In "Der Domherr" entfaltet Jodocus Temme einen historischen Roman, der geistliche Würde, ständische Macht und individuelle Gewissensnot in ein spannungsvolles Verhältnis setzt. Die Figur des Domherrn erscheint dabei nicht bloß als Vertreter kirchlicher Ordnung, sondern als Knotenpunkt politischer Interessen, familiärer Bindungen und moralischer Prüfungen. Temmes Erzählweise verbindet die Genauigkeit des Chronisten mit der dramatischen Zuspitzung des populären Geschichtsromans des 19. Jahrhunderts; sein Stil ist klar, handlungsbewusst und von einem ausgeprägten Sinn für Recht, Schuld und Verantwortung geprägt. Jodocus Temme, Jurist, liberaler Politiker und produktiver Erzähler, brachte in seine Romane Erfahrungen ein, die weit über literarische Konvention hinausreichen. Seine Tätigkeit im Justizwesen, seine Beteiligung an den demokratischen Bewegungen von 1848 und sein kritischer Blick auf obrigkeitliche Strukturen schärften sein Interesse an historischen Konflikten, in denen Recht und Macht auseinanderfallen. Gerade diese biographische Spannung verleiht "Der Domherr" seine besondere geistige Kontur. Empfohlen sei dieses Buch Leserinnen und Lesern, die historische Unterhaltung mit gesellschaftlicher Analyse verbinden möchten. Temmes Roman bietet keine bloße Kostümgeschichte, sondern eine reflektierte Erkundung von Institution, Charakter und moralischer Entscheidung. Diese erweiterte Ausgabe wurde mit großer Sorgfalt gestaltet, um Ihr Leseerlebnis zu bereichern. - Sorgfältig ausgewählte unvergessliche Zitate heben Momente literarischer Brillanz hervor. - Interaktive Fußnoten erklären ungewöhnliche Referenzen, historische Anspielungen und veraltete Ausdrücke für eine mühelose, besser informierte Lektüre.
Klappentext
Dieses eBook: "Der Domherr (Historischer Roman)" ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Aus dem Buch: "Der arme Junge! Er hatte die Todesahnung. Und die trügt niemals im Felde, unmittelbar vor einer Schlacht. Es ist eine alte Geschichte. Vorgestern schrieb er, heute kämpfen sie. Vielleicht ist er schon in diesem Augenblick unter den Toten! Er hätte es freilich hinter sich; er hätte ausgelitten, auch mit dem braven Herzen. Auch mit dem wilden, trotzigen Herzen! O, o, es wäre ihm besser, als wenn er noch lebend unter den Toten daläge, verlassen, verstümmelt, mit den blutenden Wunden, allein mit der Verzweiflung des Schmerzes, des doppelten Schmerzes, des dreifachen, der Wunden der Verlassenheit, des zerrissenen Herzens. Armer, armer Junge! Und sie, die ihn in den Tod jagte!..." Jodocus Temme (1798-1881) war ein deutscher Politiker, Jurist und Schriftsteller.