Kurz vor ihrem 16. Geburtstag hat Amélie einiges zu tun: Das letzte Schuljahr in der Unterstufe gut abschließen, einen Nebenjob finden, Umzugskisten packen. Ihre Mutter und deren Freund wollen endlich zusammenziehen und haben ein Haus gekauft. Doch Amélie fällt der Abschied schwer. Außerdem steht ein Campingurlaub mit ihren Großeltern an. Camping! Gefährliche Tiere, keine Internetverbindung, riesige Spinnen ... Immerhin entkommt sie so für einige Zeit dem neuen Haus, in dem sie eigentlich gar nicht leben möchte. Und hübsche Jungs gibt es auf dem Campingplatz auch. Wenn nur nicht immer noch Nicolas durch ihre Gedanken spuken würde ...
Leseprobe
Samstag, 5. Mai
G anz ruhig. Keine Panik. So spät bin ich gar nicht. Und es ist schließlich nicht meine Schuld, wenn mein Wecker so unglaublich leise klingelt, dass ich ihn nicht höre. O. k., ich geb's zu, die Lautstärke ist normal. Aber anscheinend habe ich mich mit der Zeit an sein Klingeln gewöhnt und jetzt weckt er mich, äh, weniger . Vor allem am Wochenende. Mein Körper ist darauf konditioniert, am Wochenende zu schlafen. Und wenn mein Wecker am Wochenende zu einer unmenschlichen Uhrzeit klingelt (also viel zu früh, so wie heute), denkt mein Körper trotz des anhaltenden Piepens, dass er weiterschlafen kann (das liegt an einer bestimmten Art der Intelligenz, die man, glaube ich, physisch nennt - noch mal im medizinischen Lexikon nachschlagen ...).
Unter anderen Umständen wäre es von Vorteil, dass mein Körper den Wecker einfach ignoriert. Immerhin ist das eine Reaktion, die er durch jahrelanges Training entwickelt hat. Zum Beispiel an Tagen, an denen ich den Wecker versehentlich gestellt hatte, obwohl gar keine Schule war. Aber heute darf ich auf keinen Fall zu spät kommen.
Ein Glück, dass es Sybil gibt! Ich habe es nur meiner Katze zu verdanken, dass ich doch noch aufgewacht bin. Sie hat mein Gesicht mit Küsschen bedeckt und mich so aus dem Tiefschlaf geholt, in dem ich träumte, dass mein Wecker klingelte und ich mich total ärgerte (jaja, ich weiß, mein Gehirn ist nicht gerade originell).
Ich habe heute ein Vorstellungsgespräch. Für einen Job. (Und nicht etwa für ein Hollywoodcasting, da ich leider kein Filmstar bin.)
Nicht dass ich so scharf darauf wäre, zu arbeiten. Meine Mutter hat mich gezwungen.
Im Großen und Ganzen hatte sie das gleiche Argument wie immer: Ich soll mehr Verantwortungsgefühl entwickeln. (Das Argument ist langsam überstrapaziert. Neulich ist sie mir sogar damit gekommen, als ich den Küchenschrank offen ließ, nachdem ich meine Cornflakes rausgeholt hatte ... tsss). Es folgte ein großer Krach mit Türenknallen, Versöhnung und meinem Versprechen, dass ich versuchen würde, mir einen Job zu suchen. (Meine Mutter gewinnt einfach immer, weil sie eine erstklassige Manipulatorin ist. Und da sie im Marketing arbeitet, schafft sie es jedes Mal, mir irgendwelche Vorteile vorzuspiegeln. In diesem Fall hat sie behauptet, dass ein Job mich unabhängiger machen würde und ich mir endlich die Sachen kaufen könnte, die ich unbedingt haben will, die sie aber überflüssig findet, zum Beispiel den Rock von Volcom, in den ich mich neulich verliebt habe.)
Und heute habe ich um 9:45 ein Vorstellungsgespräch in einem Sandwichrestaurant.
Wenn ich in einem Sandwichrestaurant arbeite, könnte das der neue Treffpunkt meiner Clique werden. Meine Freunde könnten vorbeikommen und, na ja, Sandwiches essen und mich unterhalten, während ich die Theke putze oder so. Mein Chef würde es bestimmt super finden, dass ich neue Kundschaft anwerbe.
Meine beste Freundin Kat würde mich oft besuchen. Sie würde mich beim Schuften anfeuern und mir den neuesten Klatsch erzählen. Ihr Freund Jean-Félix würde nach seinem Karatetraining dazustoßen. Sie würde ihn wegen seines Karateanzugs auslachen und dann würden sie sich an einen Tisch in einer Ecke verziehen, um zu schmusen. (Bäääääh! Schmusen, was für ein ekliges Wort! Aber so nennt man das wohl, wenn Verliebte aneinanderkleben und die Pfoten nicht voneinander lassen können.) Und dann würde noch Tommy kommen, mein zukünftiger Ex-Nachbar-und-bester-Kumpel, ich würde mit dem Kinn auf Kat und Jean-Félix zeigen und wir würden kichern und uns hinter ihrem Rücken über sie lustig machen.
Was für ein herrliches Leben!
Dieser Job wäre echt perfekt für mich!
Vermerk an mich selbst: Diese Begründung lieber nicht im Vorstellungsgespräch bringen.
9:35
Schnell, schnell! Jacke an und los!
Offen gestanden hilft mir die
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Samstag, 5. Mai
G anz ruhig. Keine Panik. So spät bin ich gar nicht. Und es ist schließlich nicht meine Schuld, wenn mein Wecker so unglaublich leise klingelt, dass ich ihn nicht höre. O. k., ich geb's zu, die Lautstärke ist normal. Aber anscheinend habe ich mich mit der Zeit an sein Klingeln gewöhnt und jetzt weckt er mich, äh, weniger . Vor allem am Wochenende. Mein Körper ist darauf konditioniert, am Wochenende zu schlafen. Und wenn mein Wecker am Wochenende zu einer unmenschlichen Uhrzeit klingelt (also viel zu früh, so wie heute), denkt mein Körper trotz des anhaltenden Piepens, dass er weiterschlafen kann (das liegt an einer bestimmten Art der Intelligenz, die man, glaube ich, physisch nennt - noch mal im medizinischen Lexikon nachschlagen ...).
Unter anderen Umständen wäre es von Vorteil, dass mein Körper den Wecker einfach ignoriert. Immerhin ist das eine Reaktion, die er durch jahrelanges Training entwickelt hat. Zum Beispiel an Tagen, an denen ich den Wecker versehentlich gestellt hatte, obwohl gar keine Schule war. Aber heute darf ich auf keinen Fall zu spät kommen.
Ein Glück, dass es Sybil gibt! Ich habe es nur meiner Katze zu verdanken, dass ich doch noch aufgewacht bin. Sie hat mein Gesicht mit Küsschen bedeckt und mich so aus dem Tiefschlaf geholt, in dem ich träumte, dass mein Wecker klingelte und ich mich total ärgerte (jaja, ich weiß, mein Gehirn ist nicht gerade originell).
Ich habe heute ein Vorstellungsgespräch. Für einen Job. (Und nicht etwa für ein Hollywoodcasting, da ich leider kein Filmstar bin.)
Nicht dass ich so scharf darauf wäre, zu arbeiten. Meine Mutter hat mich gezwungen.
Im Großen und Ganzen hatte sie das gleiche Argument wie immer: Ich soll mehr Verantwortungsgefühl entwickeln. (Das Argument ist langsam überstrapaziert. Neulich ist sie mir sogar damit gekommen, als ich den Küchenschrank offen ließ, nachdem ich meine Cornflakes rausgeholt hatte ... tsss). Es folgte ein großer Krach mit Türenknallen, Versöhnung und meinem Versprechen, dass ich versuchen würde, mir einen Job zu suchen. (Meine Mutter gewinnt einfach immer, weil sie eine erstklassige Manipulatorin ist. Und da sie im Marketing arbeitet, schafft sie es jedes Mal, mir irgendwelche Vorteile vorzuspiegeln. In diesem Fall hat sie behauptet, dass ein Job mich unabhängiger machen würde und ich mir endlich die Sachen kaufen könnte, die ich unbedingt haben will, die sie aber überflüssig findet, zum Beispiel den Rock von Volcom, in den ich mich neulich verliebt habe.)
Und heute habe ich um 9:45 ein Vorstellungsgespräch in einem Sandwichrestaurant.
Wenn ich in einem Sandwichrestaurant arbeite, könnte das der neue Treffpunkt meiner Clique werden. Meine Freunde könnten vorbeikommen und, na ja, Sandwiches essen und mich unterhalten, während ich die Theke putze oder so. Mein Chef würde es bestimmt super finden, dass ich neue Kundschaft anwerbe.
Meine beste Freundin Kat würde mich oft besuchen. Sie würde mich beim Schuften anfeuern und mir den neuesten Klatsch erzählen. Ihr Freund Jean-Félix würde nach seinem Karatetraining dazustoßen. Sie würde ihn wegen seines Karateanzugs auslachen und dann würden sie sich an einen Tisch in einer Ecke verziehen, um zu schmusen. (Bäääääh! Schmusen, was für ein ekliges Wort! Aber so nennt man das wohl, wenn Verliebte aneinanderkleben und die Pfoten nicht voneinander lassen können.) Und dann würde noch Tommy kommen, mein zukünftiger Ex-Nachbar-und-bester-Kumpel, ich würde mit dem Kinn auf Kat und Jean-Félix zeigen und wir würden kichern und uns hinter ihrem Rücken über sie lustig machen.
Was für ein herrliches Leben!
Dieser Job wäre echt perfekt für mich!
Vermerk an mich selbst: Diese Begründung lieber nicht im Vorstellungsgespräch bringen.
9:35
Schnell, schnell! Jacke an und los!
Offen gestanden hilft mir die
Titel
Das verdrehte Leben der Amélie, 6, Camping, Chaos & ein Kuss
Autor
Illustrator
EAN
9783440150108
Format
E-Book (epub)
Altersempfehlung
11 bis 15 Jahre
Hersteller
Herausgeber
Genre
Digitaler Kopierschutz
Wasserzeichen
Dateigrösse
4.44 MB
Anzahl Seiten
352
Features
Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet
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