Die Erzählerin von Mein Jahr in Paris mit Gertrude Stein hat viel zu tun. Der Kater ihrer Freundin Eva ist verschwunden, und sie befurchtet, er könnte im Bewusstseinsstrom davongeschwommen sein. Ihre andere Freundin Fanny hat kaum Zeit fur sie, denn sie arbeitet in der Finanzbranche und ist mit nicht weniger als drei Liebhaberinnen verstrickt. Und vor allem Gertrude Stein macht der Erzählerin das Leben schwer.Sie versucht, einen Essay uber Stein zu schreiben, aber das scheint ganz unmöglich zu sein. Sie weiß zu viel und gleichzeitig gar nichts uber die wichtige Avantgarde-Denkerin des fruhen 20. Jahrhunderts.Was sie weiß, ist Folgendes: Gertrude Stein studierte Psychologie und Medizin, brach dann aber ihr Studium ab, kuratierte stattdessen in ihrer Mietwohnung in Paris moderne Kunst, die die Welt erschuttern sollte, Picasso, Matisse und Hemingway gingen bei ihr ein und aus, sie schrieb Romane, Theaterstucke und Gedichte, die inkohärent und brillant sind,und sie verliebte sich auf den ersten Blick in ihre spätere Frau Alice B. Toklas.Aber so vieles weiß sie auch nicht. Und so versucht sie, herauszufinden, was wir verlieren mussen, um modern zu werden, wie wir mit Ängsten umgehen, mit Unsicherheit leben, mit deprimierenden Vätern, wie wir uns ein neues Leben in einem anderen Land aufbauen. Sie denkt nach uber Kunst und Sprache und Freiheit daruber, was all diese Dinge fur Gertrude Stein in den Anfängen des 20. Jahrhunderts bedeutet haben und was sie fur sie zuBeginn des 21. Jahrhunderts bedeuten.

Nach Augustblau endlich der neue Roman von Deborah Levy
Ein wunderbares Porträt zweier Zeitperioden und zweier Frauen, die eine fiktional, die andere eine reale Legende


Autorentext
DEBORAH LEVY glaubt nicht an Genregrenzen. Sie helfen ihr zwar, sich in Buchhandlungen zurechtzufinden, aber sie ist davon überzeugt, dass wirklich gute Bücher keine Schubladen brauchen. Und so ist auch ihr Schreiben ungeheuer vielschichtig, verbinden sich darin doch essayistische und lyrische Momente, autobiographisches und fiktionales Erzählen miteinander. Deborah Levy emigrierte im Alter von neun Jahren mit ihrer Familie aus Südafrika nach Großbritannien. Ihre Romane Heim schwimmen (2011), Heiße Milch (2016) und Der Mann, der alles sah (2019) waren für den Booker Prize nominiert. Für ihr dreiteiliges autobiographisches Projekt wurde sie mit dem Prix Femina étranger ausgezeichnet. Sie lebt und arbeitet in London und Paris.

Leseprobe

»Das 21. Jahrhundert war in seinen Zwanzigern. Immer eine turbulente Zeit. Wir hatten Gluck. Wir waren nicht unter den Trummern. Wir waren an unseren Bildschirmen, scrollten, scrollten, scrollten durch die verschiedenen Kriege im 25. Jahr des 21. Jahrhunderts. Zwischen dem Verfassen meines Essays uber Gertrude Stein und dem Durchscrollen der Nachrichten ging ich zum Markt, um suße, knackige Äpfel aus der Normandie zu kaufen. Manchmal dachte ich an Gertrude Stein, als sie sich ihrem 60. Jahr näherte. Wie sie im Garten ihres Landhauses sitzt, ihr kleiner Hund hinter ihrem Nacken. Alice B. stand morgens um sechs auf, um Erdbeeren fur ihr Fruhstuck zu pflucken. Es war schwer, sich Gertrude Stein in diesem Alter vorzustellen, weil ihr Schreiben so abenteuerlich war.«

Titel
Mein Jahr in Paris mit Gertrude Stein
Untertitel
Roman
Übersetzer
EAN
9783311707370
Format
E-Book (epub)
Hersteller
Digitaler Kopierschutz
Wasserzeichen
Dateigrösse
2.56 MB
Anzahl Seiten
160
Lesemotiv