»Ratlosigkeit. Ich krame in der Schublade. Der Briefwechsel mit meinem Zwilling, von uns ordentlichen Sekretärinnen meist säuberlich mit der Maschine geschrieben, liegt zusammengeschnürt, obenauf die Fotos aus Leipzig, Warschau, Amsterdam ... Nie habe ich mich von dem Packen Papier trennen können, ihn zu vernichten hätte bedeutet, das Stück Leben zu vernichten, das mich am meisten geprägt hat nein, nicht das Leben, sondern seine Zeugnisse. Noch immer könnte ich Sätze daraus aus dem Gedächtnis zitieren. 1943 aus einem Frontbetrieb in Warschau geschrieben: Man muss sich hier schämen, dass man Deutsche ist. Auch mein Erschrecken über diesen Satz habe ich nie vergessen. Wieder einmal holt mich die Vergangenheit ein. Die Vergangenheit? Das alles lebt doch noch irgendwo: Intoleranz, Grausamkeit, Gleichgültigkeit, Angst. Und Hoffnung. Immer noch: Hoffnung.« (Auszug aus dem Prolog) Wie kann man durch nationalsozialistische Propaganda verführt werden? Wie kann man aus Erfahrenem lernen? In dem Buch von Käthe Rülicke-Weiler liefern zwei junge Frauen aus Leipzig in ihren Briefen (ergänzt durch Tagebuchnotizen und historische Dokumente) ein lebendiges Bild der Vergangenheit von 1943 bis 1948 und sie zeigen, was es heißt, in dieser Zeit gelebt zu haben. Kein Geringerer als Bertolt Brecht ermunterte seine Mitarbeiterin Käthe Rülicke, dieses »Briefebuch« zu realisieren. Das Buch wurde von Heidrun Güttel herausgegeben und um ein Nachwort von Dr. Ute Pott, der Leiterin des Gleimhauses in Halberstadt, bereichert

Autorentext

Käthe Rülicke-Weiler (* 31. Mai 1922 in Leipzig; + 7. September 1992 in Berlin) war eine deutsche Dramaturgin und Theaterwissenschaftlerin. Sie arbeitete als Dramaturgin sowie Film- und Fernsehwissenschaftlerin in der DDR.

Von 1948 bis 1950 studierte sie Kulturwissenschaften in Leipzig und wurde 1950 Mitglied von Brechts Berliner Ensemble. Von 1951 bis 1956 war sie als Regie-Assistentin und Dramaturgin an vielen Theaterproduktionen Bertolt Brechts beteiligt.

Nach Brechts Tod war sie zunächst als freiberufliche Dramaturgin tätig. Seit 1961 war sie am Institut für Gesellschaftswissenschaften beim Zentralkomitee der SED tätig, wo sie 1965 mit der Dissertation "Die Dramaturgie Brechts, Theater als Mittel der Veränderung" promovierte. Anschließend wurde sie Chefdramaturgin der Hauptabteilung Dramatische Kunst beim Deutschen Fernsehfunk, dem staatlichen Fernsehen der DDR. Von 1967 bis 1982 arbeitete sie an der Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam, seit 1971 als Professorin.

Titel
Bleib übrig, Zwilling
Untertitel
Zwei junge Frauen in Kriegs- und Nachkriegszeit 1943 bis 1948
Nachwort von
EAN
9783867295888
Format
E-Book (pdf)
Hersteller
Digitaler Kopierschutz
frei
Anzahl Seiten
192
Gewicht
414g
Größe
H23mm x B15mm
Auflage
1. Auflage