England, Cotswolds 1815: Olivia Keene rennt vor ihrem eigenen Geheimnis davon und stolpert dabei über das eines anderen. Obwohl sie zum Schweigen verdammt ist, nimmt sie der junge Lord Bradley mit auf sein Anwesen. Das, was die junge Frau weiß, darf niemals bekannt werden. Zu viel steht auf dem Spiel. Während Olivia sich nun um die Kinder auf Brightwell Court kümmert, behält Lord Bradley die schöne Fremde genau im Auge - mit ungeahnten Folgen.

Julie Klassen arbeitete 16 Jahre lang als Lektorin für Belletristik. Mittlerweile hat sie zahlreiche Romane aus der Zeit von Jane Austen geschrieben, von denen drei den begehrten Christy Award gewannen. Abgesehen vom Schreiben, liebt Klassen das Reisen und Wandern. Mit ihrem Mann und zwei Söhnen lebt sie in Minnesota, USA.

Autorentext
Julie Klassen arbeitete sechzehn Jahre lang als Lektorin für Belletristik. Mittlerweile hat sie zahlreiche Romane aus der Zeit von Jane Austen geschrieben, von denen mehrere den begehrten Christy Award gewannen. Abgesehen vom Schreiben, liebt Klassen das Reisen und Wandern. Mit ihrem Mann und zwei Söhnen lebt sie in Minnesota, USA. www.julieklassen.com

Leseprobe

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1

Es ist nicht gut, einen schlafenden Hund aufzuwecken.

Geoffrey Chaucer

Zwölf Jahre später.

1. November 1815

Ihr Herz pochte vor Angst und Reue, während Olivia Keene rannte, als wären ihr Höllenhunde auf den Fersen. Als hinge ihr Leben davon ab.

Sie floh aus dem Dorf, rannte über eine Wiese, kletterte über eine Schafpforte, verfing sich in ihrem Rock und fiel der Länge nach in den Dreck. Das Bündel in ihrer Umhangtasche schlug gegen ihre Hüfte. Sie beachtete es nicht, sondern stand auf und rannte weiter. Sie warf einen Blick zurück, um sicherzugehen, dass ihr niemand folgte. Vor ihr lag der Wald von Chedworth.

Die Warnungen, die sie jahrelang gehört hatte, hallten ihr durch den Kopf. »Treib dich nachts nicht im Wald herum.« Wildhunde durchstreiften diesen Wald, Diebe und Wilderer lagerten dort. Sie hatten scharfe Messer und noch schärfere Augen, mit dem sie nach leichter Beute Ausschau hielten. Eine Frau mit 24 Jahren wie Olivia war klug genug, sich nachts nicht allein in den Wald zu wagen. Aber die Schreie ihrer Mutter gellten ihr noch in den Ohren und übertönten die alte Stimme der Vorsicht. Die Gefahr, die hinter ihr lauerte, war weit realer als jede vorstellbare Gefahr, die vor ihr liegen könnte.

Angstschauer prickelten auf ihrer Haut, als sie sich in die ausgestreckten Arme des Waldes warf, der an diesem frostigen Herbstabend bereits düster und schattenhaft wirkte. Unter ihren dünnen Sohlen raschelte trockenes Laub. Zweige griffen nach ihr wie knorrige Hände. Sie stolperte über abgebrochene Äste und Unterholz, und jeder knackende Zweig erinnerte sie daran, dass ein Verfolger dicht hinter ihr sein und jeden Moment in Sichtweite kommen könnte.

Olivia rannte, bis sie Seitenstechen bekam. Schwer atmend verlangsamte sie ihr Tempo. Sie marschierte weiter, es kam ihr vor wie eine Stunde oder noch länger, doch noch immer hatte sie das andere Ende des Waldes nicht erreicht. Lief sie vielleicht im Kreis herum? Der Gedanke, die Nacht im schnell finster werdenden Wald verbringen zu müssen, veranlasste sie, ihre Schritte erneut zu beschleunigen. Sie stolperte über ein Gewirr von Wurzeln und fiel ein weiteres Mal der Länge nach hin. Ein Kratzer brannte auf ihrer Wange. Einen Moment lang blieb sie einfach liegen und versuchte, wieder zu Atem zu kommen.

Der durch den Fall verursachte Schmerz durchbrach die Mauer des Schocks, und die heißen Tränen, die sie bisher zurückgehalten hatte, strömten hervor. Sie richtete sich mühsam auf und setzte sich weinend an einen Baum.

Allmächtiger Gott, was hab ich getan?

Ein Zweig knackte und eine Eule warnte ihren Genossen mit einem Schrei. Vor Angst verstummte Olivias Schluchzen sofort. Die Haare an ihrem Hinterkopf prickelten, als sie mit weit aufgerissenen Augen versuchte, das vom Mondlicht erhellte Halbdunkel zu durchdringen.

Ein Paar Augen starrte zurück.

Ein sehniger, dunkler Hund stand mit gefletschten Zähnen keine sechs Meter von ihr entfernt. In stummer Panik tastete Olivia den Boden neben sich ab, um etwas zu finden, was sie als Waffe gebrauchen könnte. Das Unterholz bebte und der Boden wurde von einem galoppierenden Schritt erschüttert. Zwei weitere Hunde rannten vorbei, der eine trug etwas Rundes, Weißes zwischen die Kiefer geklemmt. War das der Kopf eines Schafes?

Der erste Hund drehte sich um und jagte den anderen beiden nach, gerade als Olivias Finger sich um einen dicken Stock legten. Sie umklammerte ihn fest und wünschte für einen Moment, sie hätte noch den Feuerhaken in der Hand. Von Ekel geschüttelt schob Olivia die Erinnerung an sein kaltes, hartes Gewicht beiseite. Sie lauschte einige angespannte Sekunden lang. Als sie nichts weiter hörte, erhob sie sich, den Stock noch immer fest in der Hand, und hastete durch den Wald, in der Hoffnung, dass die Hunde ihrer Fährte nicht folgen würden.

Titel
Das Schweigen der Miss Keene
Übersetzer
EAN
9783775170895
ISBN
978-3-7751-7089-5
Format
E-Book (epub)
Altersempfehlung
18 bis 18 Jahre
Hersteller
Veröffentlichung
25.11.2011
Digitaler Kopierschutz
Wasserzeichen
Dateigrösse
1.18 MB
Anzahl Seiten
413
Jahr
2011
Untertitel
Deutsch
Features
Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet
Auflage
Aufl.
Lesemotiv