Bernhard Scheichelbauer, langjähriger Großmeister der Großloge von Österreich, sowie Gustav Kuéss, langjähriger Großbibliothekar, beleuchten den historischen Hintergrund zur österreichischen Bruderkette. Ein unerläßliches Werk für den Interessierten sowie für den Bruder Freimaurer.

Bernhard Scheichelbauer war von 1948 bis 1960 Großmeister der Großloge von Österreich, Gustav Kuéss hatte die Position des Großbibliothekars der österreichischen Freimaurerloge inne.

Autorentext

Bernhard Scheichelbauer war von 1948 bis 1960 Großmeister der Großloge von Österreich, Gustav Kuéss hatte die Position des Großbibliothekars der österreichischen Freimaurerloge inne.



Zusammenfassung
Bernhard Scheichelbauer, langjahriger Gromeister der Grologe von Osterreich, sowie Gustav Kuess, langjahriger Grobibliothekar, beleuchten den historischen Hintergrund zur osterreichischen Bruderkette. Ein unerlaliches Werk fur den Interessierten sowie fur den Bruder Freimaurer.

Leseprobe
II.

IM KAISERTUM ÖSTERREICH

Freimaurerei und französische Revolution

Es sei ein kurzer Seitenblick auf die Freimaurerei in Frankreich gestattet, weil die Gegner sie für die große Revolution verantwortlich machen und mit dieser Unwahrheit auch in Österreich operieren.

Zu einer Zeit, als in England die wissenschaftlichen Theorien der Aufklärer die Köpfe erhitzten, lebte Frankreich noch unter dem schärfsten Absolutismus, der in dem Worte Ludwigs XIV.: "Un roi, une foi, une loi" zum Ausdruck kam, einem Worte, das im "Dritten Reich" in dem Ruf: "Ein Volk, ein Reich, ein Führer" Auferstehung feierte. Die Lage der unteren Stände war so, daß Bischof Fenelon erklärte: " .... unser Volk führt kein menschliches Dasein, das Übermaß der Heimsuchung ist so groß, daß die Geduld reißen wird."

Kein Wunder also, daß die englischen Ideen trotz aller Unterdrückungsmaßnahmen in zahlreichen Logen Heimstatt fanden, mit ihnen allerdings auch alle Abirrungen, die für die Zeit bis Joseph II. für Österreich geschildert wurden. Nur bediente sich dieser aufgeklärte Herrscher der Freimaurer als Ratgeber und ersparte im Wege von Reformen seinen Ländern die blutigen Ereignisse, zu denen es später anderswo kam. Mit der Berufung des Herzogs von Luxemburg gab es auch in Frankreich eine gründliche Reformation der Freimaurerei. Sie erhielt von ihm, der zu ihrem Generaladministrator bestellt worden war, eine neue Verfassung, deren neue Prinzipien im größeren Rahmen im positiven Werk der Revolution sich wiederfinden. 1775 wurde z. B. ein Gedanke ausgesprochen, der 16 Jahre später in der "Deklaration der Menschenrechte" zu lesen war: "Das Gesetz ist der Ausdruck des Willens der Allgemeinheit."

Das heißt aber nicht, daß die sich vorbereitende Revolution einer freimaurerischen Verschwörung entsprang. Alle ernsthaften Untersuchungen, die darüber angestellt wurden, sind durchaus negativ verlaufen. Es war in den Logen keine Rede davon, die Monarchie beseitigen zu wollen. Man wollte nur neueren und schöneren Grundsätzen zum Durchbruch verhelfen. Die Brüder glaubten an eine Reformation auf konstitutionellem Wege. Sie waren royalistisch, nicht republikanisch gesinnt. Nichts ist törichter, als zu glauben, daß man an eine Tötung des Königs gedacht hätte. Joseph de Maistre erklärte 1793 in seinem "Memoire a Vignet des Etoiles", daß es wohl auch revolutionäre Freimaurer und selbst einzelne Logen gegeben haben möge, die mehrheitlich revolutionär zusammengesetzt waren, daß aber die Freimaurerei als solche an den blutigen Geschehnissen ganz unschuldig sei. Die revolutionäre Propaganda habe umgekehrt einen zerstörenden Einfluß auf die Freimaurerei ausgeübt. Diese Feststellung eines bedeutenden Katholiken bestätigte am 7. Oktober 1789 der berühmte Mounier, Präsident der Konstituante, ein Nichtfreimaurer, mit den Worten: "Wenn die Regierungen die Finanzen ruinieren, die Armeen unzufrieden machen, alle Teile der Verwaltung in Unordnung bringen und dann eine große Zahl Volksvertreter zusammenrufen und ihre Unterstützung erbitten, dann sind Revolutionen unvermeidlich, auch wenn es keinen einzigen Freimaurer auf der Welt gäbe."

Die Freimaurerei hat nichts unternommen, die Revolution zu organisieren. Konnte es ihrer Zusammensetzung, ihrer Doktrin, ihrer Gliederung nach auch garnicht tun. Sie hat Frankreich die These von der Einheit des Menschengeschlechtes gegeben. Sie formulierte, von Franklin und Lafayette unterwiesen, die Menschen- und Bürgerrechte. In ihrem Schoße erwuchsen die "Ideen von 1789", die auch ein Kant, der kein Freimaurer war, ausgesprochen hat. Was 1791 folgte, hatte nichts mehr mit diesen zu tun, stand im denkbar schärfsten Gegensatz zu allen freimaurerischen Idealen, war eine entsetzliche Verdrehung der Absichten, von denen zu Beginn der Revolution die Männer der Generalstände geleitet waren.

Eine weitere Verteidigung der Freimaurer, deren Ideen mißbraucht wurden, erübrigt sich a
Titel
200 Jahre Freimaurerei in Österreich
Untertitel
Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet
EAN
9783706557849
Format
E-Book (epub)
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Herausgeber
Digitaler Kopierschutz
Wasserzeichen
Dateigrösse
1.7 MB
Anzahl Seiten
334
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