Nach Augustblau endlich der neue Roman von Deborah Levy
Ein wunderbares Porträt zweier Zeitperioden und zweier Frauen, die eine fiktional, die andere eine reale Legende
Autorentext
DEBORAH LEVY glaubt nicht an Genregrenzen. Sie helfen ihr zwar, sich in Buchhandlungen zurechtzufinden, aber sie ist davon überzeugt, dass wirklich gute Bücher keine Schubladen brauchen. Und so ist auch ihr Schreiben ungeheuer vielschichtig, verbinden sich darin doch essayistische und lyrische Momente, autobiographisches und fiktionales Erzählen miteinander. Deborah Levy emigrierte im Alter von neun Jahren mit ihrer Familie aus Südafrika nach Großbritannien. Ihre Romane Heim schwimmen (2011), Heiße Milch (2016) und Der Mann, der alles sah (2019) waren für den Booker Prize nominiert. Für ihr dreiteiliges autobiographisches Projekt wurde sie mit dem Prix Femina étranger ausgezeichnet. Sie lebt und arbeitet in London und Paris.
Leseprobe
»Das 21. Jahrhundert war in seinen Zwanzigern. Immer eine turbulente Zeit. Wir hatten Gluck. Wir waren nicht unter den Trummern. Wir waren an unseren Bildschirmen, scrollten, scrollten, scrollten durch die verschiedenen Kriege im 25. Jahr des 21. Jahrhunderts. Zwischen dem Verfassen meines Essays uber Gertrude Stein und dem Durchscrollen der Nachrichten ging ich zum Markt, um suße, knackige Äpfel aus der Normandie zu kaufen. Manchmal dachte ich an Gertrude Stein, als sie sich ihrem 60. Jahr näherte. Wie sie im Garten ihres Landhauses sitzt, ihr kleiner Hund hinter ihrem Nacken. Alice B. stand morgens um sechs auf, um Erdbeeren fur ihr Fruhstuck zu pflucken. Es war schwer, sich Gertrude Stein in diesem Alter vorzustellen, weil ihr Schreiben so abenteuerlich war.«