Catherine Loucheron, genannt Mademoiselle, ist ein echter Hingucker: attraktiv, charismatisch und gebildet. Eigentlich liegen dem französischen Kindermädchen einer argentinischen Diplomatenfamilie alle Männer zu Füßen, doch Catherine verliebt sich ausgerechnet in einen, der gegen ihre Reize immun zu sein scheint: Der Feuerwehrmann Nick Kowalski ist ihrer Logik nach genau deshalb der perfekte Mann für sie. Aber wie kann sie Nick für sich gewinnen, wo sie doch überzeugt ist, dass er als Mann den ersten Schritt machen muss? Um ihren Traummann auf sich aufmerksam zu machen, hat Catherine schließlich eine etwas eigentümliche, im wahrsten Sinne des Wortes "zündende" Idee. "Dieser Roman lässt die Funken sprühen und unsere Herzen entflammen." (Für Sie)

Esther Vilar ist Argentinierin deutscher Herkunft. Sie studierte Medizin und Soziologie und arbeitete unter anderem als Aerztin. Mit vielen ihrer Bücher und Theaterstücke hat sie Aufsehen erregt. Heute lebt sie hauptsächlich in London.

Autorentext
Esther Vilar ist Argentinierin deutscher Herkunft. Sie studierte Medizin und Soziologie und arbeitete unter anderem als Aerztin. Mit vielen ihrer Bücher und Theaterstücke hat sie Aufsehen erregt. Heute lebt sie hauptsächlich in London.

Leseprobe

Ich glaube, die Wochen nach dem Besuch bei der esoterischen Luisita waren die schwierigsten. Wir steckten in einer Sackgasse, denn sosehr wir auch nachdachten, es fand sich nirgends eine Lösung. Außer jener, für die Mademoiselle nicht zu haben war:

»Und wenn wir einfach noch mal zur Feuerwache gehen? Wir könnten noch ein paar Fragen für meinen Aufsatz erfinden. Er hat gesagt, dass ich jederzeit zu ihm kommen kann.«

»Du. Nicht ich.«

»Es ist doch selbstverständlich, dass Sie dabei sind. Dafür werden Sie von meinen Eltern bezahlt.«

»Carlitos, als du ihn damals befragt hast, hast du ihm da gesagt, dass ich in dem Café an der Ecke auf dich warte? Schau mir in die Augen: Ja oder nein?«

»Ja.«

»Siehst du? Er ist einfach nicht an mir interessiert.«

»Das ist unmöglich.«

»Und warum?«

»Weil jeder an Ihnen interessiert ist. Warum sollte ausgerechnet dieser hässliche Feuerwehrmann ...«

»Carlitos!«

»Okay, okay.«

Doch schon am nächsten Tag ging es weiter. »Vielleicht hast du recht«, sagte Mademoiselle, als wir beim Essen saßen.

»Womit?«

»Nick Kowalski. Vielleicht sieht er tatsächlich nicht so wahnsinnig gut aus.«

Ich ließ das Besteck fallen: »Endlich!«

»Ich sage nicht, dass es so ist. Aber selbst wenn es so wäre, es wäre kein Argument. Ich bin nämlich der Ansicht, dass sich gerade schöne Menschen für weniger schöne entscheiden sollten. Angeblich geht es doch um Liebe, nicht wahr? Aber gerade da suchen sie sich ihre Partner mit dem Rechenschieber. Und darum versucht es zum Beispiel jeder Mann zunächst einmal bei mir: Zuerst die Schönste, sagt er sich, und erst, wenn die nein sagt, versuch' ich's eine Stufe tiefer. Und so verknallt er sich dann wieder und wieder, schraubt seine Bedingungen mehr und mehr zurück und bricht sich bei dieser Talfahrt ein Dutzend Mal das Herz. Bis er endlich eine findet, die seine Gefühle erwidert. Und warum tut sie das?

Weil sie aussehensmäßig auf demselben Niveau ist wie er selbst. Schau sie dir doch an, die Paare! Keiner attraktiver als der andere: Sie passen so genau zusammen, als hätte man sie in einem Katalog füreinander ausgesucht. Wenn der Mann ein Mondgesicht ist, hat seine Frau dafür eine riesige Nase. Wenn sie kurze Beine hat, hat er zum Ausgleich einen schmächtigen Brustkorb. Dieses Gesetz wird nur durchbrochen, wenn einer reich oder berühmt wird. Dann kriegt er endlich die hübsche, junge Blondine, die er eigentlich von Anfang an wollte. Und darum versuchen sie alle, reich oder berühmt zu werden, verstehst du?«

Sie nahm einen Schluck von ihrem Bordeaux: »Carlitos, verstehst du, was ich meine? Ich habe mir schon in deinem Alter geschworen, dass ich gerade in diese Falle nicht tappen werde. Kein reicher Mann, kein berühmter und keiner von denen, die sie gutaussehend nennen. Ich finde, dass ein schöner Mensch die moralische Pflicht hat, sich für einen weniger schönen zu entscheiden. Schönheit ist heute so viel wert wie Reichtum, weil du dir damit jeden kaufen kannst. Und so, wie ein Dollarmillionär verpflichtet wäre, sein Geld mit den Armen zu teilen, hätte ein Millionär in Schönheit die Pflicht, sich zunächst einmal einem weniger Schönen anzubieten. Eine gutaussehende Frau, die einen gutaussehenden Mann heiratet, ist eine reaktionäre Kuh.«

»Dann hätte eine wie Jackie Kennedy einen wie Richard Nixon nehmen sollen?«

»Absolument!«

So viel zu Mademoiselles Liebesmathematik. Sie hatte sich richtiggehend in Begeisterung geredet - ein Karl Marx des Heiratsmarkts. Übrigens sprach sie von ihrer Schönheit ohne jede Koketterie. So wie einer einen Börsenkurs kommentiert oder eine unheilbare Krankheit. Und sie zitierte auch keinen der verlogenen Sätze, mit denen sich die übrigen Schönen so gern bei den anderen entschuldigen: dass die Schönheit im Auge des Betrachters liege, jeder Mensch eine eigene Art Schönheit besitze und wahre Schönheit ohnehin von innen komme. Fü

Titel
Die sieben Feuer von Mademoiselle
EAN
9783957511430
Format
E-Book (epub)
Hersteller
Herausgeber
Veröffentlichung
29.04.2016
Digitaler Kopierschutz
Wasserzeichen
Dateigrösse
1.6 MB
Anzahl Seiten
155
Features
Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet
Auflage
Überarbeitete Neuausgabe
Lesemotiv