James Salter erzählt von seiner Ausbildung zum Kampfpiloten in West Point, vom Koreakrieg und seiner Zeit als Autor in New York: Er schreibt Drehbücher für Hollywood, in denen er Größen wie Samuel Goldwyn, Irwin Shaw, Roman Polanski oder Robert Redford kennenlernt. Er lebt in Städten wie Rom oder Paris, deren Glanz und Erotik sich in seiner Sprache widerspiegeln, ebenso wie die Leidenschaft zu den Frauen. Verbrannte Tage ist eines der größten autobiographischen Werke unserer Zeit, 'ein eindrucksvolles Stück Literatur ' (Berliner Zeitung).

James Salter, 1925 in Washington, D.C. geboren und in New York aufgewachsen, wurde mit seinen großen Romanen 'Lichtjahre' und 'Ein Spiel und ein Zeitvertreib' auch in Deutschland berühmt. Er diente als Kampfflieger zwölf Jahre lang in der US Air Force und nahm 1957 seinen Abschied, als sein Debüt, Jäger, erschien. Seitdem lebte Salter als freier Schriftsteller in New York City und auf Long Island. Am 19. Juni 2015 verstarb James Salter wenige Tage nach seinem 90. Geburtstag in Sag Harbor. Er gilt als moderner Klassiker der amerikanischen Literatur.

Autorentext
James Salter, 1925 in Washington, D.C. geboren und in New York aufgewachsen, wurde mit seinen großen Romanen "Lichtjahre" und "Ein Spiel und ein Zeitvertreib" auch in Deutschland berühmt. Er diente als Kampfflieger zwölf Jahre lang in der US Air Force und nahm 1957 seinen Abschied, als sein Debüt, Jäger, erschien. Seitdem lebte Salter als freier Schriftsteller in New York City und auf Long Island. Am 19. Juni 2015 verstarb James Salter wenige Tage nach seinem 90. Geburtstag in Sag Harbor. Er gilt als moderner Klassiker der amerikanischen Literatur.

Leseprobe
DU MUSST

Mein Vater, das Haar in der Mitte gescheitelt, selbstsicher und stolz, war Bester seines Jahrgangs gewesen. Als brillanter Außenseiter mit mathematischer Begabung und einem enormen Gedächtnis schloss er knapp vor einem Rivalen ab, dessen Vater im Jahr 1886 Bester gewesen war.

Das College war West Point, und er war auch als Erster seines Jahrgangs zum Captain ernannt worden, obwohl ich mir das nicht so leicht vorstellen konnte. Auf jeden Fall gehörte sein Ruhm, als ich ein Junge war, bereits der Vergangenheit an. Er hatte die Armee nach ein paar Jahren verlassen, und es gab nicht viel, was an seine Militärzeit erinnerte. Ein Paar Reitstiefel, einige Jahrbücher und im Schrank einen Offizierssäbel, in dessen Klinge Name und Rang eingraviert waren.

Einmal im Jahr lag morgens eine wunderschöne Medaille an einem schwarz-grau-goldenen Band auf der Kommode. Es war ein Namensschild von dem Dinner der Mitglieder seines Jahrgangs in West Point im Waldorf Astoria am Abend zuvor. Er ging gerne dorthin; sie wurden gegen Ende des Winters abgehalten, und er war dort eine anerkannte Person und mehr oder minder bewundert. George Horowitz, 1919 stand auf der weißen Karte am Kopf des Bandes. Seinen ersten Vornamen, Louis, mochte er nicht.

Als ich älter war, nahm er mich zu Footballspielen mit, die wir während des letzten Viertels verließen. Das Army-Team war eine schwache, aber hart gesottene Mannschaft, die ins Yankee Stadion kam, um gegen Notre Dame zu spielen. Die Tribüne hinter uns war eine einzige graue Masse, heiser vom Brüllen, und ein Getöse erhob sich, als ein Halfback, dünnbeinig und wendig, irgendwie die Verteidigungslinie von Notre Dame durchbrach und quer über das Feld unglaubliche achtzig Yards zurücklegte, bis er schließlich zu Fall gebracht wurde. Wenn er durchgekommen wäre, hätte das Team der Army gewonnen.

Am Ende ging ich wie mein Vater nach West Point. Ich hatte es nie vorgehabt. Er hatte für mich eine Bewerbung als zweiter Ersatzkandidat arrangiert und mich gebeten, ihm zuliebe für die Aufnahmeprüfung zu lernen - es war der Frühling des Jahres 1942. Ich war an der Stanford University angenommen worden und arbeitete während des Sommers auf einer Farm in Connecticut, schlief auf einer bloßen Matratze auf dem brütend heißen Dachboden, träumte vom Leben an der Küste, als mich plötzlich ein Telegramm erreichte. Es war unglaublich, aber sowohl der eigentliche Kandidat als auch der erste Ersatzmann waren durchgefallen, einer bei der körperlichen Untersuchung, der andere bei der schriftlichen Arbeit, und nun teilte man mir mit, dass ich aufgenommen war. Ich wusste, was sich mein Vater mehr als alles andere von mir wünschte. Siebzehn, eitel und durch Gedichte verdorben, bereitete ich mich auf den Eintritt in ein fernes West Point vor. Ich würde, hoffte mein Vater, dort so erfolgreich sein wie er.

* * *

Mitte Juli gingen wir in einer Gruppe vom Bahnhof die steile Straße hinauf. Ich kannte niemanden. Wie die anderen trug ich einen kleinen Koffer, in den die Sachen gepackt waren, die ich jahrelang nicht mehr sehen würde. Wir kamen an großen stillen Gebäuden vorbei und überquerten unter tief hängenden Ästen eine Straße. Ein paar Minuten später, nachdem wir ein Einwilligungspapier unterschrieben hatten, standen wir in der Eingangshalle in einer unordentlichen Reihe und versuchten uns einen Satz einzuprägen, den wir sagen mussten, wenn wir dem First Cadet Sergeant Meldung machten. Er musste laut und exakt ausgesprochen werden. Wenn man es falsch machte, musste man wieder hinaus und sich hinten in der Reihe neu anstellen. Man hörte unentwegt lautes Rufen und hinter der Kasernentür einen bedrohlichen Lärm, der anschwoll, wenn die Tür geöffnet wurde, wie das Grummeln eines Ofens. Der Lärm kam aus dem Innenhof. Upperclassmen, die Studenten der beiden obersten Klassen, stießen immer wieder ihre Befehle hervor, manche bellend, andere flüsternd, andere zischend wie S

Titel
Verbrannte Tage
Untertitel
Erinnerung
Übersetzer
EAN
9783827072054
Format
E-Book (epub)
Hersteller
Herausgeber
Digitaler Kopierschutz
Wasserzeichen
Dateigrösse
1.25 MB
Anzahl Seiten
512
Features
Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet