Dieses eBook: 'Meine Hölle' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Jakob Elias Poritzky, eigentlich: Isaak Porycki (1876 - 1935) war ein deutscher Schriftsteller und Theater-Regisseur russischer Herkunft. Aus dem Buch: 'Und meine Seele, die, wie man mich belehrte, göttlichen Ursprungs war, stellte Schönheitsforderungen an das Leben; ich lechzte nach Schönheit und Reinheit; Gott aber hohnlachte ob meiner Wünsche und erfüllte sie nie. Er ließ sein Scepter wuchten über meinem Haupte. Er umgab mich rings mit Häßlichkeit, in der ich litt, und er ließ mich im Schmutz versinken. Aus dem Bedürfniß, mich mit Schönheit zu umgeben, ward ich im Geiste zum Dieb und stahl alle Kunstgegenstände, deren mein Auge habhaft werden konnte, und ward zum Neider an denen, welchen der Teufel ein Leben gönnte in Reinheit und Schönheit.'

Dieses eBook: "Meine Hölle (Vollständige Ausgabe)" ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen.
Jakob Elias Poritzky, eigentlich: Isaak Porycki (1876 - 1935) war ein deutscher Schriftsteller und Theater-Regisseur russischer Herkunft.
Aus dem Buch:
"Und meine Seele, die, wie man mich belehrte, göttlichen Ursprungs war, stellte Schönheitsforderungen an das Leben; ich lechzte nach Schönheit und Reinheit; Gott aber hohnlachte ob meiner Wünsche und erfüllte sie nie. Er ließ sein Scepter wuchten über meinem Haupte. Er umgab mich rings mit Häßlichkeit, in der ich litt, und er ließ mich im Schmutz versinken. Aus dem Bedürfniß, mich mit Schönheit zu umgeben, ward ich im Geiste zum Dieb und stahl alle Kunstgegenstände, deren mein Auge habhaft werden konnte, und ward zum Neider an denen, welchen der Teufel ein Leben gönnte in Reinheit und Schönheit."



Zusammenfassung
Dieses eBook: "Meine Hölle" ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Jakob Elias Poritzky, eigentlich: Isaak Porycki (1876 - 1935) war ein deutscher Schriftsteller und Theater-Regisseur russischer Herkunft. Aus dem Buch: "Und meine Seele, die, wie man mich belehrte, göttlichen Ursprungs war, stellte Schönheitsforderungen an das Leben; ich lechzte nach Schönheit und Reinheit; Gott aber hohnlachte ob meiner Wünsche und erfüllte sie nie. Er ließ sein Scepter wuchten über meinem Haupte. Er umgab mich rings mit Häßlichkeit, in der ich litt, und er ließ mich im Schmutz versinken. Aus dem Bedürfniß, mich mit Schönheit zu umgeben, ward ich im Geiste zum Dieb und stahl alle Kunstgegenstände, deren mein Auge habhaft werden konnte, und ward zum Neider an denen, welchen der Teufel ein Leben gönnte in Reinheit und Schönheit."

Leseprobe
Der Hölle Vorhof Inhaltsverzeichnis

Ich muß etwas weit ausholen ... aber ich werde meine Behauptung mit überzeugenden Bildern illustriren, die ich meiner eigenen Entwicklungsgeschichte entnehme ... Ich wuchs in einem Hause auf, in dem die Armuth ihren Thron aufgeschlagen hatte. Der Vater verdiente fast nichts; die Mutter quälte sich mit einer Gänsemästerei ab. Man war nie im Stande, mir die kleinste jener Freuden zu verschaffen, die sich der Kindesseele so tief einprägen und die aus dem Knaben einst einen dankbaren Mann machen. Dagegen fehlte es nie an Prügeln, und wenn ich in meinen Erinnerungen wühle und mir im Geiste noch einmal alle die Ohrfeigen geben lasse, die ich von meinem Vater erhalten, so sehe ich meines Vaters Hand als eine große, rothe vor mir und fühle sie als eine harte, starkknochige in meinem Antlitze brennen, eine Tyrannenhand, die nicht geschaffen ist zu liebkosen oder Runzeln fortzuglätten. Die Hand meiner Mutter aber war immer im Stande, die Unmuthswolken, die auf der Stirn des Kindes brüteten, hinwegzustreicheln. Die Hand, so klein sie war, gab groß und gern, und das Fluidum, das von ihr ausströmte, wirkte auf die Kinder segensvoll. Die Hand war von tausend Quer- und Kreuzlinien durchfurcht, unschön, zerarbeitet, welk - aber gerade darum muß sie einmal herrlich gewesen sein. Wenn eine Königin neben einer Bäuerin die gleich harte Arbeit verrichtet, wird die königliche Hand rasch ihre feinen Formen und ihre prächtige Weisse verlieren, die der Bäuerin aber wird kaum an ihrem Aussehen etwas eingebüßt haben. Und so waren mir die Hände meiner Mutter immer ein Beweis ihres hohen empfänglichen Herzens, und aus diesen Händen verstand ich - als ich älter ward - sehr wohl die Leidensgeschichte meiner Mutter zu lesen. Das Kind ahnte nur, daß es nicht der einzige Mensch war, der vom Vater gepeinigt wurde. Da drückte sich jeder in einen muffigen Winkel und brütete stumm in sich hinein, und da die Stubenwände kahl und poesielos waren, so ward die Phantasie des Kindes frühe rege. Ich zwang mein Gehirn oft, die herrlichsten Paläste zu bauen; ich schweifte in Höhlen umher und tödtete Bären; ich kletterte auf Felsen und köpfte Riesen; ich ehelichte Prinzessinnen und ward König in einem kupfernen Schloß; ich hielt Zwiesprach mit Elfen und ritt mit nackten Hexen auf Besen durch die Lüfte; über wilde Stoppelfelder, auf denen das Mondlicht schlief, fuhr ich in feurigem Wagen; ich ward Henker und schwang über Menschen das blutige Schwert. Und weil bei uns zu Hause jedweder Glanz fehlte, nach dem ich mich so sehnte, als ich ihn in den Wohnungen der Spielkameraden einmal geschaut hatte, ward ich hingedrängt zur Märchenwelt und es gab wohl kein Kind, das diese Geschichten, bei denen mir Verzückung und Wonne durch die Adern floß, so gierig in sich aufnahm und sie gleichzeitig so haarklein in Wirklichkeit umsetzte, wie ich. Um so entsetzlicher war es für mich, als ich aus diesem Traumleben erwachte und gefunden hatte, daß die Welt draußen nicht so war, wie die Märchenwelt in mir. Da verletzte mich jedwed Ding und kein Haar blieb mir ungekrümmt. Die Welt stieß mich ab ... sie war so trist und traurig. Ich weiß noch genau, daß ich mich einst, angeekelt von aller Wirklichkeit, in den Keller verkroch, trotzdem mir vor den todten Spinnen, die in ihren dickbestaubten Geweben vermoderten, graute, daß ich dort dann niederkniete, ein altes Schwert emporhob und eine schöne Fee feierlichst beschwor, mich fortzuführen in ihren duftigen Wald und mich bald zu erlösen von dem heimathlichen Gefängniß. O, und Flügel wünschte ich mir Denn etwas ganz Weltunberührtes in mir, wollte immer bei den Sternen sein. Meine Gebete, an die Feen und Zwerge gerichtet, blieben aber unerhört und ich wurde skeptisch gegen das ganze Geistergesindel.

Ich muß noch erzählen, daß ich die Märchen nur in jenem Raume las, der dem Deus crepitus geweiht ist, in einem dörfischen Abort ohne Wasserabguß, wo es athembeklemmend stank und w

Titel
Meine Hölle (Vollständige Ausgabe)
EAN
9788026841395
Format
E-Book (epub)
Hersteller
Herausgeber
Veröffentlichung
08.07.2015
Digitaler Kopierschutz
Wasserzeichen
Dateigrösse
0.56 MB
Anzahl Seiten
210
Features
Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet