Weshalb treten Menschen einer Organisation bei, und unter welchen Bedingungen entwickelt ein zahlendes Mitglied partizipatorisches Interesse und freiwilliges Engagement? Diesen Fragen, auf die sowohl kleine Vereine als auch große Verbände nach Antworten suchen, geht Kirstin Bromberg in ihrer qualitativen Studie nach. Deren Befunde weisen nicht nur die Begrenztheit zweckrationaler Theorien zur Erklärung von verbandsbezogenen Mitgliedschaften nach. Vielmehr wird entlang empirischer Beispiele gezeigt, dass Zugehörigkeiten stets das Ergebnis einer interaktiven Aushandlung zwischen Akteuren (potenziellen Mitgliedern) und Organisationen sind. Anhand eines eigens entwickelten Theoriemodells zur Bestimmung des Verhältnisses von Individuum und Gruppe stellt die Autorin heraus, dass kollektive Identität als verhandelbares und ausgehandeltes Konstrukt zugleich nicht nur für die hier untersuchten deutschen Gewerkschaften, sondern gleichermaßen für jede organisatorische Form mit Mitgliederbezug gilt. Hiermit stellt sich die Untersuchung in die interaktionstheoretische Tradition der Chicago-Soziologie und erbringt zugleich eine zentrale Transferleistung für andere mitgliederbezogene Verbände und Organisationen.



Rekrutierungs- und Bindungsprozesse bei deutschen Gewerkschaften

Vorwort
Rekrutierungs- und Bindungsprozesse bei deutschen Gewerkschaften

Autorentext
Dr. Kirstin Bromberg ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam.

Zusammenfassung
Einleitung 1 Diese Studie erfasst deutsche Gewerkschaften , indem sie das soziale und koll- tive Handeln ihrer hauptberuflichen Mitglieder untersucht ein Handeln, wie es die Gewerkschaften organisationskulturell konstituiert und wie es umgekehrt von den Gewerkschaften beeinflusst wird. Kollektives Handeln umfasst aus der rekonstruktiv ermittelten Perspektive hauptberuflicher Akteure im mitgliedernahen Bereich von Gewerkschaften - wohl emotionale als auch moralische und kognitive Aspekte, die unter der b- grafieanalytischen Perspektive erfasst werden. Die Wahl dieses akteursbezo- nen Ansatzes für die vorgelegte qualitative Studie resultiert aus einem empiri- 2 schen Befund , der auf starke regionale Differenzen im ehrenamtlichen Enga- ment bei Gewerkschaften verweist. Ursprünglich beabsichtigte die Arbeit zu klären, welche begünstigenden und hemmenden Faktoren für das Zustandekommen ehrenamtlichen Enga- ments bei Gewerkschaften rekonstruiert werden können. Im Forschungsprozess entwickelte sich daraus die Frage: Wie kommt es dazu, dass Menschen sich einer Gewerkschaft anschließen und inwieweit verändern sie dadurch sich selbst und zugleich die Gewerkschaft? Antwort auf diese Fragen gibt das in dieser Studie generierte theoretische Erklärungsmodell zur Rekrutierungs- und Bindungspraxis in der sozialen Welt der Gewerkschaften. Diese gegenstandsbezogene Theorie verdankt sich ein- seits der methodologischen Einsicht in die Begrenztheit des eigenen Frageho- zonts und wie wenig er mir bei der Erforschung der komplexen sozialen Wi- lichkeit der Gewerkschaften von Nutzen sein würde. Andererseits verdankt sie sich der Erkenntnis, welch großes Potenzial in dem liegt, was hauptberufliche Gewerkschaftsmitglieder aus ihrem Berufsalltag von sich aus zu erzählen haben.

Inhalt
Theoretische Rahmung: Gewerkschaften Individualität Kollektivität.- Methodologische Rahmung und methodischer Prozess.- Empirisch-analytischer Teil.- Theoretischer Teil.
Titel
Rekrutierung - Bindung - Zugehörigkeit
Untertitel
Eine biografieanalytische Studie zur sozialen Welt der Gewerkschaften
EAN
9783531915524
Format
E-Book (pdf)
Digitaler Kopierschutz
Wasserzeichen
Dateigrösse
2.92 MB
Anzahl Seiten
303
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