Ein tragisches Ende entfaltet einen Kriminalfall, in dem Schuld, gesellschaftliche Reputation und die Grenzen richterlicher Erkenntnis unauflöslich ineinandergreifen. Temme verbindet die Spannung der Ermittlung mit einer nüchternen, fast protokollarischen Erzählweise, die aus seiner Nähe zur juristischen Praxis erwächst. Im Kontext der frühen deutschsprachigen Kriminalliteratur steht der Roman zwischen aufklärerischer Fallgeschichte, bürgerlichem Sittenbild und moralischer Tragödie: Nicht bloß das Verbrechen, sondern seine sozialen Voraussetzungen werden zum eigentlichen Gegenstand. Jodocus Temme, 1798 geboren und 1881 gestorben, war Jurist, Richter, liberaler Politiker und einer der wichtigen Wegbereiter des deutschen Kriminalromans. Seine Erfahrungen in Gerichtssälen, seine Kenntnis von Akten, Verhören und menschlichen Abgründen prägen seine literarische Methode. Zugleich erklärt sein politisches Engagement für Rechtsstaatlichkeit und bürgerliche Freiheit, warum seine Kriminalgeschichten stets auch Fragen nach Gerechtigkeit, Macht und Verantwortung verhandeln. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die den Kriminalroman nicht nur als Rätsel, sondern als historische Denkform verstehen möchten. Ein tragisches Ende bietet Spannung, psychologische Genauigkeit und rechtsgeschichtliche Anschaulichkeit; es zeigt, wie modern Temmes Blick auf Verbrechen, Wahrheit und Gesellschaft bis heute geblieben ist. Diese erweiterte Ausgabe wurde mit großer Sorgfalt gestaltet, um Ihr Leseerlebnis zu bereichern. - Abschließend fassen unsere handverlesenen unvergesslichen Zitate zentrale Aussagen und Wendepunkte zusammen und verdeutlichen so die Kernthemen der gesamten Sammlung.
Klappentext
Dieses eBook: "Ein tragisches Ende (Kriminalroman)" ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen.
Jodocus Temme (1798-1881) war ein deutscher Politiker, Jurist und Schriftsteller. Er verfasste u. a. zahlreiche Kriminalerzählungen, die zum großen Teil in Ernst Keils Familienzeitschrift Die Gartenlaube veröffentlicht wurden und wichtige Anstöße für die Entwicklung der deutschsprachigen Kriminalliteratur gaben.
Aus dem Buch:
"In dem großen Hause Molkenmarkt Nr. 3 befanden sich in einem kleinen Zimmer zwei Treppen hoch zwei Personen, ein kleiner runder Mann mit einem roten Gesicht und ein langer, hagerer Mann mit einem blassen Gesicht. Das große Haus am Molkenmarkt Nr. 3 zu Berlin ist bekanntlich das Kriminalgerichtsgebäude oder, wie der Berliner sagt, das Kriminalgericht. Die Stube, in welcher die beiden Männer sich befanden, war eine Verhörstube des Kriminalgerichts. Sie war es. Jetzt gibt es schon seit mehreren Jahren keine Verhörstuben mehr."