Sina hat einen Freund und ist total verliebt. Nur manchmal gibt ihr Yannis Rätsel auf: Warum dürfen Jungs mehr als Mädchen? Was ist ein 'Männerabend'? Wieso glauben viele immer noch, Frauen gehören an den Herd und Mädchen können kein Mathe? Bevor Sina vor Empörung platzt, beschließt sie, Jungs-Forscherin zu werden. Kann ja wohl nicht sein, dass die immer alles besser wissen!
Ilona Einwohlt wollte eigentlich Ernährungswissenschaftlerin werden. Aber dann las sie mitten in der Chemievorlesung Simone de Beauvoir, Julio Cortázar und Thomas Mann - und widmete sich fortan der Literatur. Längst ist aus der Germanistikstudentin eine erfolgreiche Autorin insbesondere für Kinder und Jugendliche geworden. In ihren Romanen geht es immer um aktuelle Themen mitten aus dem Leben, denn mit Interesse, Kritik und Leidenschaft verfolgt sie die gesellschaftlichen Entwicklungen der Zeit. Ilona Einwohlt, Jahrgang 1968, lebt mit ihrer Familie in Darmstadt.
Die Autorin ist als Bildungsreferentin für das Institut für Medienpädagogik und Kommunikation Hessen e.V (MuK) regelmäßig mit Workshops und Vorträgen unterwegs, insbesondere zu Themen wie 'Rollenklischees und Sexismus in den Medien' und 'Digitale Identitäten'. Für das Projekt 'Haus der digitalen Medienbildung' führt sie zudem Veranstaltungen und Beratungen für Eltern und Jugendliche in Darmstadt durch.
Autorentext
Ilona Einwohlt wollte eigentlich Ernährungswissenschaftlerin werden. Aber dann las sie mitten in der Chemievorlesung Simone de Beauvoir, Julio Cortázar und Thomas Mann - und widmete sich fortan der Literatur. Längst ist aus der Germanistikstudentin eine erfolgreiche Autorin insbesondere für Kinder und Jugendliche geworden. Ilona Einwohlt, Jahrgang 1968, lebt mit ihrer Familie in Darmstadt. Die Autorin ist als Bildungsreferentin für das Institut für Medienpädagogik und Kommunikation Hessen e.V (MuK) regelmäßig mit Workshops und Vorträgen unterwegs, insbesondere zu Themen wie "Rollenklischees und Sexismus in den Medien" und "Digitale Identitäten". Für das Projekt "Haus der digitalen Medienbildung" führt sie zudem Veranstaltungen und Beratungen für Eltern und Jugendliche in Darmstadt durch.
Leseprobe
ZWEITES KAPITEL,
IN DEM SINA ÜBER DIE ERSTEN MÄNNER IN IHREM LEBEN NACHDENKT
Mein Papa und ich
Etwas Schreckliches ist passiert: Leon ist auf dem Nachhauseweg von einem Auto angefahren worden. Jetzt liegt er mit etlichen Knochenbrüchen und -prellungen im Krankenhaus, es besteht Verdacht auf einen Schädelbasisbruch. Meine Eltern sind natürlich außer sich vor Sorge, Mama weicht nicht von Leons Seite und Papa redet mit einem Arzt nach dem anderen. Und auch ich mache mir große Gedanken um den Stinker.
Großer Schwesterschwur:Wenn Leon wieder gesund hier ist, werde ich ihm nie mehr wieder das Nutellabrötchen klauen!
Yannis, von dem ich mich sofort nach der Unglücksnachricht trösten lassen wollte, hat nur abgewunken."Mach dir keine Gedanken, der überlebt das schon." Typisch Junge, oder? Immer einen auf coolen Kerl machen und bloß nicht zugeben, dass sie auch einen Kloß im Hals haben, wenn sie an den kleinen verletzten Kerl denken. Aber wehe, sie haben selbst mal einen Kratzer ...
"Leon hat eh immer a Massl", meint Ösi. "Mach dir keine Sorgen."
"Na, hoffentlich ist er bis zu eurem Italienurlaub wieder fit", meint auch Irene lapidar. "Wie ich Leon kenne, steckt er das gut weg und schikaniert morgen wieder deine Mutter."
"Hoffentlich", antworte ich und trinke dankbar die selbst gemachte Zitronenlimo, die sie mir soeben hingestellt hat. Weil Mama über Nacht im Krankenhaus bleibt, hat Irene kurzerhand die Haushaltsführung übernommen, dabei bin ich längst kein Baby mehr und kann selbst Spaghetti kochen! Aber ich genieße es dann doch, mit ihr gemeinsam Erdbeertörtchen zu backen und von ihr eine Eins-a-Fußreflexzonenmassage zu bekommen.
Als Papa am Abend mit müden Augen nach Hause kommt, setzt er jedoch Irene mit klaren Worten vor die Tür. "Das ist ja sehr nett von dir, liebe Schwägerin, aber Sina und ich kommen schon alleine zurecht. Außerdem kann Sina bei der Gelegenheit schon mal lernen, was es heißt, eine Familie zu versorgen." Woraufhin nicht nur Irene mit den Augen rollt.
"Leon geht es den Umständen entsprechend gut, sein Zustand ist stabil", berichtet Papa dann. "Er ist mit einer schweren Gehirnerschütterung und einem gebrochenen Arm davongekommen. Wenn alles gut läuft, ist er zum Wochenende wieder zu Hause - und deine Mutter auch." Er zwinkert mir zu. "Und bis dahin machen wir beide es uns eben hier gemütlich, wirst schon sehen." Mit diesen Worten schnappt er sich eine Pulle Bier und ist für den restlichen Abend nicht mehr ansprechbar, obwohl ich noch tausend Leon-Fragen hätte und Oma Doris vor Sorge drei Mal hintereinander anruft.
Als ich am nächsten Morgen gegen die Mittagszeit - FERIEN!!! KEIN MAMA-STAUBSAUGER!!! - runter in die Küche schlappe, um in aller Seelenruhe mein Ferienfrühstück zu schlemmen, trifft mich beinahe der Schlag: Auf dem Tisch liegt neben dem krümeligen Frühstücksgeschirr ein Zettel, auf dem Papa akkurat eine To-do-Liste für mich hinterlassen hat.
"Ich habe Ferien, spinnt der?", platzt es aus mir heraus. Wie kommt mein ansonsten emanzipierter Vater auf so eine spinnerte Steinzeit-Idee? Okay, natürlich, die Fenster-Aktion hat Mama wegen Leons Unfall abbrechen müssen, jetzt sind die Gardinen abgehängt und die Fensterbretter leer geräumt. Und klar, Leons Zimmer aufräumen, damit der kleine Kamikazepilot sich bei seiner Heimkehr wohlfühlt, kann ich auch machen. Aber gleich eine solche Liste??? Und überhaupt: Kann der vielleicht sein Frühstücksgeschirr bitte selbst in die Spülmaschine räumen? Und den Biomüll hätte er doch gleich mit rausnehmen können ...
Ich gieße mir auf den Schock hin erst mal ein Glas Orangensaft ein. Vor lauter Empörung würde ich am liebsten meine Mutter anrufen, aber die darf ja im Krankenhaus ihr Handy nicht anhaben. Also rufe ich Milli an, die sich noch total verschlafe