Georg M. Oswald, geboren 1963, arbeitet seit 1994 als Rechtsanwalt in München. Seine Romane und Erzählungen zeigen ihn als gesellschaftskritischen Schriftsteller, sein erfolgreichster Roman 'Alles was zählt', ist mit dem International Prize ausgezeichnet und in zehn Sprachen übersetzt worden. Zuletzt erschienen von ihm der Roman 'Vom Geist der Gesetze' und der Band 'Wie war dein Tag, Schatz?'.
Gerechtigkeit ist etwas für Schwächlinge.
»Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand«, sagt ein Sprichwort, und doch will ein jeder seine Geschicke selbst lenken. Da ist der ebenso eingebildete wie brillante Strafverteidiger Georg Heckler. Da ist eine Anwältin, seine Frau, der übel mitgespielt wird, die sich jedoch zu wehren weiß. Und da sind: der melancholische Provinzpolitiker Schellenbaum und der erfolglose Drehbuchautor Ladislav Richter, der unter Schreibhemmung leidet. Als er vor Schellenbaums silbernen BMW gerät, der nicht schnell genug bremsen kann, führt dieser kleine Unfall sie alle vor die Schranken des Gerichts.
Mit feiner Ironie erzählt Georg Oswald in seinem schillernden Milieuroman von Menschen, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten.
Autorentext
Georg M. Oswald, geboren 1963, arbeitet seit 1994 als Rechtsanwalt in München. Seine Romane und Erzählungen zeigen ihn als gesellschaftskritischen Schriftsteller, sein erfolgreichster Roman "Alles was zählt", ist mit dem International Prize ausgezeichnet und in zehn Sprachen übersetzt worden. Zuletzt erschienen von ihm der Roman "Vom Geist der Gesetze" und der Band "Wie war dein Tag, Schatz?".
Klappentext
Gerechtigkeit ist etwas für Schwächlinge. »Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand«, sagt ein Sprichwort, und doch will ein jeder seine Geschicke selbst lenken. Da ist der ebenso eingebildete wie brillante Strafverteidiger Georg Heckler. Da ist eine Anwältin, seine Frau, der übel mitgespielt wird, die sich jedoch zu wehren weiß. Und da sind: der melancholische Provinzpolitiker Schellenbaum und der erfolglose Drehbuchautor Ladislav Richter, der unter Schreibhemmung leidet. Als er vor Schellenbaums silbernen BMW gerät, der nicht schnell genug bremsen kann, führt dieser kleine Unfall sie alle vor die Schranken des Gerichts. Mit feiner Ironie erzählt Georg Oswald in seinem schillernden Milieuroman von Menschen, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten.
Zusammenfassung
Gerechtigkeit ist etwas für Schwächlinge.»Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand«, sagt ein Sprichwort, und doch will ein jeder seine Geschicke selbst lenken. Da ist der ebenso eingebildete wie brillante Strafverteidiger Georg Heckler. Da ist eine Anwältin, seine Frau, der übel mitgespielt wird, die sich jedoch zu wehren weiß. Und da sind: der melancholische Provinzpolitiker Schellenbaum und der erfolglose Drehbuchautor Ladislav Richter, der unter Schreibhemmung leidet. Als er vor Schellenbaums silbernen BMW gerät, der nicht schnell genug bremsen kann, führt dieser kleine Unfall sie alle vor die Schranken des Gerichts.Mit feiner Ironie erzählt Georg Oswald in seinem schillernden Milieuroman von Menschen, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten.
Leseprobe
1.
Wie auf die Bühne einer Verwechslungskomödie führten zwei Türen in Ludwig Hecklers Büro.
Durch die eine gelangte man zu einem gläsernen Besprechungstisch mit zwölf Stühlen aus Chrom und Leder im hinteren Teil des Raumes. Trat man durch die andere, stand man vor einem gewaltigen Schreibtisch aus dunklem Holz und Stahl, an dem, mindestens sechzig Stunden die Woche, Dr. Ludwig Heckler, LLM (Harvard), Seniorpartner der Kanzlei »Heckler Rechtsanwälte« saß. Ein hölzernes Schildchen, das er zum viele Jahre zurückliegenden Abschluss seines amerikanischen Studienjahres bekommen hatte, stand vor ihm und vermeldete in goldenen Lettern auf schwarzem Grund seinen Namen, seine Titel. Ein kleiner Scherz auf Kosten seiner Besucher, denn jeder, der die Erlaubnis erhielt, in diesem Zimmer vor ihn hinzutreten, wusste nur zu gut, wen er vor sich hatte und dass tausend Euro pro Stunde der Preis waren, mit ihm zu sprechen.
Das war nicht zu viel, immerhin war er einer der großen Strafverteidiger des Landes. Keiner, dessen Name beinahe jede Woche in den Boulevardzeitungen genannt wurde, weil er sich mit Vorliebe jenen Angeklagten angedient hätte, die wegen besonders grausiger Taten vor Gericht standen. Bereits überführte, aber noch nicht abgeurteilte Räuber, Vergewaltiger, Mörder benötigten Fürsprecher, welche die Dreistigkeit besaßen, auch angesichts einer überwältigenden Beweislage effektvoll von der Unschuld ihrer Mandanten zu sprechen, von deren Nöten, deren Menschenrechten. In ihrer Unverfrorenheit ähnelten sie darin nicht selten den Verbrechern, die sie vertraten. Heckler hingegen war der Anwalt jener, die beabsichtigten, ihre Namen, die zumeist Gold wert waren, aus den Medien und überhaupt aus jedem Zusammenhang, den sie nicht selbst hergestellt hatten, herauszuhalten. Auch solche Leute konnten nicht immer verhindern, dass sich die Strafjustiz mit ihnen befasste. Dann war ihnen daran gelegen, einen Advokaten zu bestellen, der wusste, dass ein geschickter und diskreter Handel besser vergolten wurde als ein flammendes Plädoyer. Wer Ludwig Heckler beauftragte, war nicht überführt noch geständig, sondern wollte lediglich ein bedauerliches Missverständnis durch ihn ausräumen lassen. Die angebliche schwere Körperverletzung eines Fotografen durch einen Hochadeligen, die nie bewiesene Trunkenheitsfahrt eines Vorstandsvorsitzenden, die fälschlich behauptete Steuerhinterziehung durch einen Filmstar, der haltlose Vorwurf der Beihilfe zur Geldwäsche gegen einen Aufsichtsrat waren sein Metier.
Ludwig Heckler war von mittlerer Größe, eine schlanke und feine Erscheinung, anders als viele seiner Berufskollegen beeindruckte er nicht durch Wucht, sondern durch Vornehmheit. Sein Kopf war bis auf einen schmalen Kranz kurzgeschorener dunkelgrauer Haare kahl, doch wohlgebräunt. Wann immer es ihm möglich war, besuchte er am Wochenende seine Finca auf Mallorca, wo er Oliven anbaute, aus denen er köstliches Öl herstellte, flog freitagabends hin, sonntagabends wieder zurück, oft mit Frutado oder Dulce aus eigener Produktion im Gepäck, das er verschenkte oder für spektakuläre Kreationen in der Küche verwendete, denn er war ein exzellenter Koch. Wenn er für Mallorca keine Zeit hatte, legte er sich im Fitnessraum seines Hauses in Neuhausen auf die Sonnenbank, aber nicht so oft, dass die Gleichmäßigkeit seiner Bräune ihre künstliche Ursache je verraten konnte.
Der Oktober brachte unvermutet noch einmal Sonnenschein, und trotz der herbstlichen Kühle der Luft sorgte er für eine letzte Erinnerung an den Sommer, der eigentlich schon seit einem Monat zu Ende war. Heckler trug passend zur Jahreszeit einen schokoladenbraunen Anzug aus feiner, seidiger Schurwolle, ein kleinkariertes, rot-weißes Hemd und eine rotbraune Krawatte mit Gelbtönen darin, dazu milchkaffeebraune Slipper. Er saß in orthopädisch vorbildlich aufrechter Haltung an sein…