Im Zuge des gesellschaftlichen Transformations- und Individualisierungsprozesses eröffnet sich ein Gestaltungsfreiraum für die Individuen: Die 'Normalbiographie' mit ihren inhärenten Erwartungen und Normen der 'richtigen Ereignisse zum richtigen Zeitpunkt' ist nicht mehr per se handlungsleitend - Lebensereignisse und deren Anordnung werden variabel und optional. Der 'richtige' Zeitpunkt, die Ausbildung abzuschließen, einen Partner zu finden, zu heiraten und Kinder zu bekommen, obliegt den Vorstellungen und der Gestaltung der Individuen bzw. stehen ganz zur Disposition. Für Individuen in Paarbeziehungen ist die Abstimmung individueller Vorstellungen und Erwartungen, um ein gemeinsames Zusammenleben zu ermöglichen, notwendiger denn je. Der Blick auf die innerpartnerschaftlichen Abstimmungsprozesse zeigt, dass nicht jedes 'objektiv' eintretende Ereignis Auswirkungen auf den Paarverlauf hat. Stattdessen kommt es auf ihre Interpretation und Konstruktion an, d.h. der Schlüssel zum Verständnis der Wirkung von (berufs)biographischen Ereignissen ist die konstruierte Wirklichkeit der Paare. Hierbei erscheinen die Beziehungskonzepte als 'Glue', der die Partner zusammenhält und die (In)Stabilität von Paarbeziehungen verstehen lässt.
Eine qualitative Paneluntersuchung zur Dynamik des Verlaufs von Paarbeziehungen
Vorwort
Eine qualitative Paneluntersuchung zur Dynamik des Verlaufs von Paarbeziehungen
Autorentext
Dr. Caroline Ruiner ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Philosophisch-Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Augsburg.
Zusammenfassung
Der empirische Blick auf Paare auf die Paarvergemeinschaftung von Indivi- en gewinnt insbesondere in jenen Gesellschaften zunehmend an Bedeutung, deren zentrale institutionelle Referenz das Individuum darstellt. Dieser nur scheinbare Widerspruch gründet in der umfassenden Hochschätzung von Indi- dualität in ihren verschiedensten Ausprägungen und Dimensionen in fort- schritten modernen Gesellschaften, ohne dass damit jedoch wie häufig mi- verständlich und missverstanden behauptet wird eine grundsätzliche Entw- tung von gemeinschaftlichen Bezügen verbunden wäre. Im Gegenteil: Je höher Individualität bewertet wird, je wichtiger dem modernen Subjekt die je eigene Persönlichkeit wird und je mehr die Gesellschaft die Einzigartigkeit jedes In- viduums anerkennt, umso bedeutsamer erscheint jener lebensweltliche Bereich, in dem diese Hochschätzung und wechselseitige Anerkennung als Individuum als unhintergehbares Grundprinzip gilt: die intime Paarbeziehung. Caroline Ruiner greift diese Debatte um Individualisierung in Paarbez- hungen auf. Sie zielt dabei allerdings nicht nur allgemein auf jene Wahlchancen und Wahlzwänge, mit denen sich Männer wie Frauen im Zuge der Auflösung der geschlechterspezifischen Normalbiographien in den letzten Jahrzehnten zun- mend konfrontiert sehen. Vielmehr schärft sie aus einer relationalen Perspektive den mikrosoziologisch-rekonstruktiven Blick auf die Alltagswirklichkeiten h- tiger Doppelverdiener-Paare, die in ihrem Umgang mit dem von beiden Lebe- partnern verdienten Geld ihre jeweils eigenen Paarwelten gestalten, in denen sich Individualität und Gemeinschaftlichkeit typischerweise verschränken. Für das Verständnis von Paarbeziehungen erscheint dabei die alltagspraktische - ganisation von Geld nicht nur in quantitativer Hinsicht (z. B. die Höhe des v- fügbaren Einkommens von Männern und Frauen bzw.
Inhalt
Einleitung: Paarbeziehung zwischen Kontinuität und Wandel.- Der Verlauf von Paarbeziehungen Eine theoretische Annäherung.- Zum Stand der Forschung des Verlaufs von Paarbeziehungen.- Veränderungsdynamiken in Paarbeziehungen.- Untersuchungsdesign und Methodik.- Veränderungsdynamiken im Verlauf von Paarbeziehungen: Drei exemplarische Fallrekonstruktionen.- Paare im Wandel. Zum Verlauf von Paarbeziehungen in der reflexiven Moderne.- Paare im Wandel? Ein Resümee.