Jan Steinbach, geboren 1973, ist das Pseudonym eines erfolgreichen deutschen Schriftstellers, der bei einer Reise an die Ostsee seine Leidenschaft für Lübeck und Travemünde entdeckte. Inspiriert von Marzipan und Weihnachtszauber entstand die Idee für diese weihnachtliche Liebesgeschichte.
Bei Rütten & Loening erschienen zuletzt Willems letzte Reise und Das Café der kleinen Kostbarkeiten .
Wenn du noch einmal die Gelegenheit hast, das Richtige zu tun...
Einsam und mit seiner Familie zerstritten, lebt der alte Willem auf seinem Bauernhof in Ostfriesland. Dann bringt seine Tochter ungefragt ihren Sohn Finn bei ihm unter, weil sie sich wegen ihrer Trennung nicht anders zu helfen weiß. Und so sehr sich der knurrige alte Mann auch dagegen wehrt - der bezaubernde kleine Junge erobert sein Herz. Ausgerechnet jetzt erhält Willem eine fatale Nachricht. Aber um ein Versprechen zu erfüllen, das er Finn gegeben hat, begibt er sich mit seinem alten Traktor auf eine Reise quer durch Deutschland. Schon bald wird jedoch klar, dass Willem nicht mehr lange drum herumkommen wird, sich seinen Fehlern von damals zu stellen ...
Einfühlsam und berührend erzählt Jan Steinbach von den Wunden, die sich in der Geschichte jeder Familie finden, und dem Glück, endlich die richtige Entscheidung zu treffen.
Autorentext
Jan Steinbach, geboren 1973, ist das Pseudonym eines erfolgreichen deutschen Schriftstellers, der auf einem Bauernhof nahe der niederländischen Grenze aufgewachsen ist.
Bei Rütten & Loening und im Aufbau Taschenbuch liegen von ihm die Romane »Willems letzte Reise«, »Das Café der kleinen Kostbarkeiten«, »Das Strandhaus der kleinen Kostbarkeiten«, »Die Schwestern von Marienfehn« und »Was wir Glück nennen« vor.
Zusammenfassung
Wenn du noch einmal die Gelegenheit hast, das Richtige zu tun...
Einsam und mit seiner Familie zerstritten, lebt der alte Willem auf seinem Bauernhof in Ostfriesland. Dann bringt seine Tochter ungefragt ihren Sohn Finn bei ihm unter, weil sie sich wegen ihrer Trennung nicht anders zu helfen weiß. Und so sehr sich der knurrige alte Mann auch dagegen wehrt der bezaubernde kleine Junge erobert sein Herz. Ausgerechnet jetzt erhält Willem eine fatale Nachricht. Aber um ein Versprechen zu erfüllen, das er Finn gegeben hat, begibt er sich mit seinem alten Traktor auf eine Reise quer durch Deutschland. Schon bald wird jedoch klar, dass Willem nicht mehr lange drum herumkommen wird, sich seinen Fehlern von damals zu stellen ...
Einfühlsam und berührend erzählt Jan Steinbach von den Wunden, die sich in der Geschichte jeder Familie finden, und dem Glück, endlich die richtige Entscheidung zu treffen.
Leseprobe
Kapitel eins
Es war kein Tag wie jeder andere, dennoch begann ihn Willem so. Er stand früh auf, stieg in seine Arbeitskleidung, aß eine Banane und stapfte quer über den Hof zum Melkstall. Es war eine dieser magischen Morgenstunden in Ostfriesland, um kurz vor fünf, wenn der Dunst noch über den saftgrünen Feldern hing, wenn die Luft klar und rein war und der weite Himmel still und wie eingefroren wirkte. Willem stand am Gatter und schaute. Die ersten Vögel erwachten, ein rosafarbener Streifen zog am Horizont herauf und kündigte einen weiteren strahlenden Sommertag an. Es war kaum zu glauben, dass dies sein letzter Arbeitstag sein würde. Doch heute war es so weit. Seine Kühe würden abgeholt werden, und zurück blieben nichts als leere Ställe.
Die Vorbereitungen liefen seit Wochen. Sein Hof war zu klein, um zu überleben. Außerdem gab es keinen Nachfolger. Willem musste froh sein, es überhaupt bis zur Rente geschafft zu haben. Er war ja nicht der Einzige, dem es so erging. Überall in der Gegend ging den kleinen Betrieben die Luft aus. Trotzdem. Ihn traf das Endgültige der Situation. Willem war der letzte Bauer in seiner Familie. Nach den vielen Generationen, die auf dem Hof gelebt und gelärmt und gearbeitet hatten, wäre mit ihm Schluss. Das war nicht leicht zu verdauen.
Seine ehrwürdigen Damen trotteten an diesem Morgen in alter Gewohnheit vor ihm her in den Melkstall. Alles war vertraut, alles wie immer. Nur die gute Aggi, die trotz ihres Alters immer noch viel Milch gab und deshalb glücklicherweise zusammen mit dem Rest der Herde verkauft werden konnte, spürte offenbar die Veränderung. Sie war anhänglich an diesem Morgen. Nach dem Melken wollte sie nicht von seiner Seite weichen, im Laufstall hielt sie ständig nach ihm Ausschau, und als Willem das Heu aus der Futtertenne fegte, streckte sie den Kopf durch das Gitter und stupste ihn mit ihrer feuchten Nase an.
Zu Aggi hatte er eine besondere Verbindung - seit einer Winternacht vor zwei Jahren, als es bei der Geburt ihres Kalbes unerwartet Komplikationen gab, der Tierarzt wegen eines Schneesturms nicht kommen konnte und Willem die ganze Nacht an Aggis Seite im Stall verbracht hatte, bis am Ende das Kalb doch noch herauskam und alle Beteiligten wie durch ein Wunder überlebten. Sie hatte nicht vergessen, dass er ihr beigestanden hatte.
»Es wird schon werden, Aggi«, sagte er und klopfte ihr aufs Fell. »Alles wird sich fügen.«
Mit Tieren war es einfach auszukommen. Sie verstanden, wie man fühlte. Was man tief drin für ein Wesen war. Sie nahmen auf eine Weise Verbindung auf, die einzigartig war. Schwierig war es nur mit Menschen. Da wurde schnell alles kompliziert. Es gab Missverständnisse und Streitereien, und keiner sah mehr auf das Wesentliche, auf das, was eine Person im Kern ausmachte. Ob sie es gut meinte, ob sie Liebe für einen empfand. Das jedenfalls waren die Erfahrungen, die Willem in seinem Leben gemacht hatte.
Als die Morgensonne blutrot über den weiten Feldern stand und die Tiere versorgt waren, wischte er sich den Schweiß von der Stirn, kehrte ins Haus zurück und bereitete das Frühstück vor. Er kochte Kaffee, briet sich ein Spiegelei und setzte sich an das Ende des Küchentischs, von dem aus er den Kuhstall sehen konnte. Solange sie noch da waren, wollte er die Tiere im Blick behalten.
Spiegeleier. Die gehörten zu den wenigen Gerichten, die er selbst zubereiten konnte. Emmi Terhöven, eine Bauersfrau aus der Nachbarschaft, war nach dem Tod seiner Frau da gewesen, um ihm ein bisschen unter die Arme zu greifen. Sie war vierzehn Jahre älter als Willem, in ihrer Familie die Älteste von fünf Kindern und hatte ihn schon als Dreikäsehoch zusammen mit anderen Kindern aus der Gegend betreut. Nach dem Tod seiner Frau hatte sie ihn bei einem Überraschungsbesuch dabei erwischt, wie er versucht hatte, sich ein Spiegelei zu braten. Zugegeben, eine ziemliche Katastrophe war das gewesen. Un