Isabell May, geb. 1985 in Österreich, studierte Germanistik, Bibliothekswesen und einige Semester Journalismus und PR. Es vergeht kein Tag, an dem sie nicht schreibt: Schon als Kind hat sie begonnen, Kurzgeschichten und ganze Romane zu schreiben. Nach Close to you folgt nun ihr Fantasy-Debut bei ONE. Die Autorin lebt in der Nähe von Aachen.
Die verträumte Lelani wächst in einem kleinen Dorf im Königreich Vael auf. Schon immer spürt sie eine starke Verbindung zu den fünf magischen Monden, die nachts über ihr erstrahlen. Als sich an ihrem 18. Geburtstag das Amulett öffnet, das ihre Eltern ihr hinterlassen haben, steht Lelanis Welt auf einmal Kopf. Zusammen mit ihrem besten Freund Haze macht sie sich auf die Reise, ihre wahre Bestimmung zu erfüllen - und gerät in einen Strudel aus Gefühlen, Selbstfindung und dunkler Magie ...
Autorentext
Isabell May, geb. 1985 in Österreich, studierte Germanistik, Bibliothekswesen und einige Semester Journalismus und PR. Es vergeht kein Tag, an dem sie nicht schreibt: Schon als Kind hat sie begonnen, Kurzgeschichten und ganze Romane zu schreiben. Nach Close to you folgt nun ihr Fantasy-Debut bei ONE. Die Autorin lebt in der Nähe von Aachen.
Klappentext
Die verträumte Lelani wächst in einem Dorf nahe des Königreichs Vael auf. Schon immer spürt sie eine starke Verbindung zu den fünf magischen Monden, die nachts über ihr erstrahlen. Als sich an ihrem 18. Geburtstag das Amulett öffnet, das ihre Eltern ihr hinterlassen haben, steht Lelanis Welt auf einmal Kopf. Zusammen mit ihrem besten Freund Haze macht sie sich auf die Reise, ihre wahre Bestimmung zu erfüllen - und gerät in einen Strudel aus Gefühlen, Selbstfindung und dunkler Magie ...
Leseprobe
Kapitel 1
Dämmerkatze
Das Mondlicht tauchte meine Haut in flüssiges Silber. Es rief nach mir, zog mich an unsichtbaren Fäden, und ich wehrte mich nicht gegen seinen Sog.
In Nächten, in denen die Monde so hoch am Himmel standen, war an Schlaf nicht zu denken. Ich schwang die Beine aus dem Bett, mit wenigen Schritten war ich am Fenster und kletterte auf den Sims. Tief atmete ich die Nachtluft ein, die nach Sommer und Freiheit schmeckte.
Meine Augen weiteten sich, als ich die fünf Monde sah: die Zwillingsmonde Lua und Mar wie immer nah beisammen, Lagan im Westen, Dalon im Osten, der große Umbra überstrahlte die anderen groß und bleich. Doch heute war etwas anders als sonst, der Nachthimmel hatte etwas Besonderes an sich. Das sah ich nicht nur, ich spürte es mit jeder Faser meines Körpers, wie ein seltsames Kribbeln, das mir keine Ruhe ließ. Eine Gänsehaut zog sich über meine Unterarme und meinen Nacken.
Beinahe standen die Monde in einer geraden Reihe, mit jedem vergehenden Augenblick näherten sie sich dieser perfekten Stellung weiter an. Nicht mehr lange, dann würden sie eine schnurgerade Linie am Nachthimmel bilden. Eine solche Konstellation hatte ich noch nie gesehen, und dass, obwohl ich jeden Abend in den Himmel starrte wie eine liebeskranke Wölfin, wie mein bester Freund Haze wenig schmeichelhaft zu sagen pflegte.
Ich wusste, ich sollte nachts nicht rausgehen. Ich sah förmlich Aphras hochgezogene Augenbrauen vor mir, wenn sie mich aufforderte, in der Hütte zu bleiben und zu schlafen wie jeder normale Mensch. Doch wie hätte ich das tun sollen, wenn die Monde nach mir riefen? Mein Körper handelte wie von selbst, als hätte ich keinen eigenen Willen mehr. Ich zog einen dicken, dunkelgrauen Wollumhang über mein Nachthemd, schlüpfte in weiche Lederstiefel, setzte mich aufs Fensterbrett, schwang die Beine hinaus und ließ mich sachte auf die Wiese fallen.
Das hohe Gras der Lichtung dämpfte meine Schritte, der kühle Nachtwind spielte mit meinen schwarzen Haaren und umfing mich wie eine Umarmung. Die Blumen des Tages hatten ihre Blüten längst geschlossen, aber die Finsterlilien blühten knochenweiß im Mondlicht und verströmten ihren betörend süßen Duft. Wie Sterne leuchteten sie aus der Wiese empor.
Mit raschen Schritten überquerte ich die Lichtung, auf der Aphras Holzhütte stand, und hielt auf den höchsten Baum zu, eine uralte Eiche.
Das Klettern fiel mir so leicht wie ein Spaziergang. Aus dem Stand sprang ich hoch, bekam den untersten Ast zu fassen, zog mich daran hoch und langte sofort mit der Hand nach dem nächsten. Instinktiv spürte ich, welche Äste stark genug waren, um mich zu tragen, und welche nachgeben würden, wenn ich mein Gewicht darauf verlagerte. Das Silberamulett, das ich schon mein ganzes Leben tagtäglich trug, klimperte leise an seiner feingeschmiedeten Kette hin und her. Der Wind fuhr raschelnd durch die Blätter und sang mir ein Lied, dessen Worte ich nicht verstand. Flink kletterte ich weiter, bis ich so hoch war, dass die Äste und Zweige bei jeder Bewegung schaukelten und schwankten. Hier suchte ich nach sicherem Halt, machte es mir gemütlich und schaute aus großen Augen zu den Monden, die ich noch nie so voll und leuchtend erlebt hatte.
Plötzlich merkte ich, dass ich nicht alleine war. Ich spürte seine Anwesenheit immer, noch bevor ich ihn sah - ich wusste einfach, dass er da war, so als änderte sich etwas in der Atmosphäre. Er trat aus dem Schatten der Bäume auf die Lichtung, blickte hoch zu mir, entdeckte mich zwischen den dichten Blättern sofort, und ein breites Grinsen trat auf sein Gesicht.
»Wenn ich dich nicht kennen würde, hätte ich dich glatt mit einer Dämmerkatze verwechselt«, spottete er.
Ich verzog das Gesicht. Die Wildkatzen mit den runden gelben Augen konnten jeden Baum erklimmen und lebten in den höchsten Wipfeln, waren mit ihrem struppigen schwarzen Fell aber wahrlich keine Schönheiten.
»Deine