Sie gehören zu den Letzten ihrer Art: Viele alte Nutztierrassen wie das Angler Rind, das Schwäbisch-Hällische Schwein, das Waldschaf oder das Vorwerkhuhn sind vom Aussterben bedroht. Während die industrialisierte Landwirtschaft auf wenige Hochleistungsrassen setzt, verschwinden mit den alten Rassen nicht nur kulturelle und kulinarische Vielfalt, sondern auch das wertvolle Genmaterial dieser robusten Tiere. Der Kieler Food-Journalist Jens Mecklenburg stellt in kurzweiligen Porträts 66 fast vergessene Nutztiere vor und informiert, wo man sie heute noch finden kann. Denn erst eine steigende Nachfrage beim Verbraucher wird die Arten vor dem Aussterben bewahren und aus ihren letzten Tierparknischen herausholen.

Jens Mecklenburg lebt und arbeitet als freier Journalist und Autor an der Kieler Fo?rde und bescha?ftigt sich mit allen Aspekten rund um Essen und Trinken. Besonders am Herzen liegen dem Gastrokritiker die Fo?rderung einer nachhaltigen Genusskultur sowie ein respektvoller Umgang mit unseren Nutztieren.

Autorentext
Jens Mecklenburg lebt und arbeitet als freier Journalist und Autor an der Kieler Förde und beschäftigt sich mit allen Aspekten rund um Essen und Trinken. Besonders am Herzen liegen dem Gastrokritiker die Förderung einer nachhaltigen Genusskultur sowie ein respektvoller Umgang mit unseren Nutztieren.

Leseprobe
Einführung Was sind uns unsere
Nutztiere wert? Durch bäuerliche Landwirtschaft die Artenvielfalt retten Das Landleben als pure Idylle? Zumindest auf den Verpackungen unserer Lebensmittel, in Prospekten für ländliche Urlaubsziele und in unseren Kinderbüchern. Dort ist die Welt noch in Ordnung. Dort suhlt sich fröhlich grunzend ein Schwein im Schlamm. Eine Kuh liegt friedlich dösend mit ihren Kälbern in der Sonne. Ein majestätischer Hahn stolziert zwischen seinen gackernden und nach Körnern pickenden Hühnern umher. Ein Schaf schaut versonnen vom Deich aufs offene Meer. Wir alle haben, was die Produktion unserer Lebensmittel angeht, bestimmte Bilder im Kopf. Bevorzugt romantische Bilder. Dass die Realität jedoch meist anders aussieht, ist uns Verbrauchern durchaus bewusst. Die Lebensmittelskandale der Vergangenheit dürften mittlerweile vielen Konsumenten verdeutlicht haben, dass die Tiere, die uns mit Eiern, Milch und Fleisch versorgen, kaum auf idyllischen Kleinbauernhöfen mit viel frischer Luft und Auslauf gelebt haben, sondern größtenteils einer hocheffizienten und hochtechnisierten Industrie entstammen und nie das Tageslicht gesehen haben. Mit immer gravierenderen Folgen für Tier, Mensch und Umwelt. Um ständig Milch zu geben, muss eine Kuh jedes Jahr ein Kalb bekommen. Eine "moderne" Zuchtsau wirft mehr Ferkel, als sie Zitzen hat. Heutige Geflügelrassen können sich nicht mehr auf den Beinen halten, sie wachsen zu schnell, und sie werden zu schwer. Die Gier nach Billigfleisch führt zu immer höherer Produktion und damit zu industrieller Tierhaltung. Deutschland entwickelt sich zum Maststall Europas, der subventionierte Fleischexport boomt. Derzeit leben knapp 13 Millionen Rinder, davon 4,3 Millionen als Milchkühe, 28 Millionen Schweine, knapp 70 Millionen Masthühner und 36 Millionen Legehennen in Deutschland. Jedes Jahr werden es mehr. Nimmt man Schafe, Puten und andere Nutztiere hinzu, leben insgesamt fast doppelt so viele Nutztiere in Deutschland wie Menschen. Die Massentierhaltung führt dazu, dass unsere Böden, die Luft und die Gewässer immer stärker belastet werden. Ein Mastschwein verbraucht fast eine Million Liter Trinkwasser in seinem kurzen Leben. Nicht, weil es so durstig ist - der Großteil wird dazu gebraucht, sein Futter anzubauen. Unsere Nutztiere werden vor allem mit Soja gefüttert, das zum größten Teil aus Südamerika importiert wird. Für den Sojaanbau mussten allein in Brasilien bereits 21 Millionen Hektar Regenwald weichen. Zudem wird bei der Sojaproduktion überwiegend auf gentechnisch veränderte Pflanzen gesetzt, mit unerforschten Risiken für Mensch, Tier und Natur. Je intensiver die Tierhaltung, desto schärfer wird der Konflikt zwischen Bauern und Verbrauchern. Machen wir uns nichts vor: Die Landwirtschaft hat zunehmend ein Akzeptanzproblem. Alte Rassen sterben aus Ein weiteres Problem kommt hinzu, denn auch die Artenvielfalt leidet unter der Hochleistungsproduktion von Fleisch, Milch und Eiern. Die Schweine aus den Mastbetrieben der Republik bekommt man als Außenstehender kaum noch zu Gesicht, ebenso wenig das Federvieh, das zumeist in fensterlosen Großbetrieben hinter verschlossenen Türen gezüchtet wird. Allenfalls sieht man noch Rinder oder Schafe auf ihren Weiden grasen, und das auch nur, wenn es einen in ländliche Regionen verschlägt. Folge der Zustände hinter den Zäunen der Zuchthäuser: Die Artenvielfalt in den Mastbetrieben der deutschen Fleischindustrie ist auf dem Tiefpunkt. Nur wenige Hochleistungsrassen decken rund 98 Prozent des hohen Bedarfs an günstigem und immer verfügbarem Fleisch ab. Die ehemals artenreiche Nutz

Inhalt
1;Raritäten von der Weide;1
2;Inhalt;6
3;Einführung. Was sind uns unsere Nutztiere wert ?;10
4;Vom Ur- zum Hausrind - Quantensprung für die Menschheit;22
4.1;Angler Rind "Schönmädchen" aus dem hohen Norden;26
4.2;Angusrind Deutsch-Schotte mit keltischen Vorfahren;28
4.3;Dexter Die Kuh des kleinen Mannes;30
4.4;Englisches Parkrind Urrind mit gutem Sozialverhalten;31
4.5;Fjällrind Schwedische Bergkuh;33
4.6;Galloway Schottischer Naturschützer;35
4.7;Glanrind Pfälzer Tausendsassa;37
4.8;Heckrind Auerochse der Neuzeit;39
4.9;Highland Cattle Schottische Schönheit;41
4.10;Hinterwälder Rind Gutmütiger Schwarzwälder;43
4.11;Limousin Edler Franzose;45
4.12;Limpurger Rind Botschafter des guten Geschmacks;47
4.13;Murnau-Werdenfelser Rind Bayerischer Zugochse;49
4.14;Original Allgäuer Braunvieh Die Kuh der Voralpen;51
4.15;Rotbuntes Niederungsrind Ganzheitliche Traditionskuh;53
4.16;Schwarzbuntes Niederungsrind Schönheit von der Küste;55
4.17;Shorthorn Veteran der Rinderzucht;57
4.18;Telemarkrind Symbolkuh Norwegens;59
4.19;Ungarisches Steppenrind Melancholische Schönheit der Puszta;61
5;Ich glaub, mein Schwein pfeift - Wo ist das glückliche Hausschwein geblieben?;64
5.1;Angler Sattelschwein Gutmütiges Wesen mit dickem Speckmantel;68
5.2;Buntes Bentheimer Schwein Viel Fett, viel Ehr und quicklebendig;70
5.3;Chinesisches Maskenschwein Übermutter mit Falten;73
5.4;Deutsches Edelschwein Borstenvieh fürs Volk;75
5.5;Leicoma Sozialistisches Vorzeigeschwein;77
5.6;Linderöd-Schwein Vom Wald- zum Hausschwein;80
5.7;Mangalitza-Wollschwein Wuscheliger Operettenstar;81
5.8;Rotbuntes Husumer Schwein Dänisches Protestschwein;84
5.9;Schwäbisch-Hällisches Schwein Schwabe mit multi-kulturellem Hintergrund;86
5.10;Sortbroget-Schwein Alter Däne mit Glöckchen;89
5.11;Turopolje-Schwein Tauchender Dalmatiner;916;Lammfromm - Die friedlichen Landschaftspfleger;94
6.1;Alpines Steinschaf Profibergsteiger mit Fell;97
6.2;Bentheimer Landschaf Moor und Heide sind sein Zuhause;99
6.3;Diepholzer Moorschnucke Grazile Niedersächsin ohne Allüren;100
6.4;Jakobschaf Schaf aus der Bibel;102
6.5;Rauwolliges Pommersches Landschaf Rauer, robuster Ostseebewohner;104
6.6;Rhönschaf Dauerläufer für Napoleon;106
6.7;Rotkopfschaf Wanderer der Pyrenäen;109
6.8;Skudde Ein historisches Landschaf;111
6.9;Soayschaf Urtümlicher Schotte aus der Bronzezeit;113
6.10;Walachenschaf Temperamentvoll, aber scheu;114
6.11;Waldschaf Uriger Berg- und Waldbewohner;116
6.12;Weisse Gehörnte Heidschnucke Wolllieferant mit Hang zu Heide und Moor;118
6.13;Zackelschaf Mit Zottelhaar durch die Steppe;120
7;Stolz wie Oskar - Kapriziöses Tier mit Kultstatus;122
7.1;Juan-Fernández-Ziege Misstrauischer Einsiedler;125
7.2;Thüringer Waldziege Schönheit mit dem Hang zum Hang;127
8;Ich wollt, ich wär …
Titel
Raritäten von der Weide
Untertitel
66 Nutztiere, die Sie kennenlernen sollten, bevor sie aussterben
EAN
9783865816245
Format
E-Book (pdf)
Hersteller
Herausgeber
Digitaler Kopierschutz
frei
Dateigrösse
2.09 MB
Anzahl Seiten
208
Lesemotiv