgeschritten, als Piter van Hoyman unter der großen Tanne, die ihn vor dem nächtlichen Regen geschützt hatte, hervor kroch. Am Abend zuvor hatte er hier vor dem rasch einsetzenden Starkregen Schutz gesucht und war dann ruhig eingeschlafen. Die Äste des Baumes hingen so tief, dass sie fast den Boden berührten. Darunter hatte sich ein weiches Polster aus Tannennadeln gebildet, das ihm einen ruhigen, zumindest wieder einmal einen alptraumlosen Schlaf beschert hatte. Aber auch viel Getier hatte sich vor dem Regen hierher geflüchtet, welches sich Piter nun aus dem Wams schütteln musste. Verschlafen blickte er in die Morgensonne, die bereits begonnen hatte, die Feuchtigkeit der Nacht in einen Schleier von Hochnebel zu verwandeln. Der Wald an dessen Rand er sein Nachtlager gefunden hatte, duftete wunderbar nach frischem Grün. Einige Tautropfen hingen noch träge an Gräsern, Halmen und Büschen, aber sie reichten nicht aus, seinen Durst zu löschen.


Pit, wie er von Freunden und der Familie genannt wurde, streifte die Tropfen des kühlen Nasses ab und leckte sie gierig von den Fingern. Bald verspürte er ein Knurren, mit welchem sein Magen eine heftige Hungerattacke einleitete. Das Bündel, dass Pit vorsichtshalber die Nacht über an seinem Stecken in den Baum gehängt hatte, um es vor den nächtlichen Räubern zu schützen, war in den letzten Tage bereits sehr geschrumpft und wesentlich leichter geworden. Der Käse und das Brot, welches die freundliche alte Erna ihm mit auf den Weg gegeben hatte, waren fast aufgebraucht und würden, selbst wenn er nicht zu gierig wäre, höchstens noch zwei Tage für ein karges Mahl reichen.


Ach ja, seufzte Pit. Was hatte er schon wieder einmal mit seinem vorlauten Schandmaul angerichtet. Piter van Hoyman standen die Tränen in den Augen. Musste er unbedingt mit dem Pfarrer über Gott diskutieren? Für ihn war es doch bereits eine klare Sache gewesen, dass es nur eine Erfindung der Kirche war, die ihre Schäfchen ungestört scheren wollte und manchmal noch mehr. Hätte er sich nicht auch verkneifen können zu fragen, warum es die Bibel nicht auch, wie bei den Abtrünnigen, in seiner Sprache geben würde? Schließlich hatte er bei Erna als einer der wenigen Bauernsöhne lesen und schreiben gelernt.


Hm, ja, die gute Erna. So richtig verstanden hatte er es nie, warum sie gerade auf dem Hof seines Vaters hängen geblieben war. Sie war ein richtiger Mutterersatz für ihn und seine zwei älteren Brüder geworden. Die Mutter war kurz nach seiner Geburt gestorben und der Vater Johann hatte sein Bestes versucht, die drei Rangen groß zu bekommen. Dann war Erna da. Vater hatte ihm erzählt, dass sie im Tross von Landsknechten, die etwas weiter vom Hof entfernt vorbeimarschierten, mitgekommen war und sich dann unbemerkt in die Büsche geschlagen hatte.


Vater hatte sie dann während der Feldarbeit aufgelesen und seit dem war sie einfach auf dem Hof geblieben. Was Erna alles hatte erleben und durchleiden müssen, hatte sie nie erzählt. Welches Unglück eine belesene, intelligente Frau in den Tross der Landsknechte verschlagen hatte, wagte er sich nicht vorzustellen. Jedenfalls hatte sie schnell sein Talent für Schrift und Sprachen entdeckt. So lernte er sich nicht nur im Holländischen, sondern auch im Mittelhochdeutschen leidlich auszudrücken. Dieses Talent würde ihm in seinem Leben noch manches Mal gut zu statten kommen. Auch im Rechnen war Pit sehr gewandt, was in seiner Familie außergewöhnlich und nicht sehr verbreitet war.


Als Pit mit dem Pfarrer der Nachbargemeinde derart in Feindschaft geraten war, dass dieser die ganze Macht der Kirche ausspielte, um seiner habhaft zu werden, war es mit der heimatlichen Idylle schnell vorbei gewesen. Das Schlimmste, was Piter sich in seiner Wut geleistet hatte, war, den Pfarrer zu fragen, warum zwei der Ministranten weinend, mit roten Hintern

Titel
Totensee, oder Die Odyssee des van Hoyman (eine historische Erzählung) & Der viereinhalbte Mann (eine Kriminalgroteske)
Untertitel
Historischer Roman und eine Kriminalgroteske
EAN
9783738008036
ISBN
978-3-7380-0803-6
Format
E-Book (epub)
Veröffentlichung
18.12.2014
Digitaler Kopierschutz
Wasserzeichen
Dateigrösse
0.82 MB
Anzahl Seiten
182
Jahr
2014
Untertitel
Deutsch
Features
Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet