Evaluation, Akkreditierung und Politik analysiert die Entstehung eines deutschen und europäischen Marktes der Qualitätssicherung für die Hochschullehre. Der so genannte Bolognaprozess verpflichtet die europäischen Mitgliedsstaaten, Anstrengungen vorzunehmen, um das Hochschulstudium vergleichbarer zu machen und teilweise sogar zu vereinheitlichen. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung bildet die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen, die von nationalen Evaluations- und Akkreditierungsagenturen auf ihre Qualität geprüft und zertifiziert werden müssen. Im Fokus der Untersuchung steht ein Strukturbildungsprozess, der die Gründung deutscher Evaluations- und Akkreditierungsagenturen als Teil einer nationalen Reform der Hochschulsteuerung motivierte. Dieser Strukturbildungsprozess hatte weit reichende Implikationen für die deutsche und europäische Hochschulpolitik, die in der Studie qualitativ und quantitativ ergründet werden.
Die Studie wurde mit dem Europapreis 2007 des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller ausgezeichnet.
Augezeichnet mit dem Europapreis 2007 des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller!
Vorwort
Zur Organisation von Qualitätssicherung im Zuge des Bolognaprozesses
Autorentext
Kathia Serrano-Velarde ist Post-Doktorandin am Centre de Sociologie des Organisations/ Science Po in Paris.
Zusammenfassung
17 (Pasternack 2001) gedacht wird. Zum anderen geht die Einführung von Qua- tätssicherung mit einem gewandelten Verständnis von Hochschule und Staat einher, das Anfang der 1990er Jahre ins Zentrum hochschulpolitischer Diskus- onen rückte und in sehr kurzer Zeit einschneidende Reformen motivierte. Qua- tätssicherung wird dabei als neuartiges Steuerungsinstrument begriffen, das den Hochschulen erlauben soll, sich auf effektive bzw. effiziente Art und Weise selbst zu verwalten und dadurch das politische System (d. h. die Ministerialbü- kratie der Bundesländer) zu entlasten. Das Kapitel thematisiert aber nicht nur die historische Evolution des V- hältnisses von Staat und Hochschule. Vielmehr wird versucht, die Entwicklung hochschulpolitischer Steuerung und des dahinter stehenden Qualitätskonzeptes von Hochschulbildung theoretisch auszuleuchten. So wird als theoretischer Le- faden auf systemtheoretische Steuerungskonzepte zurückgegriffen, die in einem letzten Teil einer kritischen Analyse deutscher Steuerungspolitik im Ho- schulbereich kulminieren und die empirischen Untersuchungen in Kapitel 4 und 5 einleiten sollen. Die historische Einführung der organisationalen Feldstudie erhebt kein- falls den Anspruch auf Vollständigkeit. Ziel des Kapitels ist es vielmehr, die steuerungspolitische Dimension deutscher Qualitätssicherung zu verdeutlichen und historisch zu belegen. Wie bereits Peter Moraw bemerkte, ist jede Phase durch interne Brüche geprägt. Relevant werden diese Brüche für die Studie nur, insofern sie die Entwicklung des Forschungsobjektes beeinflussen. Dementsp- chend werden zwar die Konsequenzen der historischen Zäsur zwischen 1933 und 1945 für die Evolution deutscher Qualitätspolitik dargestellt. Auf eine detaillierte Ausführung der hochschulpolitischen Entwicklung in diesen Jahren wird jedoch verzichtet.
Inhalt
Evaluation, Akkreditierung und Politik. Zur Organisation von Qualitätssicherung im Zuge des Bolognaprozesses.- Die Geschichte der Qualitätssicherung im deutschen Hochschulraum.- Theoretischer Bezugsrahmen.- Genese und Strukturierung des organisationalen Feldes deutscher Qualitätssicherungsagenturen.- Europapolitik der Qualitätssicherung.- Zusammenfassung der Analyseergebnisse und Ausblick.