Irene Rodrian, 1937 in Berlin geboren, erhielt für ihren Roman 'Tod in St. Pauli' 1967 den begehrten Edgar-Wallace-Preis. Seither hat sie sich mit zahlreichen Bestsellern in einer Gesamtauflage von mehreren Millionen und als Drehbuchautorin (Tatort, Ein Fall für Zwei) einen Namen gemacht. Irene Rodrian lebt heute in München. Bei dotbooks erschienen bereits Irene Rodrians Barcelona-Krimis über das Ermittlerinnen-Team Llimona 5 ('Meines Bruders Mörderin', 'Im Bann des Tigers', 'Eisiges Schweigen', 'Ein letztes Lächeln') sowie die Reihe 'Krimi-Klassiker', die folgende Bände umfasst: 'Tod in St. Pauli' 'Bis morgen, Mörder' 'Wer barfuß über Scherben geht' 'Finderlohn' 'Küsschen für den Totengräber' 'Die netten Mörder von Schwabing' 'Ein bisschen Föhn und du bist tot' 'Du lebst auf Zeit am Zuckerhut' 'Der Tod hat hitzefrei' '... trägt Anstaltskleidung und ist bewaffnet' 'Das Mädchen mit dem Engelsgesicht' 'Vielliebchen' 'Handgreiflich' 'Schlagschatten' 'Über die Klippen' 'Bei geschlossenen Vorhängen' Die Autorin im Internet: www.irenerodrian.de und www.llimona5.com
Autorentext
Irene Rodrian, 1937 in Berlin geboren, wurde u. a. mit dem Edgar-Wallace-Preis für ihren Krimi »Tod in St. Pauli« und dem Glauser Ehrenpreis für ihr Gesamtwerk ausgezeichnet. Seither hat sie sich mit zahlreichen Bestsellern in einer Gesamtauflage von über zwei Millionen und als Drehbuchautorin (»Tatort«, »Ein Fall für Zwei«) einen Namen gemacht. Irene Rodrian lebt heute in München. Bei dotbooks erschienen bereits Irene Rodrians Barcelona-Krimis über das Ermittlerinnen-Team Llimona 5 »Schöner sterben in Barcelona«, »Das dunkle Netz von Barcelona«, »Eisiges Schweigen« und »Ein letztes Lächeln« sowie die Reihe »Krimi-Klassiker«, die folgende Bände umfasst: »Tod in St. Pauli«, »Bis morgen, Mörder«, »Wer barfuß über Scherben geht«, »Finderlohn«, »Küsschen für den Totengräber«, »Die netten Mörder von Schwabing«, »Ein bisschen Föhn und du bist tot«, »Du lebst auf Zeit am Zuckerhut«, »Der Tod hat hitzefrei«, »... trägt Anstaltskleidung und ist bewaffnet«, »Das Mädchen mit dem Engelsgesicht«, »Vielliebchen«, »Handgreiflich«, »Schlagschatten«, »Über die Klippen«, »Bei geschlossenen Vorhängen«, »Strandgrab« und »Friss, Vogel, oder stirb«. Die Webseiten der Autorin: irenerodrian.de und llimona5.com Die Autorin im Internet: facebook.com/irene.rodrian
Leseprobe
5
Es mußte inzwischen kurz vor zwölf sein, und noch immer war nichts passiert. Anita konnte sich kaum noch auf den Beinen halten. Ihr Bauch hatte wieder zu schmerzen angefangen, und der Rücken tat ihr so weh, als würde er im nächsten Moment auseinanderbrechen. Es mußte gleich Mittag geben; sie alle würden ins Haus getrieben werden, und irgendein Wärter würde den Wagen von der Gärtnerei abfertigen. Und die Chance wäre sinnlos vertan ... Es war schon egal, sie hielt es nicht mehr aus. Sie stand auf und streckte ihr Kreuz durch.
"Runter!"
Die Stimme kam automatisch, und Anita hockte sich automatisch wieder hin; aber die anderen waren auch müde, und vielleicht wäre nichts passiert, wenn sie stehengeblieben wäre. Und fast im gleichen Augenblick hörte sie das metallische Schnurren, mit dem das Stahltor aufglitt, und wußte, daß es doch noch nicht zu spät war. Sie zwang sich, nicht zurückzuschauen, jätete mit mechanischen Bewegungen weiter und lauschte auf das knatternde Motorengeräusch des auf den Hof fahrenden Lieferwagens.
Die beiden Wärter nahmen die Hacken an sich und gingen zu dem Wagen. Der Fahrer stieg aus und ging um den Wagen herum, um die Rückklappe herunterzulassen. Er war etwa 40, 45 Jahre alt, untersetzt, hatte eine Stirnglatze und hinkte leicht. Er trug einen dicken, offenbar selbstgestrickten Rollkragenpullover und einen blauen Overall.
"Frischerde und Jungpflanzen", sagte er mit einer etwas heiseren Stimme und wuchteten den ersten Kasten aus dem Wagen.
Der Wärter nahm ihn ihm ab und stellte ihn an den Wegrand. Der Fahrer holte den zweiten; er schaute einmal zu den Frauen hinüber, dann arbeitete er weiter, ohne den Blick zu heben. Man konnte sehen, daß er es eilig hatte. Die Frauen hatten alle aufgehört zu arbeiten und glotzten zu dem Fahrer und dem Auto hin. Niemand beachtete sie.
Anita schob sich so unauffällig wie nur möglich zu dem Auto hin, brachte den Wagen zwischen sich und die anderen und wartete. Der Lieferwagen war klein, und anfangs hatte sie gedacht, daß ihr die kurze Zeit, die zum Abladen erforderlich war, nicht reichen würde. Aber jetzt erschien ihr die Zeit unendlich gedehnt, und sie spürte Müdigkeit in sich aufsteigen. Nicht die körperliche Müdigkeit von vorhin, sondern die Art von bleierner Schlappheit, die sie in den letzten Wochen schon fast als normal empfunden hatte und die sie dazu brachte, sich mit allem einverstanden zu fühlen, zufrieden zu sein, daß sie nichts aus eigener Initiative zu tun brauchte, daß alles für sie entschieden würde. Und das in einem Augenblick, in dem es auf den Sekundenbruchteil ankam, in dem sie präzise reagieren mußte ...
Der Wagen war leer, der Fahrer übergab eben den letzten Kasten. Anita handelte, ohne sich darüber Rechenschaft zu geben, ohne überhaupt zu merken, daß sie handelte. Sie schob sich vor, zog sich hoch und rollte sich mit einer weichen Bewegung in den Wagen hinein. Unter ihr lagen Holzlatten, neben ihr alte Säcke. Sie zog die Säcke mit einer einzigen Handbewegung über sich und bewegte sich nicht mehr.
Sie hatte nicht auf die anderen Frauen geachtet, hatte nur zu den Wärtern hingesehen und war ziemlich sicher, daß keiner von ihnen sie beobachtet hatte. Eine der anderen Frauen? Aber selbst wenn – waren sie so schnell, daß sie begreifen, daß sie etwas sagen konnten, bevor das Auto draußen war? Kaum. Soviel sie wußte, konnten nur zwei von ihnen artikuliert sprechen.
Aber sie konnte sich auch irren.
Ihr Körper verkrampfte sich. Die Latten unter ihrem Rücken drückten; eine Kante preßte sich genau gegen ihre Bandsche