Die Leidenschaft der 'Swing Kids' für die 'Negermusik' Jazz und englische Kleidung, ihr Tanzstil und ihr aufmüpfiger Individualismus genügten den Nazis, um massiv gegen sie vorzugehen: Hunderte von Jugendlichen wurden wegen 'Anglophilie' in 'Schutzhaft' genommen, zumeist ohne offizielle Anklage oder Verhandlung, viele landeten im KZ. Jörg Ueberall begab sich in Hamburg auf die Spuren der ersten städtischen Jugendsubkultur, die ihr Selbstverständnis aus der Musik zog. Er zeichnet die Entwicklung der Swing Kids von ihrer Entstehung 1936 bis zu ihrem (Nicht-)Ende 1943 - 1945 nach und erforschte, was aus den Opfern und Tätern wurde - bis heute.
Die Leidenschaft der "Swing Kids" für die "Negermusik" Jazz und englische Kleidung, ihr Tanzstil und ihr aufmüpfiger Individualismus genügten den Nazis, um massiv gegen sie vorzugehen: Hunderte von Jugendlichen wurden wegen "Anglophilie" in "Schutzhaft" genommen, zumeist ohne offizielle Anklage oder Verhandlung, viele landeten im KZ. Jörg Ueberall begab sich in Hamburg auf die Spuren der ersten städtischen Jugendsubkultur, die ihr Selbstverständnis aus der Musik zog. Er zeichnet die Entwicklung der Swing Kids von ihrer Entstehung 1936 bis zu ihrem (Nicht-)Ende 1943 - 1945 nach und erforschte, was aus den Opfern und Tätern wurde - bis heute.
Zusammenfassung
Die Leidenschaft der "e;Swing Kids"e; fur die "e;Negermusik"e; Jazz und englische Kleidung, ihr Tanzstil und ihr aufmupfiger Individualismus genugten den Nazis, um massiv gegen sie vorzugehen: Hunderte von Jugendlichen wurden wegen "e;Anglophilie"e; in "e;Schutzhaft"e; genommen, zumeist ohne offizielle Anklage oder Verhandlung, viele landeten im KZ. Jrg Ueberall begab sich in Hamburg auf die Spuren der ersten stdtischen Jugendsubkultur, die ihr Selbstverstndnis aus der Musik zog. Er zeichnet die Entwicklung der Swing Kids von ihrer Entstehung 1936 bis zu ihrem (Nicht-)Ende 1943 - 1945 nach und erforschte, was aus den Opfern und Ttern wurde - bis heute.
Leseprobe
Begriffsschwierigkeiten
Swing Boys, Swing Girls, Swing-Heinis, Swing Babys, Swing-Jugend, Swings ... Welchen Begriff sollte ich wählen für die Jugendlichen in meinem Buch?
Die Swing Kids hatten für sich selbst keine gängige Bezeichnung, da sie keine geschlossene Gruppierung waren. Untereinander nannte man(n) sich "Swing Boy", "Hot Boy", "Easy Boy" oder "Lotter Boy". Die Mädchen waren die "Swing Girls", "Lotter Ladies", "Jazzkatzen" oder "Swing Babys". Im Volksmund wurden sie abschätzig "Swing-Heinis" genannt, eine Bezeichnung, die jedoch wiederum von den "Paddler-Kreisen" (Swing Kids aus unteren Schichten) übernommen wurde und sogar mit einigem Stolz in die normale Umgangssprache der Swing Kids Eingang fand. Trotzdem hat "Swing-Heini" etwas Abwertendes, deshalb benutze ich diesen Ausdruck nicht. Einige Historiker und Jazztheoretiker verwendeten die Begriffe "Swings" und "Swinger", die mir ebenfalls nicht gefallen.
Der Begriff "Swing-Jugend" ist wahrscheinlich eine nationalsozialistische Wortschöpfung. Meinen Recherchen nach taucht der Begriff "Swing-Jugend" das erste Mal im Observationsbericht einer Tanzveranstaltung im Kaiserhof in Altona vom 3.2.1940 auf. Darin war vom "großen Treffen der Hamburger Swing-Jugend" die Rede. Dort wird auch von "vollendeten Tango-Boys mit dem berüchtigten langen Haarschnitt" gesprochen. Allerdings wurde auf dieser großen Party kein Tango getanzt. Damit hatten die Swing Kids nichts am Hut. Später sollten aus "Tango-Boys" noch "haltlose, willensschwache Psychopathen mit erheblichen Defekten auf ethisch-moralischem Gebiet" werden. Der Begriff "Swing-Jugend" wurde in Zukunft in allen Schriftstücken der Nazis verwendet, wenn es um das "Problem" der Swing Kids ging. Daher hätte ich Schwierigkeiten gehabt, den Begriff "Swing-Jugend" in diesem Buch zu verwenden.
Der größte Teil der Swing Kids war zwischen 14 und 18 Jahre alt, manche zwischen 18 und 21, nur wenige waren älter. Jugendliche dieser Altersstufe werden heute im soziologischen Terminus wie in der praktischen Sozialarbeit als "Kids" bezeichnet. Und da ihr gesamter Lebensstil auf England und Amerika ausgerichtet war und das Wort "Swing Kids" bisher nirgendwo negativ belastet ist, verwende ich diesen Begriff im weiteren Verlauf des Buches. Ich denke, er wird diesen Jugendlichen am besten gerecht.
Man begrüßte sich mit "Swing Heil!" als Persiflage auf "Heil Hitler!" oder mit "Heil Hitler!" - "Heil du ihn doch!"
Die Swing Kids waren eine eigene Subkultur. Man begrüßte sich mit "Swing Heil!" als Persiflage auf "Heil Hitler!" oder mit "Heil Hitler!" - "Heil du ihn doch!" oder auch mit "Swing high, Swing low". Eine andere typische Angewohnheit war das "Lottern" als gezielte Gegenreaktion auf Gleichschritt und Haltung des strammen Deutschen. Die Hände tief in die Hosen vergraben schlich man durch die Gegend. "Das war irgendwie diese lässige Haltung, dies Lässig-Englische" 26 , erinnert sich Gunter Lust. Oft sah man Swing Kids in Gruppen spät nachmittags zur Hauptverkehrszeit sich über den Jungfernstieg mit kleinen, swingenden Schritten, etwas nach vorn gebeugt, bewegen. Oder man überquerte im Gänsemarsch den Rathausmarkt (damals Adolf-Hitler-Platz).
Und auch mit Sprüchen war man nicht auf den Mund gefallen, die z. T. auf Melodien beliebter amerikanischer Swing-Songs gesungen wurden und manchmal sogar die "Größen" des Dritten Reiches verspotteten:
"Wir tanzen Swing bei Meier Barmbeck
Es ist verboten, wir hotten nach Noten
Und kommt die Polizei, dann tanzen wir Tango
Und ist sie wieder weg, dann singen wir den Tiger Rag."
Swing-Freunde im Stadtpark Barmbeck, 1942
Die Swing Kids hatten ihre eigenen Treffpunkte (bis in die Jahre 1941/42, als die Gestapo eingriff); beliebt bei den jüngeren Kids war das Eislauffeld im Park "Planten und Blomen", in dessen Nähe die Lokalitäten (wie man sie damals nannte) "Tante Lo" und das "Tarantel
Die Leidenschaft der "Swing Kids" für die "Negermusik" Jazz und englische Kleidung, ihr Tanzstil und ihr aufmüpfiger Individualismus genügten den Nazis, um massiv gegen sie vorzugehen: Hunderte von Jugendlichen wurden wegen "Anglophilie" in "Schutzhaft" genommen, zumeist ohne offizielle Anklage oder Verhandlung, viele landeten im KZ. Jörg Ueberall begab sich in Hamburg auf die Spuren der ersten städtischen Jugendsubkultur, die ihr Selbstverständnis aus der Musik zog. Er zeichnet die Entwicklung der Swing Kids von ihrer Entstehung 1936 bis zu ihrem (Nicht-)Ende 1943 - 1945 nach und erforschte, was aus den Opfern und Tätern wurde - bis heute.
Zusammenfassung
Die Leidenschaft der "e;Swing Kids"e; fur die "e;Negermusik"e; Jazz und englische Kleidung, ihr Tanzstil und ihr aufmupfiger Individualismus genugten den Nazis, um massiv gegen sie vorzugehen: Hunderte von Jugendlichen wurden wegen "e;Anglophilie"e; in "e;Schutzhaft"e; genommen, zumeist ohne offizielle Anklage oder Verhandlung, viele landeten im KZ. Jrg Ueberall begab sich in Hamburg auf die Spuren der ersten stdtischen Jugendsubkultur, die ihr Selbstverstndnis aus der Musik zog. Er zeichnet die Entwicklung der Swing Kids von ihrer Entstehung 1936 bis zu ihrem (Nicht-)Ende 1943 - 1945 nach und erforschte, was aus den Opfern und Ttern wurde - bis heute.
Leseprobe
Begriffsschwierigkeiten
Swing Boys, Swing Girls, Swing-Heinis, Swing Babys, Swing-Jugend, Swings ... Welchen Begriff sollte ich wählen für die Jugendlichen in meinem Buch?
Die Swing Kids hatten für sich selbst keine gängige Bezeichnung, da sie keine geschlossene Gruppierung waren. Untereinander nannte man(n) sich "Swing Boy", "Hot Boy", "Easy Boy" oder "Lotter Boy". Die Mädchen waren die "Swing Girls", "Lotter Ladies", "Jazzkatzen" oder "Swing Babys". Im Volksmund wurden sie abschätzig "Swing-Heinis" genannt, eine Bezeichnung, die jedoch wiederum von den "Paddler-Kreisen" (Swing Kids aus unteren Schichten) übernommen wurde und sogar mit einigem Stolz in die normale Umgangssprache der Swing Kids Eingang fand. Trotzdem hat "Swing-Heini" etwas Abwertendes, deshalb benutze ich diesen Ausdruck nicht. Einige Historiker und Jazztheoretiker verwendeten die Begriffe "Swings" und "Swinger", die mir ebenfalls nicht gefallen.
Der Begriff "Swing-Jugend" ist wahrscheinlich eine nationalsozialistische Wortschöpfung. Meinen Recherchen nach taucht der Begriff "Swing-Jugend" das erste Mal im Observationsbericht einer Tanzveranstaltung im Kaiserhof in Altona vom 3.2.1940 auf. Darin war vom "großen Treffen der Hamburger Swing-Jugend" die Rede. Dort wird auch von "vollendeten Tango-Boys mit dem berüchtigten langen Haarschnitt" gesprochen. Allerdings wurde auf dieser großen Party kein Tango getanzt. Damit hatten die Swing Kids nichts am Hut. Später sollten aus "Tango-Boys" noch "haltlose, willensschwache Psychopathen mit erheblichen Defekten auf ethisch-moralischem Gebiet" werden. Der Begriff "Swing-Jugend" wurde in Zukunft in allen Schriftstücken der Nazis verwendet, wenn es um das "Problem" der Swing Kids ging. Daher hätte ich Schwierigkeiten gehabt, den Begriff "Swing-Jugend" in diesem Buch zu verwenden.
Der größte Teil der Swing Kids war zwischen 14 und 18 Jahre alt, manche zwischen 18 und 21, nur wenige waren älter. Jugendliche dieser Altersstufe werden heute im soziologischen Terminus wie in der praktischen Sozialarbeit als "Kids" bezeichnet. Und da ihr gesamter Lebensstil auf England und Amerika ausgerichtet war und das Wort "Swing Kids" bisher nirgendwo negativ belastet ist, verwende ich diesen Begriff im weiteren Verlauf des Buches. Ich denke, er wird diesen Jugendlichen am besten gerecht.
Man begrüßte sich mit "Swing Heil!" als Persiflage auf "Heil Hitler!" oder mit "Heil Hitler!" - "Heil du ihn doch!"
Die Swing Kids waren eine eigene Subkultur. Man begrüßte sich mit "Swing Heil!" als Persiflage auf "Heil Hitler!" oder mit "Heil Hitler!" - "Heil du ihn doch!" oder auch mit "Swing high, Swing low". Eine andere typische Angewohnheit war das "Lottern" als gezielte Gegenreaktion auf Gleichschritt und Haltung des strammen Deutschen. Die Hände tief in die Hosen vergraben schlich man durch die Gegend. "Das war irgendwie diese lässige Haltung, dies Lässig-Englische" 26 , erinnert sich Gunter Lust. Oft sah man Swing Kids in Gruppen spät nachmittags zur Hauptverkehrszeit sich über den Jungfernstieg mit kleinen, swingenden Schritten, etwas nach vorn gebeugt, bewegen. Oder man überquerte im Gänsemarsch den Rathausmarkt (damals Adolf-Hitler-Platz).
Und auch mit Sprüchen war man nicht auf den Mund gefallen, die z. T. auf Melodien beliebter amerikanischer Swing-Songs gesungen wurden und manchmal sogar die "Größen" des Dritten Reiches verspotteten:
"Wir tanzen Swing bei Meier Barmbeck
Es ist verboten, wir hotten nach Noten
Und kommt die Polizei, dann tanzen wir Tango
Und ist sie wieder weg, dann singen wir den Tiger Rag."
Swing-Freunde im Stadtpark Barmbeck, 1942
Die Swing Kids hatten ihre eigenen Treffpunkte (bis in die Jahre 1941/42, als die Gestapo eingriff); beliebt bei den jüngeren Kids war das Eislauffeld im Park "Planten und Blomen", in dessen Nähe die Lokalitäten (wie man sie damals nannte) "Tante Lo" und das "Tarantel
Titel
Swing Kids
Untertitel
Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet
Autor
EAN
9783943774238
Format
E-Book (pdf)
Hersteller
Herausgeber
Genre
Digitaler Kopierschutz
Wasserzeichen
Dateigrösse
8.52 MB
Anzahl Seiten
192
Auflage
2. Aufl.
Lesemotiv
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