Erling Kagge ist einer der größten Abenteurer unserer Zeit. So hat er seinen Schlitten mit Equipment mehr als 50 Tage lang durch Kälte, Eis und Schnee zum Nord- und zum Südpol hinter sich hergezogen. Es sind besondere Eigenschaften, die es für solche Expeditionen braucht: Ausdauer, Mut und Leidenschaft. Und es sind besondere Erfahrungen, die man dabei macht: Wie wichtig es ist, morgens früh aus dem Schlafsack zu kriechen, auch wenn das Thermometer minus 50 Grad zeigt. Wie gut eine Handvoll Rosinen schmeckt, die hier im Eis eine ganze Mahlzeit ersetzen. Wie einfach sich ein Schlitten mit leichtem Gepäck bewegen lässt. Wie sehr die Einsamkeit in der Natur zu innerem Frieden führt. Wie ratsam es ist, das Glück nicht dem Zufall zu überlassen.
Und das Abenteuer des täglichen Lebens? Sind wir hier nicht mit den gleichen Dingen konfrontiert? Absolut, sagt Erling Kagge und zeigt uns in siebzehn bedenkenswerten, praktischen und reich bebilderten Kapiteln wie wir dieses Abenteuer bestehen können. Damit ein gutes, erfolgreiches Leben gelingt, eines, das uns zu dem führt, was uns wichtig ist.
Erling Kagge, geboren 1963, ist ein Verleger, Autor, Jurist, Kunstsammler, Bergsteiger und Vater von drei Töchtern. Er lebt in Oslo. Der norwegische Abenteurer hat als erster in der Geschichte die "drei Pole" erreicht – den Süd- und Nordpol und den Mount Everest. Im Jahr 2017 erschien der SPIEGEL-Bestseller Stille. Ein Wegweiser . Seine Anleitung für angehende Kunstsammler, Große Kunst für kleines Geld , erschien 2019.
»Unterwegs im ewigen Eis kommst du dem Geheimnis eines guten Lebens auf die Spur. Es geht um die Konzentration auf die einfachen Freuden«, schreibt einer der größten Abenteurer unserer Zeit, auf seinem Weg zum Südpol. Ausdauer, Mut und Leidenschaft verlangt eine solche Expedition. Und es sind besondere Erfahrungen, die man dabei macht: Wie wichtig es ist, morgens früh aus dem Schlafsack zu kriechen, auch wenn das Thermometer minus 50 Grad anzeigt. Wie gut eine Handvoll Rosinen schmeckt, die im Eis eine ganze Mahlzeit ersetzen. Dass die Einsamkeit der Natur zu innerem Frieden führt.
Und wir? Haben wir in Zeiten von Corona nicht Ähnliches erlebt? Dass unser Leben in ungewohnter Einfachheit überraschend reich sein kann? Erling Kagges Philosophie für Abenteurer ist das Buch der Stunde.
Autorentext
Erling Kagge, geboren 1963, ist ein Verleger, Autor, Jurist, Kunstsammler, Bergsteiger und Vater von drei Töchtern. Er lebt in Oslo. Der norwegische Abenteurer hat als erster in der Geschichte die »drei Pole« erreicht den Süd- und Nordpol und den Mount Everest. Im Jahr 2017 erschien der SPIEGEL-Bestseller Stille. Ein Wegweiser. Seine Anleitung für angehende Kunstsammler, Große Kunst für kleines Geld, erschien 2019.
Leseprobe
Fürchte dich nicht vor deiner eigenen Größe
Ich habe über hundert Länder besucht und bin einer großen Zahl von Menschen begegnet, und ich habe keinen Zweifel, dass die allermeisten von uns sich selbst unterschätzen. Als würden wir uns vor unserer eigenen Größe fürchten und uns damit kleiner machen, als wir sind. Es ist nicht immer offensichtliche Angst, sondern lediglich ein Gedanke, der im Hintergrund lauert und einen Dämpfer auf alles legt. Beinahe so, als hätten wir eine kleine innere Stimme, die uns erzählt, dass es an der Zeit ist aufzugeben, dass es nicht der Mühe wert ist weiterzumachen, dass wir weit genug gekommen sind. Es ist einfach, das Interessante und Spannende zugunsten des Sicheren abzulehnen und zu vergessen, dass jeder von uns zahlreiche Möglichkeiten für neue, positive Erfahrungen hat und Dinge erreichen kann, von denen wir immer geträumt haben.
Größe ist relativ. Ein Bekannter von mir hat Angst, die Briefe mit Rechnungen zu öffnen, die mit der Post kommen. Für ihn ist es eine Leistung, sich der Welt anzupassen und die Übersicht zu behalten, um einen persönlichen Konkurs zu vermeiden. Briefumschläge zu öffnen, hat normalerweise nichts mit Stärke zu tun, für ihn aber schon. Wenn ich an Größe denke, dann meine ich das Potential jedes einzelnen Menschen. Oder die Potentiale. Im Kleinen und - bisweilen - auch im Großen.
Es gibt noch einen anderen Grund für die Furcht so vieler Menschen vor der Größe: Je mehr man zu erreichen versucht, desto wahrscheinlicher ist es, dass man einen Misserfolg riskiert. Die Angst, wie ein Idiot dazustehen, ist möglicherweise die häufigste Ursache, dass wir unsere Träume unter den Teppich kehren. Häufig haben wir das Gefühl, es sei besser, etwas nicht zu tun, als damit zu beginnen und zu scheitern. Wenn sich vor deiner Tür eine Chance zeigt, ist es leichter, die Rollläden herunterzulassen und sie zu ignorieren, als zuzugreifen und eine Niederlage zu riskieren. Ich erinnere mich noch sehr genau an einen Saunabesuch mit dem Kumpel, mit dem ich ein knappes Jahr später zum Nordpol unterwegs war, wir kamen gerade von einer Skitour. Was, fragte ich ihn, würden die Leute wohl sagen, wenn wir scheiterten? Wie würde ich wohl darauf reagieren? "Pfeif drauf!", war seine unmittelbare Reaktion. Im ersten Moment dachte ich, er würde eine berechtigte Sorge, die mich umtrieb, ein wenig zu barsch abfertigen. Als ich jedoch darüber nachdachte, sah ich allmählich ein, dass ich mich mit solchen Sorgen ebenso gut mit der Fernbedienung aufs Sofa setzen könnte, statt zum Nordpol zu gehen.
Manchmal hat man Angst, sich von der Menge abzuheben, weil man glaubt, dies führe zu Einsamkeit. Ich habe gelesen, dass Freundschaften oft deswegen zu Ende gehen, weil der eine erfolgreicher war als der andere und sich dadurch auf eine unangenehme Weise vor dem anderen auszeichnete. Üblicherweise entscheiden sich die nicht so erfolgreichen Leute dazu, Freundschaften abkühlen zu lassen oder ganz zu beenden. Eine ähnliche Erkenntnis findet sich auf einer von Morrisseys älteren Singles: "We Hate It When Our Friends Become Successful". Denn eigentlich will er singen: Das hätte ich sein sollen.
Es ist in Ordnung, ein bisschen besser zu sein, ein bisschen interessanter, aber nicht zu viel. Wirst du zu besonders für deine Umgebung, kann man dir das als Verrat und Selbstausgrenzung ankreiden. Ein Teil des Beitrags, den du bezahlst, um Mitglied in einer Gruppe zu sein, ist die Anpassung, und vielleicht musst du dich auch ein wenig kleiner machen, als du bist, damit sich die Menschen in deiner Umgebung sicher und geborgen fühlen können.
Wir vergessen leicht, dass es andere Möglichkeiten gibt als nur die, mit denen wir jeden Tag konfrontiert sind. Anfang der neunziger Jahre arbeitete ich zwei Jahre als Gerichtsreferendar bei Norsk Hydro. Kurz nach meinem Eintritt in das Unternehmen hatte ich das Gefühl, dass die